Arbeiten an einem Uniklinikum? Pro und Contra

Insgesamt gibt es in Deutschland 35 Unikliniken, die pro Jahr 1,88 Mio. Patienten betreuen. Was bedeutet das für die Facharztweiterbildung? Im Beitrag haben wir die Vor- und Nachteile zusammengefasst.

Michael Gerich ist Leiter Stabsstelle Medizinische Kooperationen an der Uniklinik Köln. Beim Operation Karriere-Kongress am 9. November in Köln stellte er die Vor- und Nachteile einer Karriere an einem Universitätsklinikum vor. | Hanke

Jeder Arzt hat in seiner Ausbildung Kontakt zu der einen oder anderen Uniklinik. Sie alle sind Maximalversorger und kümmern sich um 10 Prozent aller Klinikpatienten in Deutschland. Also auch ein idealer Arbeitgeber für die Zeit nach dem Studium – oder?

Ein wesentlicher Unterschied: Neben dem Klinischen Arbeiten gibt es an Unikliniken auch die Tätigkeitsbereiche Lehre und Forschung. Das hat Vor- und Nachteile.

Facharztweiterbildung an einer Uniklinik – Pro:

  • Große Ausbildungsbreite: Als Maximalversorger bietet eine Uniklinik viele verschiedene Fachbereiche. Das heißt: Wahrscheinlich musst Du während der Facharztweiterbildung nicht in ein anderes Haus wechseln, sondern findest alles vor Ort.
  • Viele Entwicklungsmöglichkeiten: Neben den großen Fächern sind an einer Uniklinik auch viele nicht so bekannte Fächer vertreten.
  • Polikliniken: Da die Universitätskliniken die Patienten auch ambulant versorgen, bekommt man auch gute Einblicke in diesen Bereich – inklusive Forschung.
  • Kontakt zur Wissenschaft: Durch die enge Verzahnung von Klinik und Forschung ist man als Arzt in einer Uniklinik immer am Puls der Zeit. Wenn es neue Entwicklungen in Deinem Fach gibt, bekommst Du es hier als erstes mit.
  • Freude an der Wissenschaft: Eigentlich wolltest Du eine eigene Praxis aufmachen und Forschung interessiert Dich nicht so? Viele entdecken erst im Rahmen der Doktorarbeit, wie viel Spaß ihnen auch dieser Bereich macht. An einer Uniklinik findest Du dafür optimale Bedingungen.
  • Translation: Forschung ist das eine – aber zu sehen, wie die praktischen Ergebnisse tatsächlich den Patienten zugute kommen, ist ein sehr befriedigendes Gefühl.
  • Spannende Entwicklungen: Neue Technologien wie z.B. Robotik in der Chirurgie werden auch als erstes an Universitätskliniken erprobt.
  • Lehre: Du möchtest Dein Wissen auch an die nächste Ärztegeneration weitergeben? Wenn Du daran Freude hast, bist Du an der Uniklinik richtig.
  • Karrierechancen: Wer seinen Facharzt an einer Uniklinik gemacht hat, hat gute Chancen, an einer anderen Klinik Oberarzt oder Chefarzt zu werden. Und auch vor Ort kannst Du Dich gut entwickeln: Eine große Klinik bietet auch entsprechend viele Möglichkeiten.
  • Wissenschaftliche Karriere: Du willst nach dem Doktor auch noch Professor werden und strebst eine akademische Karriere an? Dann führt an der Uniklinik eigentich kein Weg vorbei.

Facharztweiterbildung an einer Uniklinik – Contra:

  • Ausbildungsdauer: Die Weiterbildungsordnung ist genauso wie an anderen Krankenhäusern, aber wenn man nebenher auch noch Lehre und Forschung ernsthaft betreibt, kann man weniger im OP stehen. Das heißt: Bis zum Facharzt kann es etwas länger dauern.
  • Höhere Arbeitsbelastung: Durch die Dreifachbelastung Klinik - Lehre - Forschung steigt auch der Stresspegel. Aber: Es gibt auch Freistellungen von der Patientenversorgung für Forschungsarbeit.
  • Work-Life-Balance: Der Job an der Uniklinik ist schwerer mit Familie und Freizeit vereinbar als andere ärztliche Tätigkeiten.
  • Arbeitsklima: Wie das Arbeitsklima genau ist, hängt natürlich auch immer ein bisschen von den Chefärzten und den Kollegen ab. Nicht in jeder Uniklinik funktioniert das Miteinander automatisch schlechter, aber die hohe Auslastung und der stressige Job können sich da schon negativ auswirken.

Für wen eignet sich der Berufseinstieg an der Uniklinik?

Grundsätzlich erstmal für alle. Den "Common Trunk" als gemeinsame Basisweiterbildung für viele Facharztrichtungen kannst Du natürlich an einer Uniklinik machen. Ansonsten ist ein Job hier vor allem für diejenigen gut geeignet, die sich für einen der folgenden Bereiche interessieren:

  • Lehre
  • Akademische Karriere
  • Forschung
  • Leitende Positionen

Quelle: Operation Karriere Köln, 9.11.2019, Vortrag "Spannendes Spektrum – Arbeiten in einem Uniklinikum", Michael Gerich, Leiter Stabsstelle Medizinische Kooperationen, Uniklink Köln