Das eLogbuch kommt

Das Logbuch in Papierform dürfte bald ausgedient haben. Ab dem 1. Juli 2019 kann jeder das neue eLogbuch testen. Wird jetzt alles gut?

Mit dem eLogbuch soll die Dokumentation der Weiterbildung einfacher und übersichtlicher werden. | Fotolia/kalim

In der Theorie notieren sich Assistenzärzte nach jedem Arbeitstag, welche Untersuchungen sie durchgeführt haben. Alle Leistungen werden dann auf Papier in das Logbuch eingetragen, das sie sich bei der zuständigen Ärztekammer besorgt haben. Einmal im Jahr steht das Gespräch mit dem Weiterbildungsbefugten an, mit dem die vergangenen zwölf Monate reflektiert und die eingetragenen Leistungen gegengezeichnet werden. 

So viel zur Theorie. 

In der Praxis sieht es anders aus: Denn es gibt kaum einen Assistenzarzt, der sich nach einem langen Arbeitstag zuhause an den Schreibtisch setzt, um den Tag per Logbuch noch einmal Revue passieren zu lassen. Außerdem lässt der eng getaktete Arbeitsalltag es manchmal schlichtweg nicht zu, dass Assistenzärzte alle Leistungen des Weiterbildungscurriculums erfüllen. Kurz vor der Facharztprüfung ist der Assistenzarzt dann auf die Kulanz des Weiterbildungsbefugten angewiesen.  

eLogbuch = Zeitersparnis? 

Nun wurde auf dem 122. Deutschen Ärztetag in Münster die Einführung des eLogbuchs empfohlen, das zwei wesentliche Verbesserungen mit sich bringen soll: Erstens sollen Assistenzärzte ihre Weiterbildung schneller und einfacher dokumentieren können. Sie müssen nicht mehr darauf waren, bis der Weiterbildungsbefugte ihnen das physische Logbuch zurückgegeben hat, sondern können zeitgleich Einträge vornehmen. Außerdem ist es ihnen möglich, von vielen Orten aus auf ihr eLogbuch zuzugreifen. 

Zweitens soll das eLogbuch zu einer größeren Transparenz führen. Denn alle Einträge werden mit einem Zeitstempel versehen. Rückdatierungen sind damit ausgeschlossen und vorgenommene Korrekturen werden ebenfalls dokumentiert. Heißt im Klartext: Der Weiterbildungsbefugte kann kurz vor der Facharztprüfung nicht die Leistungen der letzten Jahre anerkennen und sie zurückdatieren. 

junger Arzt

Im Logbuch wird alles dokumentiert, was man als Arzt in Weiterbildung gelernt hat. Es muss zwingend bei der Anmeldung zur Prüfung der Weiterbildung vorgelegt werden. Deshalb erspart man sich Arbeit und Stress, wenn man sich seine Leistungen regelmäßig eintragen lässt.

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Deutschland ist Nachzügler bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems, was unter anderem daran liegt, dass der Schutz persönlicher Daten bei uns ernster genommen wird, als in vielen anderen Ländern der Welt. Auch bei der Entwicklung des eLogbuchs war der Datenschutz ein wichtiges Thema. Nur die Anrede, der Titel, der Name, die E-Mail-Adresse und die Mitgliedschaft der Ärztekammer werden als Profildaten von dem Arzt in Weiterbildung oder der Ärztin in Weiterbildung gespeichert. Jede weitere Information können sie selbst freischalten oder eben nicht. 

Wird jetzt alles gut?

Marktreif ist das eLogbuch noch nicht, so die Einschätzung vieler Teilnehmer des Deutschen Ärztetages. Dabei gingen die Bewertungen auseinander. Klaus-Peter Schaps, Facharzt für Innere Medizin und Betriebsmedizin sowie ärztlicher Fortbildungsbeauftragter für Wilhelmshaven-Friesland, sagte, das eLogbuch befände sich noch auf „Neandertaler-Niveau“, weil kein intelligenter Algorithmus implentiert sei, der Inhalte und Weiterbildungsberechtigungen auf Plausibilität prüfe. Henrik Hermann aus dem BÄK-Vorstand drückte sich etwas versöhnlicher aus: Das Logbuch sei noch kein fertiges Produkt, aber ein erster Schritt in die richtige Richtung. 

Eine weitere, sehr spannende Frage stellt sich mit der Einführung des eLogbuchs: Wenn alle Leistungen transparent übertragen werden, könnte dies auch Mängel in bestimmten Weiterbildungscurricula offen legen. Werdende Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie sollen im Verlauf ihrer sechsjährigen Weiterbildung beispielsweise bei fünfzig Patienten Implantate entfernen, so die Richtzahl. Ist das bei Zeitdruck und Ärztemangel eine realistische Fallzahl?  

Man darf also gespannt sein, welche Entwicklungen die Einführung des eLogbuchs mit sich bringt. Ab dem 1. Juli 2019 können Ärzte und Ärztinnen die Anwendung testen.