Das war Operation Karriere 2017 in Hamburg

Volles Haus: Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) knackte der Operation Karriere Kongress seinen eigenen Hamburg-Rekord! 400 Teilnehmer und 170 Fachbesucher kamen am 16. Juni ins Institut für Anatomie, um sich über ärztliche Karrieremöglichkeiten zu informieren und zu netzwerken. Besonders gelobt wurde von den Teilnehmern das abwechslungsreiche und spannende Programm sowie die große Karrieremesse mit vielen attraktiven Arbeitgebern.

Sie finden hier die Nachberichterstattung in Wort und Bild.


Impressionen vom Operation Karriere Kongress in Hamburg

In Hamburg kamen am 16. Juni 400 interessierte Jungmediziner zum Operation Karriere Kongress zusammen. In Workshops, Vorträgen und an den zahlreichen Ständen der Aussteller konnten sich die Kongressteilnehmer und -teilnehmerinnen umfassend über ihre Karriereoptionen informieren.

Eingang

Michael Kottmeier

Am Institut für Anatomie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf fanden wie jedes Jahr die Workshops, Vorträge und persönlichen Beratungen im Rahmen des Operation Karriere Kongresses Hamburg statt. 

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Interview: Wie komme ich im Klinikalltag zurecht?

Dr. Ulrike Schlein bietet bei den Operation Karriere-Kongressen regelmäßig Workshops an. In Hamburg leitete sie das Seminar "Neu in der Ärztlichen Rolle – Herausforderung in der interprofessionellen Zusammenarbeit". Im Interview erklärt Frau Schlein, worum es im Workshop geht und was ihn besonders macht.

Workshop Dr. Schlein

Dr. Ulrike Schlein leitet bei den Operation Karriere-Kongressen interaktive Workshops. | Reinhart

Frau Dr. Schlein, welcher Grundgedanke steckt hinter dem Workshop “Neu in der ärztlichen Rolle – Herausforderung in der interprofessionellen Zusammenarbeit?“
Schlein:
Den Workshop gibt es bereits seit einigen Jahren, doch jede Veranstaltung ist anders und wird auf die Teilnehmergruppe individuell angepasst. Die Idee ist, interaktiv mit den jungen Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten. Junge Mediziner haben zu Beginn ihrer klinischen Tätigkeit einige Herausforderungen zu meistern. Technische Fertigkeiten, Umsetzen von Therapiekonzepten, operatives Know-how. Das ist von Fachgebiet zu Fachgebiet unterschiedlich.

Aus meiner Sicht als langjährige Medizinerin ist jedoch etwas anderes eine noch viel größere Herausforderung: Wie komme ich im Klinikalltag zurecht und in welcher Rolle bin ich mit wem im Kontakt? Was wird von mir als junge Ärztin bzw. junger Arzt erwartet? Die Erwartungen von ärztlichen Kollegen, Pflegekräften, Therapeuten aber auch Patienten und deren Angehörigen können zum selben Zeitpunkt komplett entgegengesetzt sein. Ein Beispiel: Der OP ruft den jungen Arzt zur Assistenz, gleichzeitig wollen Angehörige etwas besprechen, die Pflegekraft benötigt eine Information, die Blutabnahmen sind noch nicht getätigt. Wie soll sich der Berufsanfänger entscheiden? Der Workshop sensibilisiert für das Handeln in der professionellen Rolle.

Wie kann eine junge Ärztin ihre Erwartungen aus der Doppel-Rolle als Weiterbildungsassistentin und gleichzeitig Mitarbeiterin einer Abteilung an ihren Chefarzt oder ihre Chefärztin formulieren? Was erwartet der Vorgesetzte von ihr als Weiterbildungsermächtiger, was als organisatorisch verantwortlicher Leiter einer Abteilung?

Ein weiteres Beispiel für ein Verhalten im Arbeitsumfeld, das sich unterscheidet von Interaktionen im universitären Umfeld: Die Studenten duzen sich in der Regel. Wenn sie in der Klinik junge Pflegekräfte duzen, ist das völlig okay. Wenn sie aber eine gestandene Pflegekraft, die schon viele Jahre berufstätig ist, duzen, dann kann das sehr schräg ankommen. Denn Führungskräfte in der Pflege siezen häufig auch ihre Mitarbeiterinnen. Ein Kritikgespräch auf der "Sie-Ebene" ist einfacher als eines mit einem Mitarbeiter, mit dem sich die Führungskraft duzt. Deshalb ist es besser, erst einmal den Umgangston zu erforschen und eine professionelle Distanz zu wahren.

