Krank sein als Assistenzarzt – darf ich das?

Wer heutzutage krank ist, muss sich nicht zur Arbeit schleppen: Die eigene Gesundheit sowie die der Kollegen und Patienten, die man gegebenenfalls anstecken könnte, steht im Vordergrund. Die folgenden Dinge muss man beachten, wenn man krank ist und besser zu Hause bleibt.

Kranke Frau

Heute kein No-Go mehr: Als Arzt oder Ärztin bei Krankheit im Bett bleiben. | Andrey Popov/Fotolia

Es gibt sie noch immer, die preußisch gesinnten Chefärzte, die dem antiquierten Berufsethos anhängen, als Arzt müsse man im Krankheitsfall stramm stehen und zur Arbeit gehen, unabhängig davon wie krank man tatsächlich ist. Dass man die Patienten und Kollegen anstecken könnte und auch ein großes, persönliches Risiko eingeht, weil die Erkrankung chronisch werden kann, eine Erschöpfungserscheinung ist oder man zu Fehlern neigt – wie soll ein Chirurg mit zittriger Hand operieren? – wird dann geflissentlich übersehen. Dabei sind junge Ärzte heute im Vorteil. Die Gesetzgebung ist eindeutig und die Arbeitgeber müssen, auch um als fairer Arbeitgeber zu gelten, die Rechte ihrer Mitarbeiter respektieren – sonst sind sie auch gegenüber den anderen Arbeitgebern nicht konkurrenzfähig. Deshalb muss man sich als Assistenzarzt oder Assistenzärztin heute keinesfalls mehr krank zur Arbeit schleppen.

Krankschreibung – so meldet man sich korrekt ab

Am Morgen informiert man – per Mail oder telefonisch – die zuständige Person. Das kann eine Sekretärin oder der/die Vorgesetzte sein. Je nach Arbeitgeber bzw. Abteilung gibt es hier unterschiedliche Regelungen. Je nachdem, wie krank Sie sich fühlen, können Sie dann den Sie vertretenden Kollegen zwecks einer Übergabe kontaktieren und ihn oder sie über den Zustand der Ihnen anvertrauten Patienten informieren. Das ist aber kein Muss! Und auch über Ihre Genesung, sprich: wann Sie wieder arbeitsfähig sind, müssen Sie nicht sprechen. Das entscheiden ja ohnehin nicht Sie selbst, sondern der behandelnde Arzt. 

Denn auch wenn Sie Arzt sind, müssen Sie einen Kollegen aufsuchen, der Sie krankschreibt. Als Freiberufler können sie das zwar theoretisch selbst tun, um Nachfragen der Krankenkasse zu vermeiden, ist aber auch hier der Besuch der Praxis eines Kollegen anzuraten. Dann ist Ihre Krankheit von einem Dritten bescheinigt worden und Sie sind auf der sicheren Seite. Wenn Sie nicht wissen, ab dem wievielten Tag Sie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) benötigen, schauen Sie einfach in Ihrem Arbeitsvertrag nach. 

Durchschlag verschicken nicht vergessen

Den Durchschlag mit der Diagnose schicken Sie Ihrer Krankenkasse, denn ab der 7. Woche ist diese für Ihre Lohnfortzahlungen zuständig. Wenn Sie gesetzlich versichert sind, wird das Krankengeld über 78 Wochen gezahlt, es beträgt 70 Prozent des Nettoeinkommens. Als Privatversicherter haben Sie – meist bei Versicherungsabschluss – ein individuelles Krankentagegeld vereinbart, das Sie nun erhalten. Die ersten sechs Wochen zahlt Ihr Arbeitgeber Ihnen noch den kompletten Gehalt.  

Den Durchschlag ohne Diagnose senden Sie dem Arbeitgeber zu. Dies hat einen einfachen Grund: Der Arbeitgeber ist gesetzlich nicht befugt zu wissen, an welcher Erkrankung Sie leiden. Er hat sogar die Pflicht seine Mitarbeiter anzuweisen, Sie in dienstlichen Dingen nicht zu kontaktieren. Denn nicht nur Sie wollen möglichst schnell gesund werden, Ihre Krankenkasse und Ihr Arbeitgeber wollen es auch. Deshalb handelt man auch im Interesse aller, wenn man sich gründlich auskuriert.