Das war Operation Karriere 2017 in Bochum

Für Medizinstudierende ist es wichtig, sich frühzeitig über Karriereoptionen zu informieren und mit potenziellen Arbeitgebern in Kontakt zu treten. Eine Möglichkeit dafür bietet der Deutsche Ärzteverlag mit seinem Kongress „Operation Karriere“. Etwa 300 Studierende haben nach Veranstaltungen in München und Hamburg auch auf dem dritten Kongress des Sommersemesters 2017 in Bochum Vorträge besucht, an Workshops teilgenommen und sich mit Fachkräften ausgetauscht.

Viele Medizinstudierende ließen sich nach ihrer Ausbildung im Umkreis ihres Studienortes nieder, sagte Dr. med. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, am 8. Juli auf dem Kongress. „Die Entscheidung für eine medizinische Fakultät in Bielefeld ist deshalb ein Schritt in die richtige Richtung, um die medizinische Versorgung in Ostwestfalen-Lippe zu sichern.“ Windhorst rief die Studierenden gleichzeitig auf, sich auch in ärztlichen Gremien zu engagieren, beispielsweise in der Lan­des­ärz­te­kam­mer. „Wunderbar an unserem Beruf ist, dass wir ihn noch selbst gestalten können“, betonte der Präsident. „Gestalten Sie mit!“

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann (Redakteurin Deutsches Ärzteblatt)

Sie finden an dieser Stelle die Nachberichterstattung in Wort und Bild rund um den Operation Karriere Kongress in Bochum, der am 08. Juli 2017 im Veranstaltungszentrum der Ruhr-Universität Bochum stattfand. 


Eindrücke vom Operation Karriere Kongress Bochum

Vorträge, Workshops und die Karrieremesse mit vielen Ausstellern besuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Operation Karriere-Kongresses in Bochum am 8. Juli. An nur einem Tag konnten sie so viele hilfreiche Tipps zur eigenen Karriereplanung sammeln.

Teilnehmer

Eventfotograf.in

In Bochum fand der Operation Karriere-Kongress im Veranstaltungszentrum der Ruhr-Universität statt. Unter den ersten 50 Teilnehmern wurde ein iPad mini verlost. 

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Die Kammer hilft beim Start in die Weiterbildung

Der Start als Arzt ist mitunter ein Sprung ins kalte Wasser. Damit der Einstieg ins Berufsleben an der Klinik so einfach wie möglich wird, kann auch die Kammer weiterhelfen. Wie, das erklärte Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, beim Operation Karriere-Kongress in Bochum.

Dr. Windhorst

Dr. Theodor Windhorst, Ärztekammer-Präsident in Westfalen-Lippe | Eventfotograf.in

Windhorst war bereits zum zweiten Mal in Bochum dabei und ermutigte die jungen Mediziner zu Beginn seines einführenden Vortrags. "Sie haben alles, was Sie brauchen, um den schönsten Beruf der Welt zu ergreifen", sagte der Kammerpräsident. Dank einer guten Ausbildung müsse es nicht zu Angstsituationen oder Schwierigkeiten kommen. Beim Rest könne die Kammer helfen: "Die Weiterbildung läuft nach klaren Spielregeln ab." Die Kammer berät die jungen Ärzte in allen berufsbezogenen, vertragsrechtlichen und Weiterbildungsfragen. (Tipp: Die Koordinierungsstelle Aus- und Weiterbildung [KoStA])

Eine gute Planung sei der wichtigste Punkt, den die Absolventen in der Medizin selbst leisten müssten, um die passende Stelle zu finden. Die Kammer überprüft die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern, z.B. die Weiterbildungsbefugnis (Zeit und Inhalte), das Vorhandensein von Modellen zur Vereinbarung von Beruf und Familie etc. "Ansonsten haben Sie perfekte Startbedingungen: vor Ihnen liegt ein aufnahmefähiger Arbeitsmarkt, Ärzte werden umworben", sagte Windhorst - "die Kliniken kümmern sich um Ihre Weiterbildung."

