Blog: Vom Arztdasein in Amerika – Angenehme Arbeitsteilung

Dr. Peter Niemann schreibt über seine Ausbildung zum Internisten sowie der Zeit danach, aber auch über die Skurrilität eines Arztlebens in den USA. Dieses Mal erzählt er, wie ihm in den USA zugearbeitet wird und dass dies in Deutschland zu seiner Zeit ganz anders war.

Arzt in Amerika

"Doch wenn ich ehrlich bin, habe ich etwas Sorge genau davor, dass mir in Deutschland nicht mehr so zugearbeitet wird." | Pixabay

Es ist angenehm, wie mir als Krankenhausarzt Arbeit abgenommen wird. Es steigert auch meine Arbeitseffizienz und berufliche Zufriedenheit. In Zeiten von Ärztemangel sind das wichtige Aspekte.

Morgens, wenn ich auf Station komme, haben die Phlebologen schon das Blut abgenommen und die Ergebnisse liegen für mich zur Beurteilung vor. Die Krankenschwestern haben nicht funktionierende i.v.-Zugänge ausgetauscht und die EKG-Techniker (wahlweise Krankenschwestern oder besonders ausgebildete Pflegeassistenten) mir die Arrhythmien der herzüberwachten Patienten auf meinen Schreibtisch gelegt.

Ein Arzt – viele Helfer

Die Apotheker haben die Medikationslisten der Patienten und meine Anordnungen auf mögliche Wechselwirkungen hin überprüft. Wenn es Diskrepanzen gibt, rufen sie mich entweder telefonisch an oder kommen persönlich vorbei. Sie sind dafür verantwortlich, alle Medikamente zuzubereiten und die Krankenschwestern hängen sie an bzw. verteilen sie.

Wenn ich eine Punktion mache, wird der Patient in den Ultraschallraum gefahren, die beste Stelle ausgesucht, mit mir Rücksprache darüber gehalten und die Stelle mit einem großen „X“ markiert. Die sterilen Handschuhe und benötigtes Zubehör liegen griffbereit auf einem Tisch, ich werde angerufen, wenn alles soweit vorbereitet ist und im Anschluß wird der Abfall, die Nadeln, letztlich alles, nicht von mir, sondern vom mir assistierenden Personal weggeräumt. Der Patient wird wieder zurück ins Zimmer gefahren, und ich muss nur den Bericht tippen und die Abrechnung in das EDV-System eingeben.

Die Sozialarbeiter haben schon den Aufenthalt für andere Patienten im Pflegeheim organisiert und die Fahrt dorthin mit den Angehörigen abgesprochen oder gleich das Taxi bestellt. Die Versicherungsspezialistin ist zum wiederholten Mal bei den illegalen Zuwanderern gewesen, um ihnen bei ihren Insulinmedikamenten und deren Finanzierung zu helfen. Der Übersetzer steht bereit und kann mit einem Anruf geholt werden, und wenn er doch einmal keine Zeit hat, dann wird eine Krankenschwester für mich ein Telemedizingerät aufbauen und kurzfristig einen Übersetzer besorgen.

Es ist wunderbar, wenn einem so zugearbeitet wird. Natürlich bin ich mir der Kosten bewusst, aber sind wiederum dann nicht auch diese Menschen in Lohn und Arbeit? Macht es meine Arbeit nicht effektiver?

Ich trage mich schon seit Jahren mit dem Gedanken, nach Deutschland zurückzukehren und dort ärztlich zu arbeiten. Doch wenn ich ehrlich bin, habe ich etwas Sorge genau davor, dass mir nicht mehr so zugearbeitet wird. Noch immer ist mir in Erinnerung, wie ich Blutentnahmen zu machen hatte, Zugänge legte, EKGs selber schrieb, Berichte faxte, Krankenfahrten zum Teil selber organisierte und vieles mehr. Schaute nicht manche Krankenschwester missmutig, wenn ich sie im Patientengespräch unterbrach? Anstatt mir Zubehör zu verschaffen, wurde mir oft der Weg zum Materialraum gewiesen. Oder hat sich das geändert und einem Arzt wird mittlerweile genauso zugearbeitet wie in den USA?

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