Überblick: Weiterbildung Innere Medizin und Hämatologie/Onkologie

Unter den Teildisziplinen der Inneren Medizin nimmt die Fachrichtung Hämatologie und Onkologie einen wichtigen Stellenwert ein. Um in diesem Bereich praktizieren zu können, müssen Ärztinnen und Ärzte eine mindestens 72-monatige Ärztliche Weiterbildung absolvieren.

Bluttests

Laboruntersuchungen von Blut und anderen Körperflüssigkeiten sind ein wichtiger Bestandteil von Screeningtests, die in der Onkologie zum Einsatz kommen. | Gamjai/Fotolia

"Es gibt kaum ein Fach, in dem sich so viel tut", sagt Prof. Dr. Frank Griesinger über die Hämatologie/Medizinische Onkologie. Er ist Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie des Pius-Hospitals Oldenburg und betont, dass fast täglich neue Studien zu seiner Fachrichtung herausgegeben werden. Deshalb sind Wissbegier und Neugier wichtig, wenn man in diesem Fachbereich tätig werden möchte. Aber auch der Kontakt zum Patienten spielt eine große Rolle, denn anders als bei anderen Fachrichtungen gibt es in der Hämatologie/Onkologie eine große Patientennähe. Hier sagen praktizierende Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie, warum sie sich für ihren Fachbereich entschieden haben.

Hämatologie ist die Lehre von der Physiologie, Pathophysiologie sowie den Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe. Sie umfasst maligne Erkrankungen des Blutes, Bildungsstörungen des Knochenmarks, Blutveränderungen durch immunologische Prozesse, Störungen der Blutstillung (hämorrhagische Diathesen; Hämophilie) und Übergerinnbarkeit des Blutes (Thrombophilie). Die beiden letztgenannten Krankheitsgruppen werden auch unter dem Fachbegriff Hämostaseologie (Lehre der Blutgerinnung) subsumiert.

Die wichtigsten Blutkrankheiten sind die akute und chronische Leukämie (Blutkrebs), bösartige Veränderungen der Lymphknoten, Anämie und Hämophilie.

Man arbeitet als Facharzt oder Fachärztin für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie entweder in einem Klinikum oder in einem Labor. Das Fach ist interdisziplinär angelegt, insbesondere im Klinikum tauscht man sich häufig mit Kollegen vieler anderer Fachrichtungen aus, wobei man bei onkologischen Fragestellungen als Experte für Leukämie gilt. Bezahlt wird man bei Anstellung oft nach Tarif. An diesen Häusern verdienen Assistenzärzte am meisten.

Welche Kenntnisse erlangt man durch die Weiterbildung?

Dauer der Weiterbildung

Insgesamt dauert die Weiterbildung zum Facharzt/zur Fachärztin für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie 72 Monate, davon

  • müssen 36 Monate in Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie abgeleistet werden (24 Monate in der stationären Patientenversorgung)
  • müssen 24 Monate in mindestens zwei anderen Facharztkompetenzen des Gebiets abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden

Inhalte der Weiterbildung

Übergreifende Inhalte

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Beratung bezüglich gesundheitsfördernder Lebensführung
  • Schulung bei ernährungsbedingten Gesundheitsstörungen
  • Begutachtung der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit
  • Begutachtung der Arbeitsunfähigkeit und Erwerbsminderung
  • Begutachtung der Pflegebedürftigkeit
  • Beratung und Führung Suchtkranker sowie Suchtprävention
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Beratung zu Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten einschließlich Organspende

Fachgebundene genetische Beratung

  • Grundlagen hereditärer und multifaktorieller Krankheitsbilder und Entwicklungsstörungen
  • Interpretation und Aussagekraft genetischer Untersuchungsergebnisse (Sensitivität, Spezifität, prädiktiver Wert)
  • Methodische, psychosoziale und ethische Aspekte der genetischen Beratung und Diagnostik einschließlich pharmakogenetischer Tests
  • Erkennung fachbezogener genetisch bedingter Krankheitsbilder oder Entwicklungsstörungen
  • Fachgebundene genetische Beratung bei diagnostischer und prädiktiver genetischer Untersuchung

