Berufseinstieg als Assistenzärztin: Bitte keine „Ehrenpflegas“!

Operation Karriere-Bloggerin Nohma ist seit wenigen Monaten Assistenzärztin. Bei ihrem Berufseinstieg hat sie viel Unterstützung von erfahrenen Pflegekräften bekommen. Umso mehr ärgert sie sich über die Mini-Serie "Ehrenpflegas".

Nohma El-Hajj hat ihr Medizinstudium in Heidelberg im Dezember 2019 abgeschlossen. Auf Operation Karriere schreibt sie über ihren Berufseinstieg als Assistenzärztin. | privat / DÄV

Seien wir mal ehrlich: Wer rettet uns Frisch-Ärzte immer wieder aus den Tiefen der anfänglichen Ahnungslosigkeiten? Wer springt souverän ein, wenn Patienten ihre ungnädigen Fragen stellen und vertuscht so die ein oder andere Wissenslücke? Wer ist Kompass in Momenten reinster Orientierungslosigkeit? Und wer hat die Macht, unsere Autorität als neue Ärzte zu retten (oder auch sie zu untergraben)? Eben, niemand sonst als die Pflege.

Wir alle kennen jene Pflegende, die Zufluchtsort für uns Assistenten sind, weil sie jahrelange Erfahrung mitbringen, Kompetenz bieten und schlichtweg wissen, wie der Hase läuft. In der Regel reichen sie uns die Hand oder halten sie schützend über uns, wenn wir vor den ungeduldigen Blicken der wartenden Patienten in der Ambulanz entlang huschen. Sie weihen uns in die Gepflogenheiten der neuen Umgebung ein, reichen bereitwillig Insidertipps  weiter, warnen vor den Macken gewisser Oberärzte und trösten eine geschundene Seele während eines erbarmungslosen Dienstes.

Operation Karriere-Bloggerin Nohma ist seit wenigen Monaten Assistenzärztin. Doch in ihrem Arbeitsalltag begleitet sie eine gewisse Unsicherheit – ein Gefühl, dass viele Berufeinsteiger kennen. In ihrem ersten Blobgeitrag schildert Nohma, wie sie damit umgeht.

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Sie haben die Patienten stärker im Blick als wir, füttern uns mit den nötigen Informationen und sorgen dafür, dass die Arbeit zügig und glatt läuft. Von qualifizierten Pflegekräften profitieren also nicht nur Patienten, sondern auch und vor allem wir Ärzte. Deshalb geht es auch um uns, wenn über die Nachwuchsproblematik in der Pflege diskutiert wird. Der Beruf hat aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen und der unangemessenen Bezahlung ein erhebliches Imageproblem. Erfahrene Pflegende wenden sich peu à peu ab, junge Menschen ziehen aus nachvollziehbaren Gründen nicht nach. Während Corona schaute die Nation mit Dankbarkeit auf diese sogenannte systemrelevante Berufsgruppe. Es gab regelmäßigen Applaus und leidenschaftliche Sympathiebekundungen. Und die Erkenntnis: Ohne diese Leute, sind wir aufgeschmissen.

Umso mehr erstaunt mich also diese vom Bundesfamilienministerium initiierte Mini-Serie „Ehrenpflegas“, mit der um den Pflegenachwuchs geworben werden soll. Ein Fünfteiler aus geistlosen Dialogen und stupiden Charakteren, die sich in einer Pflegeschule ausbilden lassen wollen. Und als Zuschauerin stellt sich mir unwillkürlich diese eine Frage: Wen genau möchte das Ministerium für diesen Job an unsere Seite stellen? Idioten? Ich werde das Gefühl nicht los, dass so manch einer nicht so recht verstanden haben will, worum es im Pflegeberuf eigentlich geht und welche Verantwortung zu tragen ist oder was es bedeutet im medizinischen Sektor tätig zu sein. Ich zweifle daran, dass die Politik im Stande ist Außenstehenden zu erklären, was eine Pflegekraft zu leisten hat, körperlich und geistig. So scheint es mir fast, dass der Aufklärungsprozess aus der anderen Richtung kommen muss: Die Politik sollte sich von Pflegenden erklären lassen, wie der Pflegeberuf funktioniert, bevor die politische Werbetrommel gerührt wird. Und bis dahin möge man bitte mich (und alle anderen Pflegenden, Ärzte und Patienten) mit „Ehrenpflegas“ im richtigen Leben verschonen.

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