Arzt mit Durchbilck – Facharzt für Radiologie

Radiologen arbeiten nur in der Dunkelkammer, haben kaum Patientenkontakt und sitzen den ganzen Tag vor dem Bildschirm – warum diese Vorurteile nicht stimmen und wie die Arbeit als Radiologe wirklich ist, erklärte Dr. Sarah Hasselmann (Arnsberg) auf dem Operation Karriere-Kongress in Bochum.

Radiologen sind seltene und gefragte Fachärzte. Was das für diejenigen bedeutet, die sich für dieses Fachgebiet entscheiden, erklärte Dr. Sarah Hasselmann. | Stefanie Hanke

Zu Beginn ihres Vortrags umriss Hasselmann, was Radiologen überhaupt machen: "Die Radiologie umfasst die Erkennung von Krankheiten mit Hilfe ioniserender Strahlen, kernphysikalischer und sonographischer Verfahren sowie dei Anwendung interventioneller, minimal-invasiver radiologischer Verfahren." Dazu gehören die Bereichen Röntgen und Mammographie, MRT, CT, Ultraschall und die Nuklearmedizin.

"Die Radiologie ist ein diagnostisches Fach. In der Praxis bedeutet das: Sie entscheiden mit. Ist der Arm gebrochen oder nicht? Das klärt der Radiologe – und damit hat er auch entscheidenden Einfluss auf die weitere Behandlung", beschrieb Hasselmann den hohen Stellenwert der Radiologen im Klinikalltag. Das CT sei schon längst eine gängige Methode der Erstdiagnostik in der Notaufnahme.

Wer wirklich Freude an interdisziplinärer Arbeit habe, sei in der Radiologie gut aufgehoben, erklärte die Referentin. Es gebe Schnittstellen zu fast allen anderen Fachgebieten: So habe man häufig mit der Orthopädie und Unfallchirurgie, der Inneren Medizin, der Gynäkologie, der Strahlentherapie, der Onkologie oder der Neurologie zu tun. Als Radiologe brauche mal ein Basiswissen in vielen anderen Bereichen.

Fakten: Weiterbildung zum Facharzt der Radiologie

Die Weiterbildungszeit in der Radiologie beträgt 60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon können bis zu

  • 12 Monate in den Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung und/oder in Nuklearmedizin angerechnet werden
  • 12 Monate in den Schwerpunktbildungen des Gebietes angerechnet werden.

Die Weiterbildung zum Facharzt für Radiologie sieht den Erwerb von folgenden Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten vor:

  • Indikation der mit ionisierenden Strahlen und kernphysikalischen Verfahren zu untersuchenden Erkrankungen
  • radiologische Untersuchungsverfahren mit ionisierenden Strahlen einschließlich ihrer Befundung
  • Magnetresonanzverfahren und Spektroskopie einschließlich ihrer Befundung
  • Sonographie einschließlich ihrer Befundung
  • interventionell-radiologische Verfahren auch in interdisziplinärer Zusammenarbeit
  • Analgesierungs- und Sedierungsmaßnahmen einschließlich der Behandlung akuter Schmerzzustände
  • Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktion und Wiederbelebung
  • Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
  • physikalische Grundlagen der Magnetresonanzverfahren und Biophysik einschließlich der Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung sowie des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
  • Gerätekunde.

  • Ultraschalluntersuchungen, einschließlich Doppler-/Duplex-Untersuchungen, an allen Organen und Organsystemen
  • radiologische Diagnostik einschließlich Computertomographie (z.B. an Skelett und Gelenken, Schädel einschließlich Spezialaufnahmen, Rückenmark und Nerven, Thorax und Thoraxorganen, Abdomen und Abdominalorganen, Urogenitaltrakt, der Mamma, Gefäßen [Arterio-, Phlebo- und Lymphographien])
  • Magnetresonanztomographien (z.B. an Hirn, Rückenmark, Nerven, Skelett, Gelenken, Weichteilen einschließlich der Mamma, Thorax, Abdomen, Becken, Gefäßen)
  • interventionelle und minimal-invasive radiologische Verfahren (davon Gefäßpunktionen, -zugänge und -kathetisierungen, rekanalisierende Verfahren [z.B. PTA, Lyse, Fragmentation, Stent], perkutane Einbringung von Implantaten, gefäßverschließende Verfahren, z.B. Embolisation, Sklerosierung)
  • Punktionsverfahren zur Gewinnung von Gewebe und Flüssigkeiten sowie Drainagen von pathologischen Flüssigkeitsansammlungen
  • perkutane Therapie bei Schmerzzuständen und Tumoren sowie ablative und gewebestabilisierende Verfahren

Die Dauer der Weiterbildungszeit in den Schwerpunkten Kinderradiologie und Neuroradiologie beträgt jeweils 36 Monate.

Der Schwerpunkt Kinderradiologie sieht den Erwerb von folgenden Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten vor:

  • radiologische Diagnostik bei Kindern unter besonderer Berücksichtigung der Strahlenschutzmaßnahmen
  • Besonderheiten in der Indikationsstellung und Anwendung ionisierender Strahlen und kernphysikalischer Verfahren im Kindesalter einschließlich der Strahlenbiologie und der Strahlenphysik.

Der Schwerpunkt Neuroradiologie sieht den Erwerb von folgenden Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten vor:

  • Grundlagen neurologisch-neurochirurgischer und psychiatrischer Erkrankungen
  • Untersuchungen des zentralen Nervensystems einschließlich der Schädelbasis und ihrer benachbarten Räume, des autonomen Nervensystems, der peripheren Nerven mittels Computertomographie und Magnetresonanztomographie
  • Untersuchungen der Liquorräume des Kopfes und Spinalkanals mit intrathekalem Kontrastmittel wie Myelographie, Zisternographie
  • Kontrastmittel-Katheter-Angiographie von hirnversorgenden und spinalen Gefäßen.

Quelle: Musterweiterbildungsordnung 2013 der Bundesärztekammer, Foto: avenue images

Hasselmann entkräftete auch einige gängige Vorurteile über das Fachgebiet: So arbeite sie nicht ständig in der Dunkelkammer oder vor dem Bildschirm – als Radiologin führe sie viele Patientengespräche, z.B. in der Brustkrebsdiagnostik. Außerdem bekomme sie durchaus genug Sonne – ihr Büro habe sogar ein Fenster, erklärte sie mit einem Augenzwinkern.

Auch sonst gebe es in dem Fachbereich viele Vorteile: Radiologen seien rar und gefragt – nur 2 Prozent aller Fachärzte haben sich auf dieses Fach spezialisiert. Daher könne man einer überdurchschnittlichen Vergütung rechnen. Auch das Stellenangebot und die Weiterbildungsmöglichkeiten seien sehr gut – zum Beispiel könne man sich auch auf Bereiche wie die Neuroradiologie oder die Kinderradiologie spezialisieren. Wer Wert auf eine gute Work-Life-Balance lege, sei in der Radiologie ebenfalls gut aufgehoben: "Die Arbeitszeiten sind regelbar, Dienste und Wochenendschichten gebe es nicht.

Insgesamt dauert die Facharztweiterbildung in der Radiologie 60 Monate – davon werden 12 Monate in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung oder in einer Schwerpunktweiterbildung des Gebiets abgeleistet.

Operation Karriere Bochum, 29.06.2018. „Arzt mit Durchblick – Facharzt für Radiologie", Dr. Sarah Hasselmann, Fachärztin für Radiologie, radprax MVZ, Arnsberg.