Was war das Besondere des Workshops in Hamburg?
Schlein: In Hamburg gab es die Möglichkeit, mit einer Simulationspatientin bzw. Simulationskollegin zu arbeiten. Viele kennen diese Methode, die vor allem das Feedback aus der Rolle in den Mittelpunkt stellt. So kann der Rollenspieler eine Rückmeldung bekommen, wie sein Handeln und seine Worte auf den Gegenüber gewirkt haben.

Beispielsweise spielte meine "Simulationsmitarbeiterin", Frau Diederich, eine Pflegekraft und die Medizinstudierenden versuchten aus ihrer Perspektive, mit dieser Pflegekraft in Kontakt zu treten. Wie können sie der Pflegekraft, die ihnen mitteilt, dass sie noch einige Blutabnahmen zu machen haben, auf eine gute Art und Weise verständlich machen, dass sie diese Aufgabe zwar gerne erledigen, dies aber nicht ausschließlich machen können, da sie noch viele andere Dinge zu lernen haben?

In einem weiteren Beispiel ging es um die Klärung der Rollenerwartungen zwischen Pflegepersonal und jungen Medizinern. Kann ich verhandeln, wie wir zusammenarbeiten wollen? Die meisten Teilnehmer dieser Workshops denken nur so weit, dass sie sich freundlich vorstellen und ihren Namen nennen müssen usw. Es gibt darüber hinaus allerdings noch sehr viel mehr zu verhandeln, das ist aber nicht üblich bzw. nicht vielen geläufig. Wenn man bestimmte Grundregeln beherzigt, hat man es im Alltag aber leichter.

 

Viele junge Ärzte, die an der Klinik anfangen, haben großen Respekt davor, bestimmte Dinge erledigen zu müssen – zum Beispiel eine Pleurapunktion oder zentrale Zugänge legen – die sie noch nicht häufig allein gemacht haben. Wenn der schichthabende Facharzt oder Oberarzt gerade keine Zeit für sie hat, stehen sie vor dem Konflikt, dass sie es eigentlich nicht alleine machen wollen, aber in diesem Moment scheinbar keine Wahl haben. Solche Gesprächssituationen üben wir im Rollenspiel. Es geht darum, sich für die professionelle Rolle und die interprofessionelle Kommunikation etwas besser vorzubereiten, als dies im Studium bereits geschehen ist. Die Rückmeldung der Teilnehmer ist daher immer sehr positiv – sie erleben hier einen völlig neuen „Bildausschnitt des Kliniklebens.“

Wir unterhalten uns in den Workshops auch immer wieder darüber, wie schwierig es ist, sich in einer völlig unklaren Rolle in einem Klinikgebilde zurecht zu finden. Ein Famulant ist völlig frei flottierend, es gibt keine Standard-Vorstellung, was er oder sie zu tun oder nicht zu tun hat. Insofern sind die Studenten sowohl in der Famulatur als auch während des PJ darauf angewiesen, dass sie nette Gegenüber treffen.Wenn sie Pech haben und in Teams landen, in denen es gerade Konflikte oder Personalengpässe gibt, dann kriegen sie oft das mit, was in den Teams passiert, sie aber selbst in dieser Rolle eigentlich gar nicht betrifft. Deshalb sind viele leider sehr unglücklich mit diesem Abschnitt. Auf genau diese Situationen versuchen wir die Teilnehmer vorzubereiten und damit dafür zu sorgen, dass sie sich in der Klinik besser zurecht finden.

Wie muss man sich die Rollenspiele genau vorstellen?
Diederich:
Ich versuche, mich in das, was ich vorfinde, hineinzuversetzen. Das können zum Beispiel reale Fälle sein, die die Teilnehmer schildern, oder solche, die wir uns im Vorfeld überlegen. Ich nehme diese Rolle an und spiele sie. Im Anschluss gebe ich ein Feedback aus der Rolle heraus. Die Arbeit mit Simulationspatienten ist für die Teilnehmer sehr anschaulich und nachhaltig. Man kann sich besser an Dinge erinnern, die man erlebt hat. Die Teilnehmer spielen ihre eigene Rolle und ich diejenige eines „schwierigen“ Patienten oder Mitarbeiters.

Schlein: Es ist ein Perspektivwechsel. Die meisten Teilnehmer sagen im Anschluss, dass sie für die Perspektive der Pflegekraft, des Angehörigen oder des Patienten deutlich sensibilisierter sind. Einen Patienten interessiert nicht, wie die Organisation in der Klinik ist, wer gerade Nachtschicht hatte oder im Urlaub ist etc. Der Patient will einen Ansprechpartner, der ihm Antworten geben kann. Wenn ein Simulationspatient nach der Übung aus seiner Sicht berichtet, wie bestimmte Interaktionen gewirkt haben, dann wird dem Workshop-Teilnehmer die Perspektive des Gegenübers deutlich.

