Das war Operation Karriere 2015 in Köln

Der Informationsbedarf von angehenden Ärztinnen und Ärzten zu Weiterbildung und Karriereplanung ist offensichtlich ungebrochen groß: Den zum sechsten Mal in Köln stattfindenden Regionalkongress „Operation Karriere“ des Deutschen Ärzte-Verlages besuchten am 5. Dezember etwa 450 Medizinstudierende sowie Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung.

Im Kölner Mediapark informierten sie sich über Berufsaussichten, Trends und Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und ließen sich von Experten zur Berufs- und Karriereplanung sowie zu Einsätzen bei medizinischen Hilfsorganisationen, wie Ärzte ohne Grenzen, beraten. Dabei wurden berufsspezifische Tätigkeitsfelder und Weiterbildungsmöglichkeiten aufgezeigt. Workshops zum Einstieg in das Berufsleben und zu unterschiedlichen Karriereoptionen rundeten das Kongressangebot ab. Weitere Kongresse „Operation Karriere“ finden 2016 in Frankfurt/Main, Hamburg, München, Berlin, Bochum und Köln statt.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann (Redakteurin Deutsches Ärzteblatt)


Sie finden hier die Nachberichterstattung in Form von Artikeln, Videos und Bildergalerien rund um den Operation Karriere Kongress in Köln, der am 5. Dezember 2015 im KOMED im Mediapark stattfand.


Operation Karriere in Köln: Impressionen vom Domstadt-Kongress

Volles Haus beim Operation Karriere-Kongress in Köln. Rund 330 Teilnehmer, 200 Fachbesucher und 30 Aussteller auf der Karrieremesse zählte die Veranstaltung im Kölner Mediapark. Hier einige Impression:

Britta Krämer

Bereits am frühen Morgen war der Andrang am Counter groß.

1 von 23

Arbeitsmedizin: Präventionsarbeit im Betrieb

Trotz eventueller gesundheitlicher Einschränkungen soll die Leistung der Mitarbeiter eines Betriebes immer 100 Prozent betragen. Arbeitsmediziner versuchen, die Leistungsfähigkeit positiv zu beeinflussen.

Dr. Claus Groth

Arbeitsmediziner Dr. Claus Groth stellte das Spektrum seiner Arbeit vor. | Martin Reinhart

Ein Betriebsarzt arbeitet präventiv in einem Unternehmen. Die Gefährdungsbeurteilung, arbeitsmedizinische Vorsorge, das Initiieren und Prüfen arbeitsmedizinischer Präventionsprogramme und die Beratung aller im Arbeitsschutz Beteiligten zählten zu seinen Aufgaben, so Dr. Claus Groth, Facharzt für Arbeitsmedizin und Leiter der B.A.D-Zentren Bonn und Köln, B.A.D Gesundheitsvorsorgen und Sicherheitstechnik GmbH, Bonn, beim Operation Karriere-Kongress in Köln am 5. Dezember 2015.

Auch das Impfen der Mitarbeiter fiele beispielsweise in den Aufgabenbereich des Arbeitsmediziners. "Gerade im Gesundheitswesen ist die Impfungsrate der Mitarbeiter sehr schlecht", sagte Groth. Als großen Vorteil des Arbeitsmediziners im Vergleich zu einem niedergelassenen Arzt in der Praxis oder einem Krankenhausarzt sieht Groth die Beurteilung des Betroffenen am Arbeitsplatz, in seinem alltäglichen Umfeld.

Die individuelle Prävention

Arbeitsmediziner sorgen vor bei bzw. führen durch:

  • Hautbelastung, Lärmbelästigung
  • Kontakt mit Gefahrstoffen, krebserzeugenden Stoffen
  • Eignungsuntersuchungen wie Fahrerlaubnisverordnung (FeV) oder Flugtauglichkeit
  • Impfungen z.B. bei Kliniktätigkeit, Wald- und Forstarbeiten, internationalen Geschäftsreisen
  • Beratung und Begleitung bei Wiedereingliederung nach Krankheiten und Unfällen (positives/negatives Leistungsbild)

Die systemische Prävention

Zu den individuellen Leistungen kommen betriebsübergreifende Überlegungen zu den Themen Arbeitsschutz und Unfallverhütung. Hierzu zählt die Gestaltung und Prüfung von Betriebsanlagen, Arbeitsmitteln, Arbeitsverfahren und der persönlichen Schutzausrüstung.

