Das war Operation Karriere 2016 in Hamburg

Der Ärztemangel schafft für junge Mediziner eine nahezu grenzenlose Aus­wahl an Arbeitsmöglichkeiten. Darauf hat Burkhard Göke, seit gut einem Jahr Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), hingewiesen. Anlässlich des regio­nalen Nachwuchskongresses „Operation Karriere“ des Deutschen Ärzteverlags riet er jungen Ärzten, diese Chancen zu nutzen, aber zugleich Angebote auch zu hinterfragen.

Auf dem Kongress in Hamburg informierten sich etwa 320 Studierende und Berufsein­steiger über Studium, Karriereplanung, Bewerbung sowie Weiterbildungs- und Nieder­lassungs­möglichkeiten. Über Unterstützungsangebote der Ärztekammer Hamburg – insbesondere bezüglich einer Weiterbildung im Fach Allgemeinmedizin – informierte Monika Mangiapane von der Koordinierungsstelle zur Förderung der Allgemeinmedizin.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann (Redakteurin Deutsches Ärzteblatt)

Sie finden hier die Nachberichterstattung in Wort und Bild rund um den Operation Karriere Kongress in Hamburg, der am 17. Juni 2016 im Institut für Anatomie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf stattfand.


Operation Karriere 2016 Hamburg: Impressionen vom Kongress

Am 17. Juni fand der Operation Karriere Kongress 2016 in Hamburg statt. Impressionen von den Vorträgen, Workshops und der Karrieremesse im Institut für Anatomie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Prof. Dr. med. Burkhard Göke

DD

Prof. Dr. med. Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, in dessen Institut für Anatomie der Kongress stattfand, richtete Grußworte an die Kongressteilnehmer.

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PJ: Rechte, Pflichten, Status – welche Regeln gibt es?

Wie ist mein Status im Praktischen Jahr? Welche Rechte und Pflichten ergeben sich daraus? Was kann man von mir verlangen und was nicht? Antworten dazu gab es von Dr. rer. nat. Galina Pestel auf dem Operation Karriere Kongress 2016 in Hamburg.

Dr. Galina Pestel

Dr. rer. nat. Galina Pestel während ihres Vortrags bei Operation Karriere 2016 in Hamburg. | DD

„Der PJ'ler ist zu 100 Prozent noch Student“, der ein Praktisches Jahr (PJ) absolviert, so Pestel. Dabei handle es sich um ein Pflichtpraktikum, das zwingend nötig sei, um Arzt werden zu können.


Doch welche Konsequenzen hat das auf die rechtliche Stellung des PJ'lers? 

=> kein ArbeitzeitG

=> kein EntgeltfortzahlungsG

=> kein BundesurlaubsG

=> kein KündigungsschutzG

=> kein MutterschutzG

=> kein BerufsbildungsgesetzG

Daraus ergebe sich, so Pestel, keine bindende, einheitliche Regelung zu den Arbeitszeiten.  In § 3 Abs. 4 S. 4 der Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO)  finde sich der folgende Passus zur Arbeitszeitregelung: „[…] Sie sollen in der Regel ganztägig an allen Wochenarbeitstagen im Krankenhaus anwesend sein. […]“.

Konkret leite sich daraus ab: Ausbildungszeit ist ärztliche Dienstzeit. Das bedeute Nacht-, Wochenend- und Spätdienst seien möglich. Viele PJ-Ordnungen regelten die Arbeits- und Studienzeiten, meist seien diese von Montag bis Freitag je acht Stunden. Leider handele es sich fast immer um  „Soll oder Kann-Regel“ – Bestimmungen.

Rechte und Pflichten: Was muss ich machen? 

Aus § 3 Abs. 4 ÄApprO  lasse sich das Folgende ableiten so Pestel. PJler „müssen nicht, sondern sollen wollen!“

Ziel des PJ sei die Vertiefung und Erweiterung der im vorangegangenen Studium erworbenen ärztlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten auf den einzelnen Krankheitsfall anwenden zu können. Im Mittelpunkt stehe dabei die Ausbildung am Patienten. Entsprechend dem Ausbildungsstand sollten PJler ihnen zugewiesene ärztliche Verrichtungen durchführen, jedoch keine Tätigkeiten, die die Ausbildung nicht förderten.