Die Workshops auf den Karriere-Kongressen sind ein kleiner Ausblick, was möglich ist. In zwei Stunden kann ich diese wichtigen Themen nur andeuten. Für Kliniken arbeite ich mit vergleichbaren Methoden in Seminargruppen von Ärzten oder auch interprofessionell mit anderen Berufsgruppen zusammen. Meist dauern diese Workshops – oft mit Simulationspatienten – zwei Tage. In einem solchen Setting kann ich natürlich mehr an Theorie und Praxis bringen. Aber: Die Kongresse vom Deutschen Ärzteverlag mit ihren verschiedenen Angeboten bieten einen guten Anfang!

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Führungskompetenz: eine wichtige Eigenschaft

Warum die eigene Persönlichkeit in den vergangenen Jahren ein immer wichtigerer Faktor für Bewerber geworden ist, und was man unter diesem Stichwort genau versteht, verrieten Dr. Tanja Fandel-Meyer und Prof. Dr. Jens Kubitz, beide Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, beim Operation Karriere-Kongress in Hamburg.

Kubitz

Prof. Dr. Jens Kubitz | Michael Kottmeier

Neben der Fachkompetenz sind es vor allem die Social Skills, also die Sozialkompetenzen, die im ärztlichen Beruf zählen. Dies erkenne man mittlerweile auch in Stellenanzeigen (z.B. für Chefärzte), wo neben einer umfänglichen Fachkenntnis auch Führungskompetenz gewünscht wird.

Vier wichtige Eigenschaften in diesem Zusammenhang sind Kommunizieren, Entscheiden, Kooperieren und Vertrauen. "Dazu kommt ein Grundverständnis des ökonomischen, unternehmerischen Denkens. Ohne das kommt man heute in Führungspositionen nicht mehr zurecht", sagte Kubitz.

  • Kommunizieren: Ein Arzt muss fokusgruppenspezifisch kommunizieren, unterschiedlich mit Kollegen und Patienten sprechen, damit sie ihn bei der Aufklärung auch richtig verstehen.
  • Entscheiden: Ein gutes Selbstmanagement und eine gute Organisation sind wichtig, auch um den eigenen Karriereweg selbst auszuwählen und die Weichen richtig zu stellen.
  • Kooperieren: Ein Arzt muss Teamplayer sein. Das gilt für die Zusammenarbeit im eigenen Team, aber im Sinne der interdisziplinären Zusammenarbeit auch mit anderen Fach- oder Berufsgruppen
  • Vertrauen: Eine Führungsperson muss seinen Mitarbeitern ausreichend Freiraum geben, damit diese sich entfalten können und Erfahrungen sammeln. Eine große Offenheit muss stets spürbar sein.

Dermatologie

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Fandel-Meyer und Kubitz stellten das 70:20:10-Modell vor. Danach lerne man 70 Prozent bei der täglichen Arbeit in der Klinik und durch die Reflexion dessen, was dort geschieht. 20 Prozent kommt durch kollegiale oder professionelle Unterstützung durch Mentoring und Coaching. 10 Prozent deckt das Selbststudium ab, das kann in Seminaren oder durch Literaturrecherche erfolgen.

"Dieses System hat Erfolg, wenn man es möglichst systematisch umsetzt und ausreichend Zeit dafür einplant", sagte Fandel-Meyer. In der Klinik müsse man immer gemeinsam lernen, auch mit den Pflegekräften, den medizinisch-technischen Assistenten usw.

Quelle: Dr. Tanja Fandel-Meyer und Prof. Dr. Jens Kubitz, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: "Führungskompetenz für Ärztinnen/Ärzte - Ein wichtiger Karrierefaktor", Operation Karriere-Kongress Hamburg, 16.06.2017.

Motivation ist die wichtigste Voraussetzung

Mit einer interaktiven Sitzung eröffneten PD Dr. Marko Fiege und Dr. med. Georg Hillebrand, beide Klinikum Itzehoe, den Operation Karriere-Kongress 2017 in Hamburg.

Fiege und Hillebrand

PD Dr. Marko Fiege (l.) und Dr. Georg Hillebrand vom Klinikum Itzehoe | Reinhart

Fiege und Hillebrand wollten gemeinsam mit den Teilnehmern des Kongresses erarbeiten, worauf es beim Start in der Klinik ankommt und worauf Assistenzärzte sich einstellen müssen. Dazu teilten die beiden Chefärzte den Hörsaal mit einem Absperrband in zwei Hälften. Die Rollenverteilung: Hillebrand und "seine Seite" spielten die Chefärzte, Fiege und "seine Studenten" blickten aus der Perspektive der Berufsanfänger. 

