Überblick: Weiterbildung Viszeralchirurgie

Welche Fertigkeiten werden in der Weiterbildung zum Viszeralchirurgen erlernt, wie lange dauert die Spezialisierung und welche Untersuchungs- und Behandlungsverfahren sind Gegenstand der Weiterbildung? Hier bekommst Du alle Antworten.

Teil 8: Viszeralchirurgie

Teil 8 unserer Serie "Berufsbild Chirurg": Die Viszeralchirurgie. | Foto: Koszivu/Fotolia.com

Die operative Behandlung innerer Organe ist das Aufgabengebiet der Viszeralchirurgie – insbesondere bei gastroenterologischen, endokrinen oder onkologischen Erkrankungen. Schwerpunkte bilden die große onkologische Chirurgie des Gastrointestinaltraktes, die minimal-invasive Chirurgie des Abdominalraums, die Koloproktologie und die endokrine Chirurgie. Wichtige viszeralchirurgische Untersuchungen sind z.B. die Sonographie und die Endoskopie.

Insgesamt arbeiten in Deutschland 2.742 Viszeralchirurgen und Viszeralchirurginnen. Die überwiegende Anzahl der Ärzte und Ärztinnen dieser Fachrichtung ist stationär tätig, nur ein geringfügiger Anteil arbeitet in der Praxis oder einer anderen ambulanten Körperschaft. Und auch hier gilt, wie in allen anderen chirurgischen Fächern: Frauen sind in der Minderzahl. Es gibt nur 833 Viszeralchirurginnen, bei 1.909 Viszeralchirurgen. Damit liegt der Frauenanteil in der Viszeralchirurgie bei 30 Prozent. 

Und wie sieht nun ganz konkret der Arbeitsalltag eines Viszeralchirurgen aus? Kugarajah Arulrajah, Arzt im Klinikum Itzehoe in der Klinik für Allgemein-, Gefäß- und Viszeralchirurgie, schwärmt für sein Fach. In der Chirurgie arbeiten Chirurgen, das OP-Team und die Pflege Hand in Hand, was für alle Teamplayer ein großer Zugewinn sei. Auch die Verantwortung gefällt Arulrajah in der Chirurgie: "Eines muss man sich vor Augen halten: Jeder Fehler zeigt seine Wirkung.“

Gerade weil Patienten von Viszeralchirurgen auch in Stresssituationen ein sicheres Handeln erwarten, müssen während der Weiterbildungszeit 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet werden. Die längste Zeit verbringen Assistenzärzte dieser Fachrichtung aber in der Viszeralchirurgie (4 Jahre). Zusätzlich kann man noch ein Jahr lang in einen anderen Bereich hineinschnuppern. Nach weiteren 6 Monaten in der Intensivmedizin hat man die sechsjährige Weiterbildung dann hinter sich gebracht und kann nach der Facharztprüfung den Facharzt für Viszeralchirurgie erlangen.  

Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Allgemeinchirurgie beträgt 72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon

  • müssen 48 Monate in Viszeralchirurgie abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden
  • können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen

Inhalte der Weiterbildung

Übergreifende Inhalte

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
  • Chirurgische perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Lagerungstechniken, Nachsorge und Komplikationsmanagement sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen
  • Techniken der temporären Ruhigstellung und Fixationsverbände
  • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
  • Wundheilung und Narbenbildung
  • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedene Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie
  • Defektdeckung bei akuten und chronischen Wunden
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Scoresysteme und Risikoeinschätzung

Lokalanästhesie und Schmerztherapie

  • Lokal- und Regionalanästhesien
  • Abklärung peri- und postoperativer Schmerzzustände
  • Diagnostik und Therapie nach dokumentierten Schmerztherapieplänen
  • Behandlung von Patienten mit komplexen Schmerzzuständen
  • Injektionen und Punktionen

Notfall- und Intensivmedizin

  • Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Pathophysiologie von schweren Verletzungen, des Polytraumas und deren Folgen
  • Indikationsstellung zur Notfall-Laparotomie und Thorakotomie
  • Überwachung, Monitoring, Dokumentation und Betreuung von intensivmedizinischen Patienten
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten
  • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Mitbehandlung bei septischen Krankheitsbildern
  • Pharmakologie der Herz-Kreislauf-Unterstützung
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
  • Zentralvenöse Zugänge (Richtzahl: 20)
  • Arterielle Kanülierung und Punktionen
  • Thorax-Drainage
  • Legen eines transurethralen und/oder suprapubischen Katheters

Spezifische Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Viszeralchirurgie

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Viszeralchirurgie

  • Berufsgenossenschaftliche Heilverfahren einschließlich Durchgangsarztverfahren
  • Grundlagen der Verwendung alloplastischer Materialien

Viszeralchirurgische Notfälle

  • Traumamanagement von Schwer- und Mehrfachverletzten, auch mit einem Injury Severity Score (ISS) von mindestens 16 Punkten
  • Notfalleingriffe im Bauchraum, z. B. bei Ileus, Blutung, Peritonitis, Milzruptur, Hohlorganperforationen einschließlich abdomineller Vakuumtherapie (VAC) – Richtzahl: 20