Welche Tätigkeiten können an mich delegiert werden? 

An PJl'er delegiert werden können laut Pestel folgende Tätigkeiten:

  • Vorbereitende Anamnese mit anschließender Überprüfung im Gespräch 
  • Kapilläre/venöse Blutabnahmen, subkutane und intramuskuläre Injektionen einschließlich Impfungen 
  • Intravenöse Applikationen (außer Erstapplikationen) 
  • Zweite oder dritte OP-Assistenz 
  • Versorgung unkomplizierter Wunden bzw. regelmäßige Kontrolle durch Arzt
  • So die Empfehlungen von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung.


Welche Tätigkeiten dürfen nicht an mich delegiert werden? 

Gleichzeitig gebe es Tätigkeiten, so Pestel, die man Empfehlungen von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung zufolge als PJ'ler nicht eigenständig durchführen solle:

  • Anamnese 
  • Indikationsstellung 
  • Untersuchung des Patienten einschließlich invasiver diagnostischer Leistungen 
  • Stellen der Diagnose 
  • Aufklärung und Beratung des Patienten 
  • Entscheidung über die Therapie 
  • Durchführung invasiver Therapien 
  • Anlage zentralvenöser Zugänge, Thoraxdrainagen 

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Ein boomender Sektor – Arzt in der Rehabilitation

Die Reha-Medizin ist ein boomender Sektor mit einem immer größeren Aufgabenspektrum bei gleichzeitig wachsendem Bedarf an Personal, so Dr. med. Jean-Jacques Glaesener, Chefarzt im Zentrum für Rehabilitationsmedizin im BG Klinikum Hamburg.

Dr. Glaesener

Dr. med. Jean-Jacques Glaesener, Chefarzt im Zentrum für Rehabilitationsmedizin im BG Klinikum Hamburg, während seines Vortrags bei Operation Karriere 2016 in Hamburg. | DD

„Der Bereich der Rehabilitationsmedizin ist ein boomender“, stellte Glaesener auf dem Operation Karriere Kongress 2016 in Hamburg fest. Gründe hierfür seien die immer größeren Erfolge in der Akutmedizin und den damit erhöhten Überlebenschancen nach schweren Unfällen oder lebensbedrohenden Ereignissen. So liege die Letalität bei Schwerverletzten heutzutage bei zehn Prozent. Die Sterbefälle nach einem Schlaganfall im Vergleich mit dem Jahr 1998 auf ein Drittel zurückgegangen.

„Wir haben viel mehr Menschen, die ein akutes Ereignis überleben, aber Folgen davontragen.“, fasste Glaesener die aktuelle Entwicklung zusammen. Der medizinische Fortschritt einerseits und die demographische Entwicklung andererseits führten zu einem Mehrbedarf an Reha-Medizin.

Zunehmende Bedeutung: Früh-Reha

Dabei sei die Zielsetzung der Rehabilitationsmedizin klar beschreiben: Aufgabe der Reha sei es, so Glaesener, eine Rückführung der Patienten in die Teilhabe. Dabei sei Rehabilitationsmedizin weit mehr als nur Reha-Klinik. Mehr und mehr gewinne die Früh-Reha an Bedeutung, so z.B. bei der Überführung von Patienten von der Intensiv- hin zur Rehabilitationsfähigkeit.

Ebenfalls ein wachsender Bereich: die ambulante Reha, etwa in der Sportmedizin. Hierbei rücke der Bereich der konservativen Orthopädie immer näher an die Reha.

Zum Ende seines Vortrags wies Glaesener noch darauf hin, dass es für Fachärzte in der Reha-Medizin rund 1.300 Kliniken gebe, die teilweise „an den schönsten Orten Deutschlands“ lägen.  Somit gebe es ein großes Angebot an Arbeitsmöglichkeiten für angehende Fachärzte in diesem Bereich.

 

Facharzt/Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin

Weiterbildungsziel:

Ziel der Weiterbildung im Gebiet Physikalische und Rehabilitative Medizin ist die Erlangung der

Facharztkompetenz nach Ableistung der vorgeschriebenen Weiterbildungszeit und

Weiterbildungsinhalte.