"Volle Weiterbildungsermächtigung" wichtig

Bei Stellenbeschreibung sollte man darauf achten, den Zusatz "volle Weiterbildungsermächtigung" wiederzufinden. Dann müsse man nicht mehr wechseln (Orts- bzw. Krankenhauswechsel). Zeit und Inhalte können alle an einem Standort absolviert werden.

Ist man an der Klinik angekommen, ist die nötige Eigeninitiative der entscheidende Unterschied zum universitären Umfeld. "Die Weiterbildung ist kein Selbstläufer, man muss sich kümmern. Das Personal in den Krankenhäusern kann Sie bei der heutigen Arbeitsverdichtung nicht an die Hand nehmen", erklärte Windhorst. Deshalb müsse man sich die Weiterbildungsordnung unbedingt besorgen, dort steht drin was einem zusteht, wie zum Beispiel ein jährliches Gespräch mit dem Chef, das Eintragen von Leistungen und Zeiten (ins Logbuch der Weiterbildung). "Erinnern Sie Ihren Chef immer daran, dass alles gewissenhaft festgehalten wird. Nach sechs Jahren Weiterbildung wissen Sie definitiv nicht mehr, was Sie zu Beginn gemacht haben", betonte Windhorst.

Evaluation der Kliniken in NRW

In einigen Bundesländern, jedoch längst nicht bundesweit, wird ein offizielles Feedback zu den Kliniken von Assistenzärzten eingeholt. In den Evaluationsberichten in NRW geben Assistenzärzte in Weiterbildung ihre Erfahrungen mit den jeweiligen Kliniken an (die Rücklaufquote beträgt gute 56 Prozent). Falls es zu Beschwerden kommt, wird eine schriftliche Stellungnahme des betroffenen Klinikums durch die Kammer angefordert, zum kollegialen Gespräch mit konstruktiven Dialog gebeten oder eine vor-Ort-Besichtigung der Weiterbildungsstätte durchgeführt. "Meistens lässt sich alles gut regeln. In schlimmen Fällen wird die Weiterbildungsermächtigung entzogen", erklärte Windhorst. Gefälligkeitszeugnisse solle man nicht annehmen, sich nur die Untersuchungen bescheinigen lassen, die man tatsächlich gemacht hat. 

Bei der Unterzeichnung des Arbeitsvertrages solle man sich den curriculären Ablauf der Weiterbildung an der Klinik aushändigen lassen und ggf. auch auf eine Weiterbildungsvereinbarung achten (z.B. keine Kündigung innerhalb der Weiterbildungsphase, wenn die Weiterbildung aus bestimmten Gründen länger dauern sollte als die vorgesehenen sechs Jahre).

Ausblick

Nach Windhorsts Eindruck wird die ambulante Weiterbildung an Bedeutung gewinnen, auch die berufsbegleitende Weiterbildung soll einen höheren Stellenwert erhalten. Die künftige Weiterbildungsordnung wird stärker kompetenzbasiert angelegt sein (Inhalte wichtiger als Zeiten). Sie dürfe nicht nur reine Bildungsordnung, sondern müsse Berufsausübungsordnung sein. "Das medizinische Wissen verdoppelt sich alle fünf Jahre, das Lernen hört nie auf. Bleiben sie auf Ballhöhe", legte Windhorst den Teilnehmern zum Abschluss nahe.

Quelle: "Der Start als Arzt – Was Ärzte in der Weiterbildung erwartet". Dr. med. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Münster/Westfalen, Operation Karriere-Kongress Bochum, 8. Juli 2017.

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten finden Sie hier.

Die Neurologie: Ein Fach mit viel Dynamik

Das "junge Fach" Neurologie stellte Dr. med. Frédéric Zuhorn, Assistenzarzt und angehender Facharzt für Neurologie, beim Operation Karriere-Kongress in Bochum vor.

Frederic Zuhorn

Assistenzarzt Frédéric Zuhorn weckte das Interesse für die Neurologie. | mr

Zuhorn, der am Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld tätig ist, bezeichnete die Neurologie als junges, aufstrebendes Fach, zum einen, weil auch in den vergangenen Jahren bezüglich der Erforschung der Erkrankungen bzw. der Wirkweisen der betroffenen Organe viel dazugelernt wurde, zum anderen, weil diese Erkrankungen nicht nur alte Patienten betreffen: "Der Schlaganfall ist keine Krankheit des 80-jährigen, er kommt auch bei jungen Menschen vor."