Diagnostische Verfahren

  • Sonographische Untersuchungen des Abdomens und des Retroperitoneums (Richtzahl: 400)
  • Sonographische Untersuchungen der Urogenitalorgane (Richtzahl: 200)
  • Duplexsonographie der abdominiellen und retroperitonealen Gefäße sowie des Mediastinum (Richtzahl: 100)
  • Notfallsonographien (eFAST) – Richtzahl: 50
  • Richtungsweisende Sonographien der Halsregion (Richtzahl: 50)
  • Endosonographie des Rektums
  • Ösophagogastroduodenoskopie (Richtzahl: 50)
  • Koloskopie (Richtzahl: 50)
  • Rektosigmoidoskopie (Richtzahl: 50)
  • Proktoskopie (Richtzahl: 50)
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung der intraoperativen radiologischen Befundkontrolle
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren

Weichteilverletzungen, Wunden und Verbrennungen

  • Weichteileingriffe, z. B. an Sehnen, Bändern, Muskeln, Haut, Weichteiltumoren und bei Infektionen
  • Prävention, Diagnostik und Therapie des zentralen und peripheren Kompartmentsyndroms
  • Diagnostik und Therapie unkomplizierter Weichteilverletzungen
  • Diagnostik von komplexen Weichteilverletzungen sowie Wunden, die eine plastische Deckung erfordern und Wunden, die mit einer Knochenverletzung einhergehen
  • Diagnostik und Therapie von thermischen und chemischen Wunden außerhalb von Gesicht, Hand, Fuß oder Genitalbereich
  • Resektion gutartiger oberflächlicher und peripherer Weichteiltumore (Richtzahl: 20)
  • Inzision und Exzision von Hautabszessen (Richtzahl: 20)

Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen der viszeralen Organe und Gefäße

  • Implantation und Explantation von intravenösen Portkathetern (Richtzahl: 20)
  • Operative Versorgung von Perianalabszessen
  • Exzision von Perianalvenenthrombosen
  • Hämorrhoidenoperation einschließlich Therapie einer Fissur (Richtzahl: 20)
  • Analfistel
  • Lymphknotenbiopsie bzw. -dissektion (Richtzahl: 5)
  • Operative Therapie von Hernien, auch minimal invasiv, davon
  1. Leistenhernie (Richtzahl: 40)
  2. Bauchwandhernie (Richtzahl: 10)
  3. Narbenhernie (Richtzahl: 10)
  • Gefäßfreilegung, Embolektomie und Thrombektomie
  • Varizenoperation
  • Leber-Probeexzision
  • Laparotomien und deren Verschluss (Richtzahl: 50)
  • Laparoskopien (Richtzahl: 50)
  • Resektionen, Übernähungen, Exstirpationen, konventionelle, endoskopische und interventionelle Techniken, auch minimal invasiv, insbesondere
  1. Appendektomie (Richtzahl: 20)
  2. Cholecystektomie (Richtzahl: 35)
  3. Explorative Laparotomie und/oder Laparoskopie (Richtzahl: 30)
  4. Magenübernähung
  5. Endoskopische und offene perkutane endoskopische Gastrostomie-Anlagen (PEG)
  6. Dünndarmresektion (Richtzahl: 10)
  7. Stomaanlage und Stomarückverlagerung (Richtzahl: 10)
  8. Eingriffe am Kolon (Richtzahl: 30)
  9. Fundoplicatio einschließlich minimal invasiver Verfahren (Richtzahl: 5)
  10. Splenektomie (Richtzahl: 3)
  11. Magenteilresektion (Richtzahl: 3)
  12. Leberwedgeresektion (Richtzahl: 3)
  13. Enddarmoperation (Richtzahl: 10)
  14. komplexe Adhäsiolyse (Richtzahl: 10)
  • Erste Assistenz bei Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade, z. B. Pankreasresektion, Gastrektomie, Rektumresektion (Richtzahl: 80)
  • Grundlagen der operativen Technik von Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade, z. B: hepatobiliäre Eingriffe, Operationen bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), Roux-Y-Gastric Bypass, Adrenalektomie, Multiviszeralresektion
  • Transplantationschirurgie

Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen des Kopf- und Halsbereichs

  • Indikationsstellung zur operativen Therapie und Nachbehandlung von Parathyreoidektomien
  • Zervikale Eingriffe, z. B. Tracheotomie, Lymphknoten-Probexcision
  • Thyreoidektomie und Neck-Dissektion bei malignen Erkrankungen
  • Eingriffe an der Schilddrüse (Richtzahl: 25), davon rund 20 Eingriffe (Richtzahl) in der Schilddrüsenresektion

Strahlenschutz

  • Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei der Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
  • Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung und des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
  • Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz

Quellen: Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC), www.chirurg-werden.de und Musterweiterbildungsordnung 2018 der Bundesärztekammer, Ärztestatistik 2019

Finde hier Informationen, Interviews, News und Videobeiträge rund um das Facharztgebiet Chirurgie und ihre unterschiedlichen Fachrichtungen.

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten findest du hier.