Achtung, Burnout! Warum Ärztinnen und Ärzte besonders betroffen sind

Burnout ist zu einer typischen Ärztinnen- und Ärztekrankheit geworden. Wie viele sind betroffen und wie lässt sich das verhindern? Das erfährst du im Beitrag.

Erschöpfter Arzt mit Stethoskop legt den Kopf auf den Tisch | © Teeradej / Adobe Stock

War die berufliche Belastung für Ärztinnen und Ärzten vor der Corona-Pandemie schon stark, so ist sie seither noch deutlich gestiegen. Eine breit angelegte amerikanische Studie belegt das. Ganze 12.300 Medizinerinnen und Mediziner aus 29 Fachgebieten antworteten dazu im Herbst 2020 auf eine Medscape-Umfrage. Publiziert wurde das Ganze im "Physician Burnout & Suicide Report 2021".

Corona als Katalysator für bestehende Belastungen

Die Ergebnisse waren alarmierend: Mehr als 50 Prozent der Ärztinnen und Ärzte zeigten Burnout-Symptome. Zu den am stärksten betroffenen Fachrichtungen gehörten u. a. Intensivmediziner (51 Prozent), Rheumatologen (50 Prozent), Pulmologen (48 Prozent), Allgemeinmediziner und Neurologen (je 47 Prozent). Die Befragten gaben unterschiedliche Gründe für die hohe Belastung an. Sie reichten vom hohen Aufkommen bürokratischer Tätigkeiten (58 Prozent), zu hohe Wochenarbeitszeiten (37 Prozent), zu wenig Wertschätzung durch Geschäftsführer, Vorgesetzte und Kollegen (37 Prozent) über den Mangel an Autonomie und Kontrolle (28 Prozent) bis hin zur zunehmenden Computerisierung (28 Prozent).

Interessanterweise rangierten die besonderen Umstände, die Corona-Pandemie prägen, nämlich Stress durch Social Distancing (16 Prozent) und die Belastung durch Behandlung von COVID-Patienten (8 Prozent) eher auf den hinteren Rängen. Das zeigt, dass durch die Pandemie nicht vornehmlich neue Stressfaktoren hinzugekommen, sondern sich vielmehr bereits bestehende verstärkt haben – Corona als Brennglas.

Probleme wie übermäßige Arbeitsbelastung, ineffiziente Arbeitsprozesse, Bürokratie, Konflikte zwischen Arbeit und Privatleben, mangelnde Mitsprache oder Autonomie im Arbeitsleben, fehlende Unterstützungsstrukturen und inadäquate Führungskultur sind struktureller Art und müssen dementsprechend angegangen werden, denn die negativen Folgen sind weitreichend.

Berufskrankheit Burnout: Das sind die Symptome

Die WHO hat Burnout offiziell als berufliches Syndrom anerkannt, das bei Betroffenen für Veränderungen wie emotionale Erschöpfung, Depersonalisation oder Zynismus sorgt. Darüber hinaus reduziert sich das Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Erkrankte spüren negative Auswirkungen auf die Zufriedenheit in Beruf und Privatleben, auf Beziehungen sowie die eigene Gesundheit. Letztlich leidet auch die Patientenversorgung, wenn Ärztinnen und Ärzte das Gefühl haben, keine Kontrolle auf ihr berufliches Handeln zu haben. Diese Entwicklung kann in chronischen, unkontrollierbaren Stress münden.

Ein externes Coaching kann Ärzten, die unter einem Burnout-Syndrom leiden, helfen, ihre emotionale Erschöpfung zu überwinden. Das ist das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie, die jetzt veröffentlicht wurde.

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Diese Art Stress hat, das haben Wissenschaftler nachgewiesen, unmittelbare organische Folgen. Insbesondere der präfrontale Kortex (PFC) leidet, so die Erkenntnis der Hirnforscher. Diese Hirnregion ist für abstraktes Denken, Entscheidungsfindungen sowie die Fähigkeit, herausfordernde Situationen zu meistern, zuständig. Das sind alles Vorgänge, die im Arbeitsalltag eines Mediziners oder einer Medizinerin gefragt sind.

Dem Burnout entgegenwirken

Doch wie kann man der Spirale aus zu hoher Belastung, Frust, noch mehr Belastung und noch mehr Frust entrinnen? Die Experten raten, aufmerksam gegenüber den eigenen Gefühlen zu sein. Es sei wichtig wahrzunehmen, wann die Arbeitsbelastung überhandnimmt und zu Frustration führt. Das sei der richtige Zeitpunkt für eine Pause, während der die vorhandenen Gefühle wie Frust, Wut oder Erschöpfung benannt und gleichzeitig Bedürfnisse, etwa Hunger oder Durst, Schlaf etc. einen höheren Stellenwert beigemessen werden sollten, so der Rat der Wissenschaftler. Auch die Verbesserung von Organisation und Struktur durch die Eliminierung ineffizienter Abläufe oder die Reduzierung von Arbeitszeiten können einem Burnout vorbeugen.

Aufseiten der Arbeitgeber gibt es auch viel zu tun. Sie sollten ihre Mitarbeiter stärker in Entscheidungsprozesse einbeziehen, das Arbeitsumfeld verbessern und Abläufe optimieren, damit Ärztinnen und Ärzte mehr Selbstwirksamkeit fühlen und Kontrolle in ihrem Beruf erhalten. Diese Maßnahmen können das Burnout-Risiko für ihre Mitarbeitenden reduzieren.

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