Im Folgenden gingen die Referenten gemeinsam mit den Studierenden verschiedene Aspekte durch, die Chefärzten bei Bewerbern wichtig sind und diskutierten den Stellenwert der jeweiligen Eigenschaft. Die Motivation der Kandidaten sei extrem wichtig. Fiege: "Das kann viel wettmachen an mangelnder Kenntnis, die dann erst im Laufe der Zeit mit der Praxis im Alltag erworben wird." Die Begeisterung für das Fach sei die Quintessenz dessen, was ein Vorgesetzter erwartet. "Das hilft Ihnen auch dabei, die auftauchenden Probleme gut zu überstehen", sagte Hillebrand.

Authentisches Verhalten kommt gut an

Im Vorfeld eines Bewerbungsgesprächs sollte man sich bereits über die Klinik informieren und möglichst authentisch sein. Weiß man über seinen potenziellen künftigen Arbeitgeber bereits Bescheid, kann das nie schaden. Trotzdem sei es auch nicht falsch, interessiert zu sein, und Fragen zu stellen, die bisher bei der Eigenrecherche möglicherweise offen geblieben sind. Eine oder gar mehrere Famulaturen in dem Fachbereich, für den man sich bewirbt, seien jedoch kein absolutes Muss. "Man sollte eher eine gute Mischung anstreben und damit zeigen, dass man breit interessiert ist und seine Fühler schon etwas ausgestreckt hat", erklärte Fiege.

Bei Fachrichtungen mit einem manuellen Fokus, wie beispielsweise die Chirurgie, geben auch nicht-ärztliche Tätigkeiten bzw. Hobbys im Lebenslauf Aufschluss darüber, ob der Bewerber aufgrund einer gewissen Vorkenntnis geeignet erscheint. "Wenn jemand schon einmal handwerklich gearbeitet oder geholfen hat, kann man davon ausgehen, dass er keine zwei linken Hände hat", sagte Fiege.

Bewerbungen individuell gestalten

Bei den Bewerbungsunterlagen legen Fiege und Hillebrand wert auf einen individuellen Anstrich. Bewerber sollten keine "Serienbrief-Bewerbungen" abschicken, bei denen zu erkennen ist, dass sie in ganz marginal veränderter Form an viele andere Arbeitgeber gegangen sind. Manchmal sei sogar noch der falsche Ansprechpartner angegeben – ein No-Go. Die Bewerbungsunterlagen seien auch ein guter Hinweis auf die Ordentlichkeit und Struktur des Bewerbers. So könne man gegebenenfalls auch einen Eindruck der Selbstorganisation bzw. der Organisationsfähigkeit des Bewerbers erhalten. "Sie müssen später vieles bewältigen, wenn alle Arztbriefe lange liegen bleiben, spricht das für ein schlechtes Zeitmanagement", erklärte Hillebrand.

Wenn man sich im Bewerbungsgespräch gut versteht, sei eine Hospitation an den meisten Häusern mittlerweile Standard, um den zukünftigen Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, die Kandidaten kennen zu lernen und natürlich anders herum. Die Fachkenntnis könne in dieser kurzen Zeit zwar nicht wirklich bewertet werden, hier bestehe für den Einstellenden immer ein gewisses Risiko. Ein sehr wichtiger Aspekt sei aber, dass der Bewerber gut ins Team passt und somit eine harmonische und gute Zusammenarbeit wahrscheinlich ist. Bei Hospitationen werden eher Faktoren wie Sympathie, Empathie und Teamfähigkeit bewertet.

Das "Leuchten in den Augen"

Als Take-Home-Message nannten beide Referenten Fachlichkeit, Selbstorganisation, Belastbarkeit und Social skills als wichtige Schlagworte. Weniger nüchtern und eher emotional fügte Fiege hinzu: "Wenn ich bei einem Bewerber das Leuchten in den Augen sehe, stelle ich ihn ein. Die Motivation und die Begeisterung für das Fach sind die allerwichtigsten Apekte."

Quelle: PD Dr. med. Marko Fiege, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Dr. med. Georg Hillebrand, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, beide Klinikum Itzehoe, Itzehoe. "Der Start als Arzt - Was Assistenzärzte in der Klinik erwartet. Operation Karriere-Kongress Hamburg, 16. Juni 2017.

Sportmedizin: Viel unterwegs auf der ganzen Welt

Seinen spannenden Job im Hochleistungssport stellte Dr. Helge Riepenhof, unter anderem Mannschaftsarzt des AS Rom und Arzt der Deutschen Radsport Nationalmannschaft, auf dem Operation Karriere-Kongress im Hamburg vor.

Riepenhof

Dr. Helge Riepenhof | Reinhart

Reha- und Sportmedizin sei im Endeffekt das gleiche. Die Ärzte in beiden Bereichen arbeiten dafür, dass die Funktion geschädigter Körperteile, Muskelgruppen, Bänder etc. wiederhergestellt wird und dass die betroffenen Personen wieder arbeiten können. Ganz egal, ob das ein Dachdecker ist oder ein Fußballprofi. Im Sport muss die Leistungsfähigkeit wiederhergestellt werden und der Körper so gestärkt bzw. vorbereitet werden, dass eine erneute Verletzung an gleicher Stelle bestenfalls vermieden werden kann. Will man Sportmediziner werden, muss man den Facharzt für physikalische und rehabilitative Medizin machen und dann die Zusatzbezeichnung `Sportmedizin´ erlangen. 

"Wir arbeiten viel interdisziplinär, da müssen Sie Lust drauf haben"

Der Ablauf für die verletzten Personen sieht nach der Behandlung auf der Intensivstation eine komplexe stationäre Reha vor, gefolgt von der berufsgenossenschaftlichen stationären Reha und einer arbeitsbezogenen muskulo-skelettalen Reha. "Wir arbeiten viel interdisziplinär, da müssen Sie Lust drauf haben, wenn Sie in diesem Bereich Fuß fassen wollen", sagte Riepenhof.

Die vielseitige Tätigkeit umfasst auch Reha-Einsätze im Schwimmbad, auf dem Pferd. Der Reha- bzw. Sportmediziner kümmert sich um die Planung/Anpassung von Prothesen und Schienen und arbeitet auch mit der Ergotherapie sowie in der Gehschule. Die Leistungsdiagnostik und die Individualprävention zählen ebenso zum Aufgabenbereich. Wer Sportler betreuen will, sollte auch gerne reisen, da auf der ganzen Welt verschiedenste Wettkämpfe stattfinden, zu denen die Ärzte ihre Schützlinge begleiten müssen, um zum Beispiel vor Ort direkt auf eventuelle Verletzungen reagieren zu können.

Als Einstieg in die Welt der Sportmedizin empfahl Riepenhof eine wissenschaftliche Arbeit oder eine gut vernetzte Klinik: "Die Sportmedizin-Welt ist sehr klein. Wenn Sie da einmal drin sind, dann geht es immer weiter!"

Quelle: Dr. Helge Riepenhof, Chefarzt Sportprävention und Sportrehabilitation und Mannschaftsarzt des AS Rom und der Deutschen Radsport Nationalmannschaft, Hamburg: "Reha- und Sportmedizin - Einblicke eines Teamarztes in die Vielseitigkeit des Fachgebiets", Operation Karriere-Kongress Hamburg, 16.06.2017.

Kinder- und Jugendmedizin: Gute Beobachtungsgabe gefragt

Dr. Jens Siegel stellte den Teilnehmern des Operation Karriere-Kongresses in Hamburg die Kinder- und Jugendmedizin vor.

Siegel

Dr. Jens Siegel | Reinhart

Als Kinderarzt muss man eine gute Beobachtungsgabe haben, da zumindest Kleinkinder noch nicht äußern können, was ihnen fehlt. Die Eltern müssen mit im Boot sein, ohne sie geht es nicht. "Wir behandeln eigentlich immer zwei Patienten, die Kinder selbst und ihre Eltern", sagte Siegel. Die Ärzte müssen authentisch sein, da Eltern sofort spüren, ob jemand "echt" ist. Sollte man sich einmal nicht sicher sein, ist das nicht schlimm. Man sollte lieber ehrlich sein und einen Kollegen um Hilfe bitten, als einfach irgendetwas zu behaupten. Im Simulationszentrum könne man schwierige Aspekte der Behandlung von Kleinkindern trainieren.

Die Weiterbildungszeit beträgt 60 Monate, schon früh sollte man eigenständig Untersuchungen durchführen, Therapiepläne entwickeln und auch das Elterngespräch (unter Supervision) führen.

Welche Eigenschaften braucht man als Kinder- und Jugendarzt?

  • Beobachtungsgabe
  • Einfühlungsvermögen
  • Verständnis
  • Geduld
  • Ideenreichtum
  • Erfahrung
  • Wissen

Wenn die Kinder die Klinik mit einem Lächeln verlassen, dann hat es sich gelohnt. Das ist der Grund, warum man diesen Job machen wollen sollte.

Quelle: Dr. Jens Siegel, Chefarzt, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM ROTENBURG, Rotenburg (Wümme): "Spezialisten für die Kleinsten - Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Operation Karriere-Kongress Hamburg, 16.06.2017.

Chirurgie: Umgangston kann gewöhnungsbedürftig sein

PD Dr. Bernd Hohendorff, Elbe Klinikum, Stade, stellte beim Operation Karriere-Kongress in Hamburg das Chirurgie-Handwerk vor und erzählte den Zuhörern, worauf sie sich freuen dürfen, aber auch, worauf sie sich gefasst machen müssen.

Hohendorff

PD Dr. Bernd Hohendorff | Reinhart

"Spezialisten sind gefragt. Es ist heute nicht denkbar, dass sie mal ein feines Blutgefäß operieren, dann mal etwas am Gehirn machen und später ein Herz transplantieren", sagte PD Dr. Hohendorff auf dem Operation Karriere Kongress in Hamburg. Nach der zweijährigen Basisausbildung folgen in der Chirurgie ein Jahr in einer assoziierten Disziplin und dann drei Jahre Fachspezialisierung. Hohendorff hält die Chirurgie in erster Linie für ein Handwerk, für das ein gewisses Talent auf jeden Fall vorhanden sein muss. "Niemand wird 'einfach so' Chirurg".

"Operieren macht dumm" sei ein gängiges Klischee über die Chirurgie. Dazu sagte Hohendorff, dass es tatsächlich meist ungewöhnlich sei, nach einer mehrstündigen OP am Abend noch in ein Buch zu schauen. Diese Einstellung sei jedoch falsch. Die Chirurgie sei auch ein theoretisch-autodidaktisches Fach und bis zum Lebensende eng mit der Anatomie verbunden. "Erst wenn Sie sich darauf einlassen und ständig neue Erfahrungen sammeln, aber auch selbst die Literatur bemühen, werden Sie ein guter Chirurg", sagte Hohendorff.

Immer auf Achse

Der Chirurg sei im Krankenhaus immer unterwegs zwischen Notaufnahme, Station, Intensivstation usw. Die Tätigkeit sei vielseitig und interessant. Die Hierarchie sei nach wie vor sehr wichtig. Dies sei historisch gewachsen und werde durchaus an einigen Häusern noch so gelebt. "Der Umgangston kann gewöhnungsbedürftig sein", sagte Hohendorff. Die Dienstbelastung eines Chirurgen sei hoch, Dienst nach Plan sei daher nicht machbar. Auch auf die Arzthaftung müsse ein Chirurg sich einstellen. Chirurgische Eingriffe sind Körperverletzung mit Einwilligung und der Vorwurf eines Behandlungsfehlers kommt vor. Hohendorff: "Darauf müssen Sie gefasst sein!"

Der Stress hinterlasse durchaus seine Spuren, eine physische und psychische Robustheit muss vorhanden sein. "Mit guten Arbeitsbedingungen und Kollegen stehen Sie das durch." Hohendorff empfahl den Zuhörern, an andere Orte, in andere Länder zu gehen und Erfahrungen zu sammeln. Außerdem müsse man sich früh genug überlegen, was man will. Hohendorff weiß: "Auch die sechsjährige Facharztausbildung geht schnell vorbei!"

Quelle: PD Dr. Bernd Hohendorff, Leitender Arzt Handchirurgie, Abteilung für Hand-, Ästhetische und Plastische Chirurgie, Elbe Klinikum, Stade: "Chirurg werden - Kein Durchschnittsjob" auf dem Operation Karriere-Kongress in Hamburg, 16.06.2017.

Ernsthafte Kommunikation als Diagnostik und Therapie

Besonders spannend findet Dr. Daniel Meinecke, Ameos Nord, Neustadt i.H., die Psychiatrie, weil man dort ständig neue Leute kennen lernt, zum Beispiel Gott, Jedi-Ritter und viele mehr. Über den Facharzt für Leib und Seele sprach er bei Operation Karriere in Hamburg.

Meinecke

Dr. Daniel Meinecke | Reinhart

In Deutschland gibt es circa 13000 Fachärzte für Psychiatrie, 67 Prozent davon sind über 50 Jahre alt. Das Fach hat für junge Kollegen also durchaus Potenzial. Das Patientenaufkommen ist nach der Inneren Medizin und der Chirurgie das dritthöchste. 

Nach einer fünfjährigen Facharztausbildung inklusive der Psychotherapie- und der Suchtleidenausbildung behandelt der Psychiater den ganzen Menschen, nicht nur ein Körperteil. Es ist daher eine vielfältige Arbeit, die interdisziplinär vernetzt ist. Meinecke grenzte das Fach eindeutig ab, zum Beispiel von der Chirurgie. "Die Psychiatrie ist kein Handwerk. Das Nähen von Wunden etc. so etwas gibt es hier nicht. Wir reden mit unseren Patienten." Die ernsthafte Kommunikation gehört zu Diagnostik und Therapie.

Die angenehmen Arbeitszeiten hob Meinecke hervor, ebenso wie die teilweise alternativen Methoden, die in der Psychiatrie genutzt werden können. Unkonventionelle Ansätze, wie beispielsweise die Visite am Kickertisch, seien in anderen Fächern so nicht möglich.