"Ein Arbeitsmediziner ist ständig im Austausch mit allen Akteuren im Betrieb – dem Arbeitnehmer, dem Arbeitgeber, dem Betriebsrat und so weiter – es ist ein sehr kommunikativer Job", sagte Groth. "Wir bewegen uns in diesem Spannungsfeld zwischen verschiedenen Interessen und müssen eine klare Linie einhalten."

Quelle: Arbeitsmedizin – Eckpfeiler der Prävention, Dr. Claus Groth, Facharzt für Arbeitsmedizin, Leiter B.A.D-Zentren Bonn und Köln, B.A.D Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH, Bonn; Operation Karriere-Kongress Köln, 5. Dezember 2015.

Die Doktorarbeit planen und meistern

Der "Doktor" ist kein Muss, um Patienten behandeln zu dürfen. Vielen Ärzten ist die Anerkennung, die der Titel mit sich bringt, jedoch sehr wichtig. Dr. Ursula Kessen erklärte auf dem Operation Karriere-Kongress in Köln, welche Fallstricke man auf dem Weg zum Dr. med. umgehen muss.

Dr. Ursula Kessen

Dr. Ursula Kessen gab Tipps zum korrekten Herangehen und Timing bei der Doktorarbeit. | Britta Krämer

Die Doktorarbeit wird früher oder später für jeden Medizinstudierenden ein Thema. Es empfiehlt sich daher, die ersten Überlegungen zur Promotion frühzeitig anzustellen, riet Dr. Ursula Kessen, Leitung Akademische Verfahren, Dekanat der medizinischen Universität Düsseldorf, beim Operation Karriere-Kongress am 5. Dezember 2015 in Köln.

Als Beweggründe zu dem Entschluss der meisten angehenden Ärzte, die Doktorarbeit in Angriff zu nehmen, nannte sie ein leidenschaftliches Interesse für die Wissenschaft oder die persönliche Ansicht, man brauche den Titel, um von den Patienten Anerkennung zu erfahren. Egal, was die Motivation sei, der Zeitpunkt spiele eine wichtige Rolle: Angehende Dr. med. müssten sich die Frage stellen, was sie mitbrächten. "Viele Kandidaten wollen mit der Doktorarbeit sehr früh beginnen, verfügen aber noch nicht über das nötige Wissen", erklärte Kessen. Problematisch sei in diesem Zusammenhang unter anderem auch die Tatsache, dass Medizinstudierende im Vergleich zu Akademikern anderer Disziplinen keine Ausbildung im wissenschaftlichen Arbeiten bzw. Schreiben erfahren.

Wie finde ich das passende Thema?

Bei der Themensuche sei die eigene Motivation und das Interesse an der Sache das Wichtigste. "Fragen Sie als potenzieller Doktorand nicht nach, ob der Prüfer/ Betreuer ein Thema für Sie hat – suchen Sie sich geleitet von dem, was Sie interessiert, ihr eigenes Thema aus", sagte Kessen.

Eine der wichtigsten Aktivitäten in dieser Phase sei das Knüpfen von Kontakten. Prüfer wählen laut Kessen ihre Doktoranden meist selbst aus. Der Pool der Doktoranden bestehe dabei aus Studierenden, die in den Vorlesungen auffallen, sehr interessiert sind oder an der Klinik bereits an Projekten mitgearbeitet haben.

Gut vorbereitet in das Projekt

"Nehmen Sie die Doktorarbeit ernst!", mahnte Kessen. Die Literaturrecherche sei die Grundlage einer guten und umfassenden Arbeit, das Einlesen in die Thematik müsse sehr tief gehen. "Lesen, lesen, lesen – werden Sie zum Experten auf dem Gebiet", riet Kessen. Auch das Studieren der Veröffentlichungen des Prüfers zum Wunschthema sei notwendig.

Eine gute Betreuung zeichne sich durch ständige Kommunikation zwischen Doktorand und Mentor aus. Eine Statusabfrage von Zeit zu Zeit sei nötig, um eventuelle Abweichungen von der Strecke zu korrigieren. "Zwischen Doktorand und Mentor muss ein Vertrauensverhältnis entstehen – er muss sich die Zeit für Sie nehmen, es darf Ihnen nie unangenehm sein, den Prüfer mit Fragen zu 'löchern'", hielt Kessen fest. Diese Auswahl sei einer der wichtigsten Aspekte, der natürlich Einfluss auf das gesamte Projekt habe. Daher müssten die Doktoranden viel Energie in die Auswahl investieren.

Die Fragestellung der Arbeit müsse von Beginn an klar umrissen sein, sonst verschwende man Zeit, in der man Forschung in die falsche Richtung betreibt. Kessen: "Für 'Notfälle' einen Plan B bereit halten – was geschieht zum Beispiel, wenn der Betreuer die Uni verlässt?" Solche Eventualitäten müssen im Vorfeld abgeklärt werden.