Die Neurologie ist entsprungen aus der Inneren Medizin; bis ungefähr zum Jahr 2000 wurden neurologische Phänomene vielfach noch internistisch therapiert, was sich in den vergangenen Jahren – einhergehend mit einer besseren Kenntnis der Erkrankungen – verändert habe.

Die Bettenzahlen in der Neurologie steige im Gegensatz zum generell rückläufigen Trend. Es gebe immer mehr neurologische Erkrankungen bzw. würden immer mehr als solche erkannt. "Neurodegenerative Erkrankungen werden früher erkannt, außerdem werden die Menschen älter als in vergangenen Zeiten. Auch dadurch steigt die Anzahl unserer Patienten", sagte Zuhorn. Die Dynamik in der Neurologie zeige sich unter anderem auch beim Schlaganfall. Früher konnte man bei der korrekten Diagnose Schlaganfall nicht viel machen. Das habe sich mittlerweile unter anderem durch die systemische Lyse geändert. Auch bei der Multiplen Sklerose habe sich das Angebot der medikamentösen Therapie und Prävention sehr positiv entwickelt (Beispiel Enzymersatztherapie bei Morbus Fabry (2001) oder Morbus Pompe (2006).

Professor Dr. Lars Timmermann ist Oberarzt am Zentrum für Neurologie und Psychiatrie der Uniklinik Köln. Im Interview verrät er, warum ihn die Parkinson-Erkrankung fasziniert und welchen Trick er in seiner Anfangszeit als Assistenzarzt bei älteren Patienten anwendete.

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Der Facharzt für Neurologie dauert fünf Jahre, ein Jahr davon absolviert man in der Psychiatrie. "Da habe ich mich eigentlich nicht drauf gefreut", sagte Zuhorn. "Im Nachhinein war es aber sowohl für das weitere Berufsleben als auch für das Privatleben eine sehr gute Erfahrung."

Die Neurologie habe immer noch viel Entwicklungspotenzial. Viel Forschung, neue Medikamente, interdisziplinäres Teamwork mit Internisten, Chirurgen etc. Auch die Niederlassung sei sehr gut möglich. Bei den niedergelassenen Kollegen gebe es sehr lange Wartezeiten. Das zeigt: Der Bedarf ist da.

Quelle: "Mit Hirn und Herz – Facharzt für Neurologie", Dr. med. Frederic Zuhorn, Assistenzarzt und angehender Facharzt für Neurologie, Evangelisches Klinikum Bethel, Bielefeld, Operation Karriere-Kongress Bochum, 8. Juli 2017.

Orthopädie und Unfallchirurgie: Ein Knochenjob?

Was man mitbringen muss, um Spaß an der Orthopädie und Unfallchirurgie zu haben, erklärte Dr. Frank Bischof, Chefarzt Orthopädie und Unfallchirurgie am Malteser Klinikum Rhein-Ruhr in Krefeld, beim Operation Karriere-Kongress in Bochum.

Dr. Frank Bischof

Dr. Frank Bischof versuchte, für die "O und U" zu begeistern. | Eventfotograf.in

Den neuen Facharzt Orthopädie und Unfallchirurgie gibt es seit 2005, in diesem Jahr wurden beide Fächer zusammengelegt. Insgesamt müssen angehende Orthopäden und Unfallchirurgen eine sechsjährige Facharztausbildung absolvieren, die sich aus 24 Monaten Common Trunk in der Allgemein-, Unfall- oder Gefäßchirurgie und 48 Monaten in der Orthopädie und Unfallchirurgie zusamensetzt. Danach folgt die Spezialisierung. "Der neue Facharzt ist 'nur' ein Basisfacharzt", sagte Bischof. Es kommen jeweils 3 Jahre dazu. Die Spezialisierung erfolgt in der speziellen orthopädischen Chirurgie oder speziellen Unfallchirurgie, der Handchirurgie, der Kinderorthopädie, der orthopädischen Rheumatologie, der Notfallmedizin oder der Sportmedizin.