Weiterbildungszeit:

60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1,

davon

● 12 Monate in der stationären Patientenversorgung im Gebiet Chirurgie und/oder in Frauenheilkunde

und Geburtshilfe, Neurochirurgie und/oder Urologie

● 12 Monate in der stationären Patientenversorgung im Gebiet Innere Medizin und/oder in

Allgemeinmedizin, Anästhesiologie, Kinder- und Jugendmedizin und/oder Neurologie

– können bis zu 24 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden 

 

Quellen: „Ein boomender Sektor – Arzt in der Rehabilitation“, Vortrag von Dr. med. Jean-Jacques Glaesener, Chefarzt im Zentrum für Rehabilitationsmedizin, BG Klinikum Hamburg, Operation Karriere Kongress 2016, Hamburg; Musterweiterbildungsordnung Bundesärztekammer.

Facharzt Dermatologie – zukunftssicher und abwechslungsreich

Die Ärztliche Weiterbildung in der Dermatologie fristet aktuell eher ein Nischendasein. Wer sich jedoch dafür entscheidet, Hautarzt zu werden, hat gute Zukunftsausschichten und Verdientsmöglichkeiten – sagt Dr. med. Uwe Schwichtenberg, Landesverbandsvorsitzender des Berufsverband der Deutschen Dermatologen.

Dr. Uwe Schwichtenberg

Dr. Uwe Schwichtenberg erklärte während seines Vortrags, in seinem Fachgebiet gebe es einen großen Bedarf an Nachwuchs. | DD

Die Zukunftsaussichten, so Schwichtenberg bei seinem Vortrag auf dem Operation Karriere Kongress 2016 in Hamburg „sind rosig“ – denn: über ein Drittel der niedergelassenen Dermatologen seien rund 60 Jahre alt und damit kurz vor dem Ruhestand. 

Sein Fach genieße eher das Dasein in der Nische, so Schwichtenberg und erklärt „Dermatologie ist weit mehr, als Cortison-Salben zu verschreiben. Die Dermatologie ist ein breit aufgestelltes Fach.“ 

Egal für welchen Schwerpunkt man sich entscheide, die Arbeit als Dermatologe gestalte sich immer abwechslungsreich. Der Patientenkontakt könne sich dabei sowohl kurz- als auch längerfristig gestalten. Dabei habe ein niedergelassener Hautarzt im Schnitt knapp 2.000 Patientenkontakte monatlich.

Vier Spezifizierungen

Schwichtenberg erklärte, es gebe vier Schwerpunkt-Spezifizierungen innerhalb seiner Fachdisziplin:

Konservativ – kurativ:

- Behandlung akuter Phänomene

- Behandlung allergischer Reaktionen

Operativ:

- Hautkrebs

- OPs am Nagel

- Venen

Ästhetisch-kosmetisch:

- Botox

- Ästhetische Operationen

Berufsgenossenschaftlich- gutachterisch:

- Erstellung sogenannter „Hautarztberichte“

 Viele Freiheiten

Ein weiterer Punkt, der es seiner Meinung nach attraktiv mache, sich für die Weiterbildung zum Facharzt für Dermatologie zu entscheiden, ist für Schwichtenberg die Tatsache, dass Dermatologen Arbeitsplatzfreiheit genießen.  Ob in Klinik oder Praxis, alles sei möglich. Ebenfalls gebe es geographische Freiheit:  über 60 Prozent der Ärzte wünschten sich einen Arbeitsplatz in einer mittelgroßen Stadt – genau dort seien die meisten Dermatologen zu finden.  Außerdem genieße man als Dermatologe Vertragsfreiheit: Ganz gleich ob Niederlassung in Einzel- oder Gemeinschaftspraxis, einer Praxisgemeinschaft oder als angestellter Arzt in einer Praxis, einer Klinik oder im MVZ. Alles sei möglich, so Schwichtenberg.

60 Monate Weiterbildungszeit

Die Weiterbildungszeit zum/zur Facharzt/Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten beträgt mindestens 60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1, davon können bis zu 30 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden.


Quellen: Operation Karriere Kongress 2016 Hamburg, Vortrag „Mit Haut und Haar – Facharzt für Dermatologie“, Referent: Dr. med. Uwe Schwichtenberg, Landesverbandsvorsitzender des Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V., Bremen.; Musterprüfungsordnung Bundesärztekammer.

Facharzt HNO – weit mehr als nur der „Mandelschneider“

Rund 6.200* Fachärztinnen und Fachärzte für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde gibt es in Deutschland. Damit zählt die HNO-Heilkunde zu den kleineren Fachgebieten. Welches breite Spektrum sein Fachgebiet abdeckt, erläuterte PD Dr. med. Elias Scherer auf dem Operation Karriere Kongress 2016 in Hamburg.

PD Dr. Elias Scherer

PD Dr. Elias Scherer arbeitet im Bereich der Kopf-Hals-Chirurgie an einer Klinik. | DD

„Der HNO-Arzt ist weit mehr als nur der ‚Mandelschneider‘, so PD Dr. med. Elias Scherer, Chefarzt der Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg. So reiche das Spektrum des HNO-Facharztes von der Behandlung einer chronischen Sinusitis, bei der sich große Überschneidungen mit der Allergologie ergäben, bis hin mikrochirurgischen Eingriffen am offenen Kehlkopf. 

Mikro- und Laserchirurgie

Zu letztgenanntem zählen laut Scherer auch beispielsweise die restruktive Chirurgie der Nase nach einer Tumorresektion, aber auch größere operative Eingriffe wie etwa die Rekonstruktion eines ganzen Gesichts. 

Scherers Spezialgebiet ist die Kopf-Hals-Chirurgie. Hierzu zähle etwa die Entfernung von Tumoren an schwer zugänglichen Stellen. So auch die Tumorresektion von Oropharynxkarzinomen mit anschließender Rekonstruktion. Auch die Resektion von Larynxkarzinomen zählen zu seinen Aufgaben an der Klinik. Bei OPs am Kehlkopf und den Stimmbändern komme häufig auch Laserchirugie zum Einsatz. 

Zur rekonstruktiven Chirurgie zähle beispielsweise das Einsetzen von Implantaten, die eine Artikulation der Patienten nach einer Resektion größerer Tumore am Kehlkopf wieder ermöglichten.

 

Weiterbildung Facharzt/Fachärztin für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

 

Weiterbildungszeit:

60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1,

davon

● 24 Monate Basisweiterbildung im Gebiet Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

● 36 Monate Weiterbildung zum Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, davon können

– 6 Monate im Gebiet Chirurgie oder Pathologie oder in Anästhesiologie, Anatomie,

Kinder- und Jugendmedizin, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie oder

Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen angerechnet werden

– bis zu 12 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet/angerechnet werden

 

Weiterbildungsinhalt:

Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in

– der Erkennung, konservativen und operativen Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation von

Erkrankungen einschließlich Funktionsstörungen, Verletzungen, Fehlbildungen, Formveränderungen

und Tumoren der Organe der Nase und Nasennebenhöhlen, der Tränen-Nasen-Wege, des Gehörund

Gleichgewichtsorgans, der Hirnnerven, der Lippen, der Wange, der Zunge, des Zungengrunds,

des Mundbodens, der Tonsillen, des Rachens, des Kehlkopfes, der oberen Luft- und Speisewege,

der Kopfspeicheldrüsen sowie der Oto- und Rhinobasis sowie der Weichteile des Gesichtsschädels

und des Halses

– den Grundlagen der gebietsbezogenen Tumortherapie

– der Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten

– der Erkennung und Behandlung gebietsbezogener allergischer Erkrankungen einschließlich der

Notfallbehandlung des anaphylaktischen Schocks

– den Grundlagen schlafbezogener Atemstörungen und deren operativer Behandlungsmaßnahmen

– der Indikationsstellung zur operativen und konservativen Behandlung einschließlich der

Risikoeinschätzung und prognostischen Beurteilung

– den umweltbedingten Schädigungen im Hals-Nasen-Ohrenbereich einschließlich

Lärmschwerhörigkeit

– lasergestützten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren

Definierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren:

– unspezifische und allergenvermittelte Provokations- und Karenztests einschließlich epikutaner,

kutaner und intrakutaner Tests einschließlich Erstellung eines Therapieplanes

– Hyposensibilisierung

– neuro-otologische Untersuchungen,

z. B. experimentelle Nystagmusprovokation, spinovestibuläre, vestibulospinale und zentrale Tests

und funktionelle Untersuchung des Hals-Wirbel-Säulensystems auch mit apparativer Registrierung

mittels elektro-und/oder Videonystagmographie

– operative Eingriffe einschließlich endoskopischer und mikroskopischer Techniken

– an Ohr, Ohrschädel, Gehörgang, Ohrmuschel einschließlich Felsenbeinpräparationen

– an Nasennebenhöhlen, Nase und Weichteilen des Gesichtsschädels

– plastische Maßnahmen geringen Schwierigkeitsgrades an Nase und Ohr

– im Pharynx

– im Bereich des Kehlkopfs und der oberen Luftröhre einschließlich Tracheotomie

– am äußeren Hals

– an Speicheldrüsen und -ausführungsgängen

– Eingriffe bei Schlafapnoe

– Mitwirkung bei Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade,

z. B. bei mikrochirurgischen Ohroperationen, große tumorchirurgische Operationen im Kopf-Hals-Bereich,

bei endoskopischer Ethmoidektomie und Pansinusoperationen, bei neuroplastischen

Eingriffen, bei Gefäßersatz und mikrovaskulären Anastomosen

 *Ergebnisse der Ärztestatistik 2015, Bundesärztekammer

Quellen: Operation Karriere Kongress 2016 Hamburg, Vortag „Von der Sinnesphysiologie bis zur Kopf-Hals-Tumorchirurgie – Aspekte der praktischen HNO-Medizin“; Referent: PD Dr. med. Elias Scherer, Chefarzt der Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, Rotenburg (Wümme); Musterprüfungsordnung Bundesärztekammer.

PJ im Ausland: Früh Kontakte knüpfen

Wer einen Teil oder auch sein gesamtes Praktisches Jahr (PJ) im Ausland absolvieren möchte, sollte bereits durch eine Famulatur im Wunschland die Weichen dafür stellen. Dafür plädiert Peter Karle, Chefredakteur von Medizinernachwuchs.de, Berlin.

Peter Karle

Peter Karle rät allen, die ihr PJ im Ausland ableisten möchten, rechtzeitig durch eine Famulatur Kontakte zu knüpfen. | DD

Um im Ausland einen Platz an einer Universitätsklinik oder einem vergleichbaren Lehrkrankenhaus zu bekommen, müsse man bereits während des Studiums erste Kontakte ins Wunschland knüpfen, so Karle. Deshalb sei eine Famulatur dort ein ideales Sprungbrett. Zum einen könne man dadurch bereits praktische Erfahrung in dem jeweiligen Gesundheitssystem nachweisen, zum anderen biete eine Famulatur die Möglichkeit, bereits direkt vor Ort Kontakte aufzubauen, auf die man bei der Bewerbung für das angestrebte Auslands-PJ zurückgreifen könne. 

Vor allem in den USA sei es wichtig, bereits über praktische Erfahrungen an einer US-Klinik zu verfügen. Ansonsten sei es sehr schwer, im Zuge des PJ eine Stelle an einem amerikanischen Krankenhaus zu finden. Wichtig auch in diesem Zusammenhang sei, so Karle, auch während der Famulatur stets ein Medical School Transcript zu führen und zu den jeweiligen Häusern mitzunehmen. Nur so sei festzustellen, welche Tätigkeiten von den Famulanten übernommen werden können. 

Lange Vorlaufzeit beachten

Sollte die Wahl der Auslands-Famulatur auf ein afrikanisches Land fallen, riet Karle dringend davon ab, die erste Famulatur dort zu absolvieren, da das Medizinstudium dort wesentlich stärker praxisorientiert sei. Vielmehr ist es laut Karle ratsam, die Auslands-Erfahrung im selben Fachgebiet abzuleisten, das man zuvor bereits an einer deutschen Klinik durch eine Famulatur kennengelernt habe.