"Im Endeffekt darf die Doktorarbeit nicht das Mittel zum Zweck sein, um den Titel zu erlangen. Die Arbeit muss dazu beitragen, dass Sie das wissenschaftliche Arbeiten erlernen – das muss nämlich ohnehin jeder Arzt können", resümierte Kessen.

Quelle: Dr. Ursula Kessen, Leitung Akademische Verfahren, Dekanat der medizinischen Fakultät der Universität Düsseldorf, Düsseldorf.

Was muss man bei dem Verfassen einer Doktorarbeit beachten? Welche Hilfsmittel gibt es? Wie haushaltet man am besten mit seiner Zeit und seiner Energie? Ist eine Promotion in Zeiten des Ärztemangels überhaupt noch notwendig? Hier gibt es alle Artikel zur Promotion.

Einer für alle Fälle – Facharzt für Allgemeinmedizin

Die Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner dauert fünf Jahre und führt durch zahlreiche Stationen. Für wen sich diese Ausbildung eignet und was man dafür mitbringen muss, erklärte Dr. Enver Atli auf dem Operation Karriere Kongress 2015 in Köln.

Dr. Enver Atli

Dr. Enver Atli während seines Vortrags beim Operation Karriere Kongress Köln 2015. | dd

„Der Allgemeinmediziner ist die eierlegende Wollmilchsau“, erklärte Dr. Enver Atli, leitender Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie vom Katholischen Hospitalverbund Hellweg gGmbH in Unna bei seinem Vortrag auf dem Operation Karriere Kongress in Köln. Als „Lotse im Gesundheitswesen“ stelle er das Bindeglied zwischen Patient und System dar. Wirtschaftliches Denken und Handeln seien ebenfalls Kerncharakteristika eines Allgemeinmediziners. 

Laut Weiterbildungsordnung (WBO) dauert die Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin 60 Monate und ist in mehrere Stationen unterteilt:

  • Zunächst erfolgt eine 36 Monate lange, stationäre Basisweiterbildung im Bereich der Inneren Medizin. Davon können bis zu 18 Monate in Bereichen der unmittelbaren Patientenversorgung oder auch im ambulanten Bereich angerechnet werden. Hierbei ist eine Stückelung in dreimonatige Abschnitte möglich.
  • Darauf folgen 24 Monate Weiterbildung in der ambulanten hausärztlichen Versorgung. Hier können bis zu 6 Monate in der Chirurgie angerechnet werden. Auch hier ist eine Stückelung in je drei Monate möglich.
  • Zum Abschluss der Ausbildung verlangt die WBO 80 Stunden Kurs-Weiterbildung in der psychosomatischen Grundversorgung.

Zu den Ausbildungsinhalten in der Klinik gehören auch die Stationsbetreuung, Sonographie, Diabetologie, Palliativmedizin und eine intensivmedizinische Basisausbildung, so Atli. 

Um eine gute Ausbildung zu erfahren, müssten Ärzte in der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner auf den Stellenschlüssel der Klinik achten, die ausbilde. „Achten Sie darauf, dass Sie von einem Oberarzt supervidiert werden – und zwar täglich.“, sagte Atli. Man solle auch darauf achten, dass es zum jeweiligen Ausbildungsabschnitt ein „verbrieftes Curriculum“ gebe. 

„Großes Maß an Empathiefähigkeit“

Zu den Anforderungen an einen Allgemeinmediziner gehöre vor allem ein großes Maß an Empathiefähigkeit, so Atli. Bevor man die Ausbildung in dieser Fachrichtung beginne, sollte man sich das Folgende fragen: „Verstehe ich die Leute, kann ich auf ihre Probleme eingehen? Kann ich verstehen, wie sie denken und handeln?“ Nur wenn man dies uneingeschränkt bejahen könne, sollte man sich für diese Facharztausbildung entscheiden. Auch müsse man sich im Klaren darüber sein, dass man sich als Allgemeinmediziner später „am unteren Ende der Einkommensskala“ befinde und dies bei einer gleichzeitigen hohen zeitlichen und räumlichen Flexibilität.