Die Tätigkeitsfelder sind sehr vielfältig. Man kann in die Niederlassung gehen, in eine Reha-Klinik, ins Akutkrankenhaus oder auch Begutachtungen anfertigen. Die Orthopädie beschäftigt sich hauptsächlich mit der Endoprothetik, der Wirbelsäulenchirurgie, der arthroskopischen Chirurgie und der Fußchirurgie. In der Unfallchirurgie befasst sich der Facharzt zumeist mit der Traumatologie.

"Was brauchen Sie nun, um daran Spaß haben zu können?", fragte Bischof. Spaß am eigenständigen Operieren sei wichtig, das Zusammenarbeiten mit Patienten aller Altersklassen, die Fähigkeit, unter Zeitdruck arbeiten zu können und belastbar zu sein. "Sie müssen viele adhoc-Entscheidungen treffen, Versorgungen auch abends und in der Nacht vornehmen, ein ausgeprägtes manuelles Geschick haben sowie ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen", erklärte Bischof.

Bischof riet den jungen Medizinern für ihre Ausbildung hinter die Kulissen ihres Traumfachs zu schauen, dort zu famulieren und die Facharzt-Ausbildung nicht ausschließlich in einer Klinik zu absolvieren. "Ihre Facharztexpertise erhalten Sie nicht während der Regelarbeitszeit", sagte Bischof. Ein guter Diagnostiker mit operativem Geschick müsse auch außerhalb der Regelarbeitszeit im OP stehen, Dienste anbieten, einfach mitmachen. Und weiter: "Gehen Sie ins Ausland, lernen Sie die Medizinsprache Englisch". Eine abgebrochene Facharzt-Ausbildung sei kein Beinbruch, ein Berufsleben lang einen ungeliebten Job zu machen hingegen schon – denn Arzt sein ist eine Berufung!

Quelle: Orthopädie und Unfallchirurgie – ein Knochenjob? Facharztweiterbildung für Orthopädie und Unfallchirurgie, Dr. Frank Bischof, Chefarzt Orthopädie und Unfallchirurgie, Ärztlicher Leiter St. Josefshospital, Malteser Kliniken Rhein-Ruhr; Krefeld, Operation Karriere-Kongress Bochum, 8. Juli 2017.

Urologie: Alles in einem Fachgebiet

Kurz und prägnant stellte Sven Hielscher, Assistenzarzt an der Klinik für Urologie des Knappschaftskrankenhauses Bottrop, beim Operation Karriere-Kongress in Bochum sein Fachgebiet, die Urologie, vor.

Assistenzarzt Sven Hielscher

Sven Hielscher stellte die Urologie vor. | Reinhart

Warum die Urologie? "In diesem Fachgebiet macht man alles", sagte Hielscher. Es gibt ein eindeutig festgelegtes anatomisches Gebiet, (invasive) Diagnostik und Therapie, multimodale konservative sowie operative/interventionelle Behandlungsoptionen.

Die Urologie sei auch ein sehr modernes Fachgebiet, in dem neben der Endoskopie und der Laparoskopie Operationsroboter zum Einsatz kommen. Man behandelt Patienten aller Altersklassen und Geschlechter, die Arbeit sei an der Klinik aber auch in der Niederlassung sehr gut möglich. Die Weiterbildung ist für fünf Jahre ausgelegt, in denen bereits sehr viel sebstständig operiert wird. Es werden auch normale Schnittoperationen und laparoskopische OPs durchgeführt.

Zum Arbeitsgebiet des Urologen gehören ebenfalls die Regionalanästhesie und die eigenständige Untersuchung von Keimzellen, Blut, Urin etc. im Labor. Neben der Andrologie (Männergesundheit) beschäftige sich der Urologe auch mit  der medikamentösen Tumortherapie. Für weitere Informationen empfahl Hielscher ein Blick auf die Homepages www.urologenportal.de, www.nrwgu.de und www.gesru.de.

Quelle: "Urologie – Auf Steinsuche zwischen Praxis und Klinik", Sven Hielscher, Assistenzarzt Klinik für Urologie Knappschaftskrankenhaus Bottrop. Operation Karriere-Kongress Bochum, 8. Juli 2017.