Auch müssen laut Karle teilweise lange Vorlaufzeiten für ein PJ im Ausland in Kauf genommen werden. Im Falle von Südafrika etwa seien dies bis zu zwei Jahre. Hier sei es dringend empfohlen, sich bereits direkt nach dem Physikum mit den Formalitäten vertraut zu machen.

Quelle: Operation Karriere Kongress 2016 Hamburg, Fernweh – Was bringt die Famulatur im Ausland?, Vortrag von Peter Karle, Chefredakteur, Medizinernachwuchs.de, Berlin.

Welche Möglichkeiten bietet das PJ? Wird ein Auslandsaufenthalt anerkannt? Wie ist die rechtliche Situation, welche Tätigkeiten dürfen ausgeübt werden, welche nicht? Gibt es einen Anspruch auf Vergütung und Urlaub? Erfahren Sie es hier.

Fachlichkeit, Social Skills, Belastbarkeit: Das wollen Chefärzte

Was wollen Chefärzte? Antworten auf diese Frage lieferten PD Dr. med. Marko Fiege und Dr. med. Georg Hillebrand, beide Chefärzte am Klinikum Itzehoe, in ihrem interaktiven Impulsvortrag auf dem Operation Karriere Kongress 2016 in Hamburg.

 

Dr. Georg Hillebrand

Dr. Georg Hillebrand, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum Itzehoe, während des Impulsvortrags. | dd

Gemeinsam mit den Kongressteilnehmern erarbeiteten die beiden Referenten zentrale Merkmale, auf die Chefärzte bei der Einstellung künftiger Assistenzärzte besonders achten. 

Dabei lassen sich vier Merkmale im Besonderen festhalten, die bei der Vorauswahl von Bewerbern eine Rolle spielen:

1. Fachlichkeit

Diese lasse sich in einem knapp einstündigen Vorstellungsgespräch nur schwer überprüfen. Daher bestehen beide Chefärzte auf einer eintägigen Hospitation. „Diese gibt einem die Möglichkeit des gegenseitigen Abklopfens“, so Fiege. Dabei sei es Chefärzten durchaus bewusst, dass Assistenzärzte noch eine Menge zu lernen hätten, erklärte Hillebrand. Hier sei vor allem die Lernbereitschaft seitens der Bewerber gefragt und diese müsse auch bei der Bewerbung signalisiert werden. Auch Auslandsaufenthalte stellten unter Beweis, dass man bereit sei, sich neuen Herausforderungen zu stellen. 

2. Social Skills

Ebenfalls ein wichtiges Kriterium bei der Einstellung von Assistenzärzten: die sogenannten Social Skills. Was macht der Bewerber außerhalb des Uni-Betriebs? Vereinstätigkeit, Ehrenamt und Co. zeugen von Teamfähigkeit und Einsatzbereitschaft. Diese Punkte seien in einem Bewerbungsgespräch schwer abzufragen, da waren sich beide Chefärzte einig. Daher gelte es, diese als Bewerber proaktiv hervorzuheben. Auch Empathiefähigkeit und grundlegende kommunikative Fähigkeiten seien in den meisten Facharztgebieten Grundvoraussetzung, um dort erfolgreich eine Weiterbildung durchlaufen zu können.

3. Belastbarkeit

Die Besetzung einer neuen Assistenzarztstelle sei gleichzeitig auch ein Investment seitens eines Hauses über Jahre, machte Hillebrand deutlich. Daher sei es wichtig, darzulegen, dass man den Belastungen, die die ersten Jahre in der Facharztausbildung mit sich bringen, gewachsen sei. So müsse man sich bewusst machen, dass man während der Weiterbildungszeit in einer Klinik im Schichtbetrieb arbeiten werde. 

Dr. Marko Fiege

Dr. Marko Fiege währen des Impulsvortrags.

4. Selbstorganisation

Diese könne man, laut Hillebrand, etwa durch eine bereits abgeschlossene oder weit vorangeschrittene Dissertation nachweisen. Es sei ebenso wichtig, so Fiege, darstellen zu können, wie man sich die Jahre der Weiterbildung vorstelle, wie man seinen Alltag plane. Dies sei ein weiterer Bereich, der in einem Vorstellungsgespräch nicht direkt vonseiten der Chefärzte erfragt werden dürfe, jedoch könne man auch hier aus eigenem Antrieb heraus seinen Alltagsplan und seine Zukunftspläne erläutern. 

Leidenschaft für den Beruf

So wichtig wie jeder andere der oben genannten Kriterien sei die Begeisterung für das gewählte Fach und die ärztliche Arbeit, so Hillebrand und Fiege. Er achte darauf, ob er "das Glänzen in den Augen" der Bewerber sehe, wenn sie während des Vorstellungsgesprächs über ihr Studium und ihre weiteren Pläne referierten, so Fiege.

Quelle: Operation Karriere Kongress 2016 Hamburg, Impulsvortrag: Der Start als Arzt – Was Assistenzärzte in der Klinik erwartet, Referenten: PD Dr. med. Marko Fiege, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Dr. med. Georg Hillebrand, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum Itzehoe.

Montgomery: Grußwort zu Operation Karriere 2016 in Hamburg

Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages und Präsident der Ärztekammer Hamburg sendete Grußworte an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unseres Operation Karriere Kongresses 2016 in Hamburg.

Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomer

Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages und Präsident der Ärztekammer Hamburg. | Ulrike Schacht/Ärztekammer Hamburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

zunächst einmal möchte ich Sie sehr herzlich in Hamburg willkommen heißen – schon seit acht Jahren findet die „Operation Karriere“ hier statt – sehr viel häufiger übrigens als der Deutsche Ärztetag, für den wir vor kurzem nach 25 Jahren mal wieder Gastgeber sein durften.

Für junge Kolleginnen und Kollegen gibt es eine Reihe guter Nachrichten: Sie haben sich für einen Beruf entschieden, in dem Sie gebraucht werden – von jedem Einzelnen Ihrer Patienten, aber auch von der Gesellschaft als Ganzes. Denn in den nächsten Jahrzehnten wird der Bedarf an Ärztinnen und Ärzten noch steigen, und es wird einen Generationenwechsel geben. Viele Praxen warten auf die Übernahme durch junge Mediziner, in Krankenhäusern werden viele Stellen frei.

Sie haben deshalb immens viele Möglichkeiten: Sie können in Deutschland bleiben – was ich hoffe ¬ aber Sie können auch zeitweise oder dauerhaft im Ausland arbeiten. Und auch bei der Art der Tätigkeit ist die Zahl der Möglichkeiten groß: Teamarbeit wird in der Medizin immer wichtiger. Wo es früher mehr oder weniger um die einfache Frage ging: Klinik oder niederlassen? haben Sie heute sehr viel mehr Optionen – übrigens auch immer mehr zwischen Voll- und Teilzeit. Und Sie haben die Wahl zwischen diversen Facharztdisziplinen. Dabei können Sie sich zwischen eher breit angelegten Universaldisziplinen und absoluten Spezialfächern entscheiden.

Vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden – in einigen Regionen allerdings auch schon sehr realen – Ärztemangels und der sich ständig weiter diversifizierenden Möglichkeiten des Arztberufes, können Sie Ihre persönlichen Neigungen deshalb an vielen Stellen einbringen. Umso wichtiger ist es, sich zu orientieren und zu informieren. Dazu dient auch der heutige Tag. Sie können dabei ganz handfeste Tipps zu Steuern, Recht und zu Ihrer Rolle als Arzt bekommen, sich aber auch über unterschiedliche Fachgebiete informieren – ich empfehle Ihnen dabei natürlich besonders den Vortrag über die Koordinierungsstelle zur Förderung der Allgemeinmedizin, die wir als Ärztekammer Hamburg gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg und der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft anbieten. 

Ich wünsche Ihnen für den heutigen Tag Information, Inspiration, aber auch Kontakte und Antworten auf Fragen, die Sie vielleicht mitgebracht haben. Ich hoffe, dass Sie heute Abend voller Vorfreude auf Ihren künftigen Berufs nach Hause gehen oder aber mit neuen Impulsen für Ihre Berufstätigkeit.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen und viel Erfolg auf Ihrem weiteren Weg durch das Studium und durch das Leben als Arzt oder Ärztin.

Ihr

Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery

Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages

Präsident der Ärztekammer Hamburg