Fakten: Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin

Die Weiterbildungszeit in der Allgemeinmedizin beträgt 60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon

  • 36 Monate in der stationären Basisweiterbildung im Gebiet Innere Medizin (davon können bis zu 18 Monate in den Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung auch im ambulanten Bereich angerechnet werden)
  • 24 Monate Weiterbildung in der ambulanten hausärztlichen Versorgung (davon können bis zu 6 Monate in Chirurgie angerechnet werden)
  • 80 Stunden Kurs-Weiterbildung gemäß §4 Abs. 8 in Psychosomatische Grundversorgung

Die Weiterbildung Allgemeinmedizin sieht den Erwerb von folgenden Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in den Inhalten der Basisweiterbildung aus dem Gebiet Innere Medizin vor:

  • der Gesundheitsberatung, der Früherkennung von Gesundheitsstörungen einschließlich Gewalt- und Suchtprävention, der Prävention, der Einleitung und Durchführung rehabilitativer Maßnahmen sowie der Nachsorge
  • der Erkennung und Behandlung von nichtinfektiösen, infektiösen, toxischen und neoplastischen sowie von allergischen, immunologischen, metabolischen, ernährungsabhängigen und degenerativen Erkrankungen auch unter Berücksichtigung der Besonderheiten dieser Erkrankungen im höheren Lebensalter
  • den Grundlagen der Tumortherapie
  • der Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • der Indikationsstellung, sachgerechten Probengewinnung und -behandlung für Laboruntersuchungen und Einordnung der Ergebnisse in das jeweilige Krankheitsbild
  • geriatrischen Syndromen und Krankheitsfolgen im Alter einschließlich der Pharmakotherapie im Alter
  • psychogenen Symptomen, somatopsychischen Reaktionen und psychosozialen Zusammenhängen einschließlich der Krisenintervention sowie der Grundzüge der Beratung und Führung Suchtkranker
  • Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen
  • ernährungsbedingten Gesundheitsstörungen einschließlich diätetischer Behandlung sowie Beratung und Schulung
  • Durchführung und Dokumentation von Diabetikerbehandlungen
  • den Grundlagen hereditärer Krankheitsbilder einschließlich der Indikationsstellung für eine humangenetische Beratung
  • der Indikationsstellung und Überwachung physikalischer Therapiemaßnahmen
  • den Grundlagen der Arzneimitteltherapie
  • der Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen und Wiederbelebung
  • der Bewertung der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit, der Arbeitsfähigkeit, der Berufs- und Erwerbsfähigkeit sowie der Pflegebedürftigkeit
  • der intensivmedizinischen Basisvorsorgung

  • der primären Diagnostik, Beratung und Behandlung bei allen auftretenden Gesundheitsstörungen und Erkrankungen im unausgelesenen Patientengut
  • der Integration medizinischer, psychischer und sozialer Belange im Krankheitsfall
  • der Langzeit- und familienmedizinischen Betreuung
  • Erkennung und koordinierte Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter
  • interdisziplinärer Koordination einschließlich der Einbeziehung weiterer ärztlicher, pflegerischer und sozialer Hilfen in Behandlungs- und Betreuungskonzepte, insbesondere bei multimorbiden Patienten
  • der Behandlung von Patienten in ihrem familiären Umfeld und häuslichen Milieu, in Pflegeeinrichtungen sowie in ihrem weiteren sozialen Umfeld einschließlich der Hausbesuchstätigkeit
  • gesundheitsfördernden Maßnahmen, z. B. auch im Rahmen gemeindenaher Projekte
  • Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen
  • der Erkennung von Suchtkrankheiten und Einleitung von spezifischen Maßnahmen
  • der Erkennung, Beurteilung und Behandlung der Auswirkungen von Umwelt und Milieu bedingten Schäden einschließlich Arbeitsplatzeinflüssen
  • der Behandlung von Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates unter besonderer Berücksichtigung funktioneller Störungen
  • den für die hausärztliche Versorgung erforderlichen Techniken der Wundversorgung und der Wundbehandlung, der Inzision, Extraktion, Exstirpation und Probeexzision auch unter Anwendung der Lokal- und peripheren Leitungsanästhesie

  • Elektrokardiogramm
  • Ergometrie
  • Langzeit-EKG
  • Langzeitblutdruckmessung
  • spirometrische Untersuchungen der Lungenfunktion
  • Ultraschalluntersuchungen des Abdomens und Retroperitoneums einschließlich Urogenitalorgane
  • Ultraschalluntersuchungen der Schilddrüse
  • Doppler-Sonographien der Extremitäten versorgenden und der extrakraniellen Hirn versorgenden Gefäße
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken einschließlich der Gewinnung von Untersuchungsmaterial
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherpaie, enterale und parenterale Ernährung
  • Proktoskopie

Existenz- oder gar Zukunftsängste brauche man sich als angehender Allgemeinmediziner indes nicht zu machen, so Atli. „Sie brauchen keine Karriere-Planung. Als Allgemeinmediziner werden sie Karriere machen.“ Mit diesen Worten schloss Atli, an dessen Klinik auch Allgemeinmediziner ihre Ausbildung durchlaufen.