"Man muss das Fach fühlen und sich dort auch wohlfühlen. Probieren Sie es einfach in Famulaturen aus, ob die Psychiatrie etwas für Sie ist", empfahl Meinecke.

Quelle: Dr. Daniel Meinecke, Chefarzt AMEOS Klinika Kiel und Preetz, AMEOS Nord, Neustadt i.H.: "Facharzt für Leib und Seele - Arbeiten in der Psychiatrie", Operation Karriere-Kongress Hamburg, 16.06.2017.

Assessment-basierte geriatrische Therapie zeigt Erfolge

Warum die Geriatrie ein eigenes Fach ist und welche Besonderheiten die Patienten aufweisen, erklärte Dr. Amit Choudhury, Klinikum Bremen-Nord, beim Operation Karriere-Kongress in Hamburg.

Choudhury

Dr. Amit Choudhury | Reinhart

Vielen sei nicht bewusst, was die Geriatrie überhaupt ist. Choudhury sieht die Geriatrie wegen des demografischen Wandels als absolutes Zukunftsfach, das sich mit der Diagnostik, Therapie und der Rehabilitation älterer Patienten befasst.

Diese Patienten zeigen funktionelle Defizite, Multimorbidität, und im Zusammenhang damit, häufig auch eine Multimedikation sowie psychosoziale Deprivation und eine hohe Rehabilitationsbedürftigkeit. Altersbedingte Organveränderungen treten auf, genauso wie chronische Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Tumore, neurodegenerative Erkrankungen, Osteoporose uvm. Aufgrund dieser großen Vielzahl an potenziellen Leiden, reagieren diese Patienten viel stärker auf exogene Einflüsse, und Erkrankungen wie eine Lungenentzündung können sehr bedrohlich werden.

Rückführung in den gewohnten Alltag

Das Ziel der Therapie sei eine hohe Partizipation der Patienten und die erneute Eingliederung in den gewohnten Alltag. Dazu sind akutmedizinische und rehabilitative Maßnahmen notwendig. Die Geriatrie müsse als eigenes Fachgebiet fungieren, da ein spezielles Setting notwendig sei, um auf die speziellen Umstände und Bedürfnisse der Patienten adäquat reagieren zu können. "Das ist ein Ansatz, der viele Berufsgruppen zusammenführt", sagt Choudhury. Er umfasst Ärzte, die Pflege, Physiotherapie, Logopädie, Neuropsychologie, den Sozialdienst uvm.

Einige Studienergebnisse sprechen für den Erfolg der assessment-basierten geriatrischen Therapie. Es handelt sich um ein Querschnittsfach, dass in Akutbereich angesiedelt ist, aber auch rein rehabilitativ ablaufen kann. Im ambulanten Bereich sei das Fach bisher noch unterrepräsentiert.

Quelle: Dr. Amit Choudhury, Klinikdirektor, Klinik für Medizinische Geriatrie und Rehabilitation, Klinikum Bremen-Nord, Bremen: "Geriatrie - Zwischen Akutmedizin und Rehabilitation", Operation Karriere-Kongress Hamburg, 16.06.2017.

Rein in die eigene Praxis

Beim Operation Karriere-Kongress in Hamburg gab der niedergelassene HNO-Arzt Dr. Armin Mechkat einen Einblick in seinen Weg zur Niederlassung und Dr. Jochen Kriens, KV Hamburg, erklärte, wie die KV Ärzte auf diesem Weg unterstützt.

Dres. Mechkat und Kriens

Dr. Armin Mechkat (l.) und Dr. Jochen Kriens beim Operation Karriere-Kongress in Hamburg. | Michael Kottmeier

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) organisiert die ambulante vertragsärztliche und vertragspsychotherapeuthische Versorgung. Die Grundvoraussetzung für eine Zulassung ist die abgeschlossene Facharzt-Ausbildung. Je nach Region und Versorgungsstruktur muss man sich auf die Warteliste der KV setzen lassen, um zu gegebener Zeit die Chance zu erhalten, die eigene Praxis zu eröffnen. In einigen Regionen geschieht dies über Nachbesetzungsverfahren: Dies ist dann der Fall, wenn eine Zugangssperre auferlegt wurde, da in der jeweiligen Region bereits eine große Anzahl an Fachärzten in dem Bereich des "Bewerbers" vorhanden ist.

Laut Kriens müsse sich der Gründungswillige zunächst fragen, welcher "Niederlassungstyp" er ist. Mit Optionen wie angestellter Arzt, Praxisgemeinschaft, Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis gebe es sehr viele Möglichkeiten.

Die KV bietet angehenden Ärzten bereits während des Studiums eine Famulaturbörse, Taschengeld zur Famulatur und die Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin. Interessierte erhalten auch alle wichtigen Infos zur Niederlassung, wie den verschiedenen oben genannten Niederlassungsformen und einen individuellen Zeitplan.

Weiterbildung auch ambulant möglich

Dr. Armin Mechkat berichtete aus seiner Erfahrung; er hat die ein oder andere Famulatur bereits in Praxen absolviert und auch seine Weiterbildung teilweise ambulant gemacht. Die Einzelpraxis stellt für den HNO-Arzt die völlige Eigenständigkeit bei der Organisation dar. "Die ganze Praxis ist ein Ausdruck dessen, wie man arbeiten möchte", sagte Mechkat.

Die KV übernimmt die Abrechnung und steht den Medizinern bei Fragen immer zur Seite. "Patienten schätzen es im Gegensatz zu einer Klinik, dass es immer einen Ansprechpartner gibt, der die komplette Krankengeschichte und den Patienten persönlich gut kennt", sagte Mechkat.

Quelle: Dr. Jochen Kriens, Kassenärztliche Vereinigung Hamburg, Hamburg und Dr. med. Armin Mechkat. "Rein in die Praxis - Von Famulatur, über Weiterbildung bis hin zur eigenen Praxis". Operation Karriere-Kongress Hamburg, 16.06.2017.

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten finden Sie hier.

Vorstellungsgespräch: Welche Fragen darf der Arbeitgeber stellen?

Wird Bewerbern beim Vorstellungsgespräch eine unzulässige Frage gestellt, müssen sie darauf nicht wahrheitsgemäß antworten. Was der Arbeitgeber fragen darf und was nicht, fasste Rechtsanwalt Dr. Thomas Ruppel zusammen.

Ruppel

Rechtsanwalt Dr. Thomas Ruppel | Michael Kottmeier

Das Fragerecht des Arbeitgebers beschränkt sich generell auf Sachverhalte, die direkten Einfluss auf den Job haben. Unzulässige Fragen müssen nicht beantwortet werden, hier darf der Bewerber die Unwahrheit sagen. Auf die Frage, was ein Arbeitgeber beantworten muss, und was nicht, gibt es jedoch selten pauschale Antworten. Laut Ruppel sei es wie so häufig bei Rechtsfragen - "Es kommt drauf an!"

Bei Vorstrafen beispielsweise kommt es auf das Vergehen an, ob es für den Arbeitgeber relevant ist oder nicht. Verkehrsdelikte ohne Drogeneinfluss spielen zum Beispiel für Ärzte keine Rolle. Auch bei einem laufenden Ermittlungsverfahren muss man nur dann eine Auskunft erteilen, wenn das Vergehen im direkten Zusammenhang mit dem Beruf steht. "Wenn man bei der neuen Stelle mit der Abrechnung betraut sein wird, sollte man besser keine Vorstrafe im Bereich des Betrugs haben, das dürfte den Arbeitgeber interessieren und muss auch offen gelegt werden", sagte Ruppel.

Die Frage nach einer vorhandenen oder geplanten Schwangerschaft ist unzulässig. Auch diese Frage darf mit einer Lüge pariert werden, sogar dann, wenn der betreffende Job für Schwangere nicht ausführbar ist. Auch die Frage nach den Vermögensverhältnissen des Bewerbers muss nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden, ebenso wie eine Auskunft über eine Gewerkschafts-, Partei- oder Religionszugehörigkeit. Eine Ausnahme stellen im letzten Fall kirchliche Träger dar. Eine Schwerbehinderung muss ebenfalls nicht zwingend angegeben werden. Allerdings muss der Arbeitgeber über eventuelle spezielle Anforderungen des Arbeitsplatzes in Kenntnis gesetzt werden.

Einen wichtigen Hinweis gab Ruppel bezüglich der Größe des Hauses, bei dem sich der Bewerber vorstellt. "Bei einer sehr großen Klinik geben Sie auf blöde Fragen ruhig blöde Antworten. Bei einem kleinen Kollegium sollten sie jedoch Bedenken, dass die zukünftige Zusammenarbeit wahrscheinlich darunter leiden würde, wenn man direkt mit einer Lüge startet." Auch in diesem Fall kommt es also immer drauf an. Eine rechtliche Gewissheit darüber, was man erwähnen muss und was nicht, ersetzt nie die persönliche Einschätzung der individuellen Umstände und der Situation, bzw. welche Konsequenzen das eigene Verhalten für die Zukunft haben könnte.

Quelle: Dr. Thomas Ruppel, Rechtsanwälte Dr. Ruppel Kanzlei für Medizinrecht und Gesundheitsrecht, Lübeck. "Vorstellungsgespräch - Wann muss ich die Wahrheit sagen, wann darf ich lügen?", Operation Karriere-Kongress Hamburg, 16.06.2017.