Frauen in der Medizin: Karriere ohne Probleme?

Überall hört man es: Die Medizin wird weiblicher. Muss sich das Fach dann nicht auch auf Frauen einstellen? Beim Operation Karriere-Kongress in Bochum beschrieb Dr. Sylvia Putzke, Katharinen-Hospital Unna, ihre eigenen Erfahrungen mit der Karriereplanung.

Dr. Sylvia Putzke

Dr. Sylvia Putzke wies auf mögliche Karriere-Stolpersteine für Frauen hin. | Eventfotograf.in

Putzke stellte exemplarisch ihren eigenen Werdegang vor. Nach dem Studium arbeitete die Dermatologin zunächst in Mainz und dann in Heidelberg, erwarb die Zusatzbezeichnung Phlebologie und bekam einen Sohn. Danach trat Putzke eine 50 bis 60-Prozent-Stelle in einer Praxis in Koblenz an und schloss kurz darauf die Weiterbildung zur Allergologin ab. Danach wurde ihre Tochter geboren, mittlerweile ist sie Oberärztin mit einer 50 Prozent-Stelle.

Putzkes eigene Erfahrungen besagen, dass Frauen um die 30 Jahre regelmäßig übergangen werden, und teilweise Männer befördert werden, die entweder jünger oder weniger qualifiziert sind. Warum ist das so? Der Arbeitgeber kalkuliert mit höheren Ausgaben, wenn eine Ärztin schwanger wird, in Elternzeit geht, und dann ggf. öfter zu Hause bleiben muss, wenn das Kind krank ist. "Die Aussagen, die man zu hören bekommt, sind immer die gleichen: 'die wird eh bald schwanger', 'die zieht bald zu ihrem Mann, dann ist sie sowieso nicht mehr da', 'wenn das erste Kind da ist, kommt bestimmt auch bald das zweite', 'eine Vertragsverlängerung gibt es nur für 100 Prozent-Stellen, Verträge von Frauen mit Teilzeitwunsch laufen dann eben aus'", zitierte Putzke.

Natalja Ostankov

Natalja Ostankov ist 27, zweifache Mutter und studiert Medizin in München. Kann man das alles unter einen Hut bringen? Sie sagt ja und schildert in diesem Blog, wie der Alltag zwischen Kindern und Klinik aussieht. Teil 2: Theoretisch Medizinerin, praktisch Mama.

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Worauf muss man achten, wenn man als Frau eine Familie gründen, aber trotzdem Karriere machen möchte? Wenn man habilitieren möchte, wissenschaftlich arbeiten und ggf. Oberärztin werden will, kann man nicht alles aufschieben. Putzke: "Wer weiß, ob man mit 37 noch Kinder bekommen kann?" Man müsse darauf achten, ob der Arbeitgeber Teilzeitmodelle anbietet, sich um eine Kinderfrau in Anstellung kümmern, und sich auf ein gutes Teamwork mit dem Partner verlassen können.

Welche aktuellen Stolperstein gibt es noch? Der mangelnde Ausbau der Kindergartenplätze ist ein Problem sowie viele Schließtage im Kindergarten (Schulferien, Brückentage). "Manche Arbeitgeber bieten zum Glück während der Sommerferien eine kostenlose Kinderbetreuung an", sagte Putzke. Ihr Tipp für das Karriere-Timing: Als Frau zügig den Facharzt beenden und die Familienplanung gegen Ende der Facharztzeit starten. "Werden Sie sich rasch bewusst, was Sie machen möchten, planen Sie entsprechend", riet Putzke. Als gesamtgesellschaftliche Aufgaben forderte sie die Anerkennung der Familienarbeit, auch für Väter, familienfreundlichere Arbeitgeber mit variablen Arbeitszeitmodellen und den Ausbau der Kinderbetreuung.

Quelle: Frauen in der Medizin – Herausforderungen auf dem Karriereweg als Ärztin, Dr. Sylvia Putzke, Oberärztin Dermatologie des Katharinen-Hospitals Unna. Operation Karriere-Kongress Bochum, 8. Juli 2017.