Quelle: Dr. Enver Atli, leitender Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie, Katholischer Hospitalverbund Hellweg gGmbH, Unna. Vortrag: "Einer für alle Fälle - Facharzt für Allgemeinmedizin", Operation Karriere Kongress, Köln, 2015.

Facharztausbildung Orthopädie und Unfallchirurgie – jung und vielseitig

Die Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist in ihrer inhaltlichen Ausrichtung noch relativ jung. Dabei wurden das Fachgebiet der Orthopädie und die Unfallchirurgie als Teilgebiet/Schwerpunkt der Chirurgie 2005 zu einem neuen Fachgebiet zusammengelegt.

Orthopädie

Niedergelassene Orthopäden bzw. Orthopädinnen erwirtschaften monatlich rund 15.000 Euro im Durchschnitt. | pixdeluxe/iStockphoto

In der Facharztausbildung Orthopädie und Unfallchirurgie startet man seine Weiterbildungszeit mit einer 24 Monate langen Basisweiterbildung bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte. Davon verbringt man 6 Monate in der Notfallaufnahme, 6 Monate in der Intensivmedizin in der Chirurgie oder in einem anderen Gebiet, die auch während der spezialisierten Facharztweiterbildung abgeleistet werden können. Danach folgen 12 Monate Chirurgie, wovon 6 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden können. 

An diesen zweijährigen „Common Trunk“ schließen sich 48 Monate Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie an. Davon können bis zu 12 Monate in einer der anderen Facharztweiterbildungen des Gebietes Chirurgie und/ oder in Neurochirurgie angerechnet werden, sowie 12 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet/ angerechnet werden. Werden im Gebiet Chirurgie zwei Facharztkompetenzen erworben, beträgt die gesamte Weiterbildungszeit mindestens 9 Jahre.

Wer sich für die Weiterbildung in der Orthopädie/Unfallchirurgie interessiert, sollte notfallkompetent sein. Das bedeutet in diesem Zusammenhang, dass man schnell eine erste Einschätzung des Zustandes einer schwerverletzten Person abgeben kann um dann zu entscheiden, welche anderen Spezialisten zur Behandlung notwendig sind. Prof. Dr. med. Gerhard Schmidmaier, Leiter der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Uniklinik Heidelberg, betont, dass man außerdem Freude daran haben sollte mit den Händen zu arbeiten. "Grobe Kraft ist aber nicht erforderlich, sondern manuelles Geschick", so Schmidmaier

Nach der Facharztausbildung kann man in verschiedensten Spezialgebieten arbeiten, etwa in der Handchirurgie oder Wirbelsäulenchirurgie, der Notfallchirurgie oder der Sportmedizin. Auch in Forschung und Lehre gibt es gute und spannende Möglichkeiten. Durch den demographischen Wandel und die damit verbundene wachsenden Zahl an degenerativen Erkrankungen, wird es auch in Zukunft einen großen Bedarf an Fachärzten und Fachärztinnen der Orthopädie und Unfallchirurgie geben.

Die Weiterbildung Orthopädie/Unfallchirurgie im Überblick

Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Unfallchirurgie/Orthopädie beträgt 72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon

  • 24 Monate Basisweiterbildung im Gebiet Chirurgie
  • 48 Monate Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie (davon sind bis zu 12 Monate in einer der anderen Facharztweiterbildungen des Gebietes Chirurgie und/oder in der Neurochirurgie möglich. Außerdem können bis zu 12 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden.)

Werden im Gebiet Chirurgie zwei Facharztkompetenzen erworben, so beträgt die gesamte Weiterbildungszeit mindestens neun Jahre.

Inhalte der Weiterbildung

Die Weiterbildung Unfallchirurgie/Orthopädie sieht den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in

  • der Vorbeugung, Erkennung, operativen und konservativen Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation von Verletzungen und deren Folgezuständen sowie von angeborenen und erworbenen Formveränderungen, Fehlbildungen, Funktionsstörungen und Erkrankungen der Stütz- und Bewegungsorgane unter Berücksichtigung der Unterschiede in den verschiedenen Altersstufen
  • der Behandlung von Schwer- und Mehrfachverletzten einschließlich des Traumamanagements
  • den zur Versorgung im Notfall erforderlichen neurotraumatologischen, