Berufseinstieg als Assistenzärztin: Anfängergefühle

Operation Karriere-Bloggerin Nohma ist seit wenigen Monaten Assistenzärztin. Doch in ihrem Arbeitsalltag begleitet sie eine gewisse Unsicherheit – ein Gefühl, dass viele Berufeinsteiger kennen. In ihrem ersten Blobgeitrag schildert Nohma, wie sie damit umgeht.

Nohma El-Hajj hat ihr Medizinstudium in Heidelberg im Dezember 2019 abgeschlossen. Auf Operation Karriere schreibt sie über ihren Berufseinstieg als Assistenzärztin. | privat / DÄV

Seit ich meine erste Arbeitsstelle als Assistenzärztin in der Gynäkologie und Geburtshilfe angetreten habe, hat sich eine gewisse Anspannung in meinen Alltag eingeschlichen. So staune ich nach sechs Jahren Medizinstudium über das Nichtwissen, das sich trotz harten Lernens großzügig präsentiert. Gepaart mit den unbekannten Abläufen der Klinik, dem täglichen Informationsbewurf, dem Zeitdruck und dem eigenen Anspruch, es so gut wie möglich machen zu wollen, habe ich mir schnell eine Grundanspannung angewöhnt, die an mir klebt wie eine hartnäckige Nacktschnecke.

Neidvoll schaue ich auf meine Kollegen, die selbstbewusst durch die Klinikgänge marschieren als hätten sie nie etwas anderes in ihrem Leben getan. Sie sind kompetent, schnell und gründlich. Was mich jedoch am meisten beeindruckt, ist diese souveräne Ruhe, die einige ausstrahlen: Ich nenne diesen Gemütszustand „Könner-Entspanntheit“. Hierbei handelt es sich um Ärzte, die ihr Fach grundlegend verstanden haben, wissen, worauf es ankommt und die sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lassen.

Sind das Gefühle, die alle Anfänger kennen?

Wie lange es wohl dauern wird, bis ich mir als Könnende diese Kompetenzruhe als Ärztin erlauben darf? Grade scheine ich noch weit weg von allem. Stattdessen erledige ich meine Arbeiten in innerer Hechelatmung und der latenten Befürchtung, es nicht gut oder richtig zu machen. Diese ersehnte Lässigkeit schwirrt in völlig anderen Sphären und scheint aktuell unerreichbar. Das sei alles normal und da müsse jeder zu Beginn durch, versuchen mich meine Freunde zu beruhigen. Jeder habe diese unerträglichen Anfängergefühle.

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Dieses Anfängergefühl ist ein Konglomerat aus Selbstzweifel und Versagensängsten. Ich akzeptiere widerwillig, dass der Berufsanfänger durch diese unappetitliche Phase muss. Dennoch stelle ich für mich fest, dass ich kein Interesse daran habe, diesem Zustand für meine nächsten Wochen und Monaten zu viel Platz einzuräumen. Denn ich bemerke, wie mir gerade Stück für Stück eine Eigenschaft abhanden zu kommen droht, die ich sowohl für eine gute Ärztin als auch für meinen eigenen Seelenfrieden für unabdingbar halte: die Neugierde auf meinen Beruf. Schließlich war es einst das Interesse an diesem Fach, das zu meiner Bewerbung führte. Und so habe ich in Vorfreude und Euphorie die Stelle zur Weiterbildung angenommen. Ja, bevor ich loslegte, waren Neugierde und Lust auf die Gynäkologie und Geburtshilfe meine Intention. Diese Neugierde droht aber an meinen eigenen Ansprüchen (so schnell wie möglich so gut wie möglich werden zu wollen) zu ersticken. Ich tue mir also gerade keinen Gefallen damit, meinen Anfängerstatus als einen Makel zu betrachten, den es so schnell wie möglich zu überwinden gilt.

Mehr Leichtigkeit durch Verständnis und Humor

Ich muss mich wieder daran erinnern, dass es noch mein gutes Recht ist, unwissend und langsam zu sein und auch wenn ich es gerne anders wollte, nicht drum herum komme, Dinge zu vergessen oder oft genug keine Ahnung zu haben. Und diesem Anfängergefühl nicht mit Ungeduld zu begegnen, sondern viel mehr mit Verständnis und vielleicht auch mit Humor, erlaubt eine gewisse Leichtigkeit, aus der ich auch als Anfängerin etwas Ruhe schöpfen kann. Und für mich ist klar, dass ich diese innere Ruhe brauche, um Freude an dem zu behalten, was ich tue.

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