Notfall- und intensivmedizinische Maßnahmen im Gebiet Innere Medizin

  • Stufendiagnostik und Therapie bei akut einsetzenden Leitsymptomen, z. B. Dyspnoe, Thoraxschmerz, Bauchschmerz, passagere und persistierende Bewusstseinsstörungen, Fieber, Erbrechen, Durchfall
  • Diagnostik und Therapie akuter und vital bedrohlicher Erkrankungen und Zustände, insbesondere
  1. respiratorische Insuffizienz
  2. Schock
  3. kardiale Insuffizienz
  4. akutes Nierenversagen
  5. sonstiges Ein- und Mehrorganversagen
  6. Koma und Delir
  7. Sepsis
  8. Intoxikationen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Intensivmedizinische Behandlung von Patienten mit Funktionsstörungen von mindestens zwei vitalen Organsysteme
  • Analgosedierung von intensivmedizinischen Patienten
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten einschließlich Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Therapie von Stoffwechselentgleisungen
  • Notfallsonographie
  • Notfallbronchoskopie
  • Passagere Schrittmacheranlage
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken, insbesondere
  1. zentralvenöse Zugänge
  2. arterielle Gefäßzugänge
  • Endotracheale Intubation

Infektionen im Gebiet Innere Medizin

  • Meldepflichten gemäß Infektionsschutzgesetz
  • Vorsorge und Behandlung häufiger Infektionskrankheiten
  • Management bei therapieresistenten Erregern

Funktionelle Störungen im Gebiet Innere Medizin

  • Basisbehandlung psychosomatischer Krankheitsbilder
  • Krisenintervention unter Berücksichtigung psychosozialer Zusammenhänge

Diagnostische Verfahren im Gebiet Innere Medizin

  • Durchführung von ultraschallgestützten Punktionen bei Pleuraerguss und Aszites
  • B-Modus-Sonographie der Schilddrüse
  • Elektrokardiogramm
  • Langzeit-Elektrokardiogramm
  • Ergometrie
  • Langzeitblutdruckmessung
  • CW-, PW-, Duplex-, Farbduplex-Sonographie der Arterien und Venen
  • B-Modus-Sonographie der peripheren Arterien und Venen
  • B-Modus-Sonographie des Abdomens und Retroperitoneums einschließlich der Nieren und ableitender Harnwege (Richtzahl: 400)
  • Spirometrische Untersuchung der Lungenfunktion
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation von Röntgen-Thorax-Untersuchungen
  • Differentialdiagnosen atopischer Erkrankungen

Therapeutische Verfahren im Gebiet Innere Medizin

  • Durchführung von Entlastungspunktionen und Drainagen bei Pleuraerguss und Aszites
  • Enterale und parenterale Ernährung einschließlich Sondentechnik mit Berechnung des Energie- und Nährstoffbedarfs sowie Erstellen eines Ernährungsplans
  • Infusionstherapie
  • Transfusions- und Blutersatztherapie

Angiologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Erkrankungen von Arterien, Venen, Kapillaren und Lymphgefäßen
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen von Arterien, Venen, Kapillaren und Lymphgefäßen

Endokrinologische und diabetologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation endokriner Erkrankungen einschließlich assoziierter Stoffwechselstörungen
  • Internistische Basisbehandlung von endokrinen Erkrankungen einschließlich assoziierter Stoffwechselstörungen
  • Behandlung des Diabetes mellitus

Gastroenterologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Krankheiten der Verdauungsorgane sowie der exokrinen Verdauungsdrüsen und ihrer Ableitungswege
  • Internistische Basisbehandlung von Krankheiten der Verdauungsorgane sowie der exokrinen Verdauungsdrüsen und ihrer Ableitungswege

Geriatrische Basisbehandlung

  • Spezielle geriatrische Behandlungsmöglichkeiten mit dem Ziel der Erhaltung und Wiederherstellung größtmöglicher Selbstständigkeit
  • Behandlung von Erkrankungen und Behinderungen des höheren Lebensalters einschließlich interdisziplinärer Aspekte bei Multimorbidität

Kardiologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs

Nephrologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der akuten und chronischen Nierenkrankheiten sowie deren extrarenaler Komplikationen
  • Internistische Basisbehandlung von akuten und chronischen Nierenkrankheiten sowie deren extrarenale Komplikationen

Pneumologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Erkrankungen der Atemwege, der Lunge, des Lungenkreislaufs, des Mediastinum, der Pleura, der Atempumpe einschließlich schlafbezogener Atmungsstörungen sowie der extrapulmonalen Manifestationen pulmonaler Erkrankungen
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen der Atemwege, der Lunge, des Lungenkreislaufs, des Mediastinum, der Pleura, der Atempumpe einschließlich schlafbezogener Atmungsstörungen sowie der extrapulmonalen Manifestationen pulmonaler Erkrankungen
  • Grundlagen allergologischer Erkrankungen

Rheumatologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation entzündlich-rheumatischer Systemerkrankungen sowie entzündlicher Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Internistische Basisbehandlung von entzündlich-rheumatischen Systemerkrankungen sowie entzündlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates

Spezifische Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie

Hämatologie und Onkologie

  • Prävention, Differentialdiagnose, Therapieoptionen und Nachsorge der Erkrankungen des Blutes, der blutbildenden Organe und des lymphatischen Systems einschließlich der hämatologischen Neoplasien, der unterschiedlichen soliden Tumoren, humoraler und zellulärer Immundefekte, sowie der systemischen medikamentösen, insbesondere der chemotherapeutischen Behandlung maligner Erkrankungen, auch unter Berücksichtigung des höheren Lebensalters
  • Epidemiologie, Screening, Prävention und Prognosebeurteilung maligner Erkrankungen
  • Stadieneinteilung, Management, Therapiestrategien und Prognoseabschätzung hämatologischer Systemerkrankungen sowie solider Tumorerkrankungen

Diagnostische Verfahren in der Hämatologie und Onkologie

  • Indikationsstellung und Befundinterpretation von Sonographien und Röntgendiagnostik sowie von weiteren bildgebenden Verfahren
  • Indikationsstellung bildgebungsgestützter und interventioneller Verfahren der lokalen Tumortherapie
  • Ultraschallgestützte Punktionen an Lymphknoten und Weichteiltumoren sowie an der Leber
  • Punktionen des Liquorraumes
  • B-Modus-Sonographie der Subcutis und peripheren Lymphknotenregionen
  • B-Modus-Sonographie der Gesichts- und Halsweichteile
  • B-Modus-Sonographie von Ergüssen in serösen Körperhöhlen
  • Durchführung und Befunderstellung spezieller Laboruntersuchungen einschließlich Funktionsprüfungen, immunologischer und molekularer Diagnostik des peripheren Blutes, des Knochenmarks, anderer Körperflüssigkeiten sowie zytologischer Feinnadelaspirate, davon
  1. peripherer Blutausstrich (Richtzahl: 500)
  2. Knochenmarkausstrich (Richtzahl: 500)
  3. zytochemische Färbungen
  4. zytologische Präparate anderer Körperflüssigkeiten oder Feinnadelaspirate
  • Knochenmarkaspiration und Knochenstanzbiopsie
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation immunologischer und molekularer Zelldiagnostik

Therapeutische Verfahren in der Hämatologie und Onkologie

  • Grundlagen der Hochdosistherapie und spezieller zellulärer Therapieverfahren
  • Therapie nicht-maligner hämatologischer Erkrankungen
  • Durchführung, Überwachung und Nachsorge von systemischer Tumortherapie bei soliden Tumorerkrankungen und hämatologischen Neoplasien unter Berücksichtigung des Allgemeinzustandes und der Komorbiditäten des Patienten, von Wirksamkeit und Sicherheit der Arzneimittel sowie von Nutzen und Zusatznutzen, davon in Behandlungsfällen bei
  1. hämatologischen Neoplasien (Richtzahl: 200)
  2. soliden Tumorerkrankungen (Richtzahl: 400)
  • Behandlung von Spätfolgen nach medikamentöser Tumortherapie
  • Indikationsstellung zu chirurgischen, strahlentherapeutischen, interventionellen und nuklearmedizinischen Behandlungsverfahren sowie deren prognostische Beurteilung im multidisziplinären Team
  • Falldarstellung in der interdisziplinären Tumorkonferenz (Richtzahl: 50)
  • Behandlung von Patienten mit febriler Neutropenie
  • Behandlung des onkologischen Patienten im höheren Lebensalter
  • Spezielle palliativmedizinische Betreuung bei Patienten mit Systemerkrankungen und malignen Tumoren
  • Behandlung von hämatologischen und onkologischen Notfällen

Gerinnungsstörungen

  • Diagnostik, Beratung und Therapie von
  1. angeborenen und erworbenen hämorrhagischen Diathesen
  2. angeborenen und erworbenen Hyperkoagulopathien
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation von Globaltests der Blutgerinnung und zur Kontrolle des Fibrinolysesystems sowie Einzelfaktorbestimmungen

Supportivtherapie

  • Supportivtherapie bei Tumorerkrankungen einschließlich antiemetischer Therapie, Ernährung und Diätetik
  • Einleitung und Überwachung von Rehabilitationsmaßnahmen
  • Infektionsprophylaxe und Behandlung von Infektionen
  • Situationsgerechte Kommunikation mit Patienten und Angehörigen einschließlich psychosozialer Aspekte bei lebensbedrohlichen oder fortgeschrittenen onkologischen und hämatologischen Erkrankungen

 Quelle: (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018

Innere Medizin - Informationen, Interviews, News und Videobeiträge rund um das facettenreiche Facharztgebiet mit zahlreichen Fachbereichen.