Arbeitsmedizin – Eckpfeiler der Prävention

"Arbeitsmediziner retten keine Menschenleben", erklärte Dr. Christina Nußbeck beim Operation Karriere-Kongress in Hamburg. Langweilig sei das aber nicht: Der Fokus liege eher auf der Prävention – und hier könne man als Arbeitsmediziner viel bewirken.

Arbeitsmediziner kümmern sich darum, dass Arbeit nicht krank macht. Der eigene Arbeitsalltag sei dabei sehr viel planbarer und entspannter als in anderen medizinischen Fachrichtungen, erklärte Dr. Christina Nußbeck beim Operation Karriere-Kongress in Hamburg. | Hanke

"Bei uns ist es wie bei der "Sendung mit der Maus", beschrieb Nußbeck ihren Arbeitsalltag, "als Arbeitsmediziner bekommen Sie Einblick in alle Branchen. Uns ist da wirklich gar nichts fremd". Egal, ob es um die gesundheitliche Eignung der Berufsfeuerwehr gehe oder ob sich ein Labor-Mitarbeiter versehentlich mit einer benutzten Nadel durch den Handschuh gestochen habe – die Arbeitsmediziner stehen als Ansprechpartner für Unternehmen und Mitarbeiter zur Verfügung.

Gute Vereinbarkeit mit dem Privatleben

Der Arbeitsalltag werde dabei vor allem durch Untersuchungen im eigenen Standort und Betriebsbegehungen bestimmt – egal, ob in der Gießerei oder bei einer Fluggesellschaft, erklärte Nußbeck. Als Beispiel zeigte sie einen Auszug aus ihrem eigenen Terminkalender. Dabei fällt auf: Anders als die meisten anderen Ärzte beginnt die Arbeitsmedizinerin ihren Arbeitstag regelmäßig um 8:00 Uhr und macht um 16:30 Uhr Feierabend. Insgesamt ergibt das eine 39-Stunden-Woche: Not- oder Wochenenddienste gebe es gar nicht, Übrstunden nur selten, verriet Nußbeck. Das sei auch gut mit dem Privatleben vereinbar – sie selbst sei alleinerziehende Mutter.

Als Beispiel für die Arbeit in ihrem Fachgebiet führte Nußbeck die Betreuung von Arbeitnehmern mit einem Hitzearbeitsplatz an – zum Beispiel an einem Hochofen. Als Schutz vor Hitze und Staub müsse man dort ständig Schutzkleidung tragen – die Mitarbeiter seien dort einer hohen Belastung ausgesetzt. Das Gesetz sieht deshalb arbeitsmedizinische Untersuchungen vor: Dazu gehören ein Belastungs-EKG, ein Hörtest, ein Lungenfunktionstest und eine allgemeine Untersuchung. Dafür schicke der Arbeitgeber die Mitarbeiter zu arbeitsmedizinischen Gesundheitszentren, die es in ganz Deutschland gibt. Außerdem besuchen die Arbeitsmediziner die Firmen und sehen sich die Arbeitsplätze an.

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Bei den Firmenbesuchen nehme sie auch regelmäßig an Sitzungen zum Thema Arbeitssicherheit in den so genannten ASA-Ausschüssen der Unternehmen teil, erklärte Nußbeck. Dabei gehe es beispielsweise um Themen wie Fluchtwege, aber auch um Unterweisungen zur Arbeit mit dem Gabelstapler. Das habe auch eine juristische Relevanz: "Wenn ein tödlicher Arbeitsunfall mit einem Gabelstapler passiert, fragt der zuständige Staatsanwalt, ob es entsprechende Unterweisungen und Untersuchungen gab. Wenn das nicht der Fall ist, kann die Firma geschlossen werden".

Gesundes Kantinenessen, Entspannungsräume, Betriebssport

Daneben sind Arbeitsmediziner aber auch für weniger dramatische Themen zuständig: Sie beraten Unternehmen zu allen Themen rund um die Gesundheit der Mitarbeiter – ob es dabei um vollwertiges Kantinenessen geht, um Betriebssport oder um Entspannungsräume. "Solche Themen werden immer wichtiger", erklärte Nußbeck, "in vielen Branchen herrscht Fachkräftemangel und die Firmen finden nicht genug geeignete Mitarbeiter. Das heißt, die Arbeitgeber müssen auch attraktiv für die Bewerber sein". Außerdem seien die Beschäftigten dankbar für feste Ansprechpartner bei Gesundheitsfragen: "In viele Betriebe komme ich einmal in der Woche – da habe ich eine engere Beziehung als ein Hausarzt", verriet sie, "die Mitarbeiter kommen auch zu mir, wenn sie beispielsweise Fragen zur Darmkrebsvorsorge haben."

Wer sich für dieses Berufsfeld interessiere, habe zwei Möglichkeiten, führte Nußbeck aus: auf der einen Seite die Weiterbildung zum Facharzt für Arbeitsmedizin, auf der anderen Seite die Zusatzbezeichnung "Betriebsmediziner", die man beispielsweise als Allgemeinmediziner erwerben könne. Die Anforderungen für diese Zusatzqualifikation seien je nach Bundesland unterschiedlich und müssen in Rücksprache mit der zuständigen Ärztekammer geklärt werden.

Quelle: Operation Karriere Hamburg, 14.06.2019, "Arbeitsmedizin – Eckpfeiler der Prävention",
Dr. med. Christina Nußbeck, Leiterin des Bereichs Arbeitsmedizin an den Standorten Bielefeld, Gütersloh und Osnabrück, B.A.D Gesundheitsvorsorge & Sicherheitstechnik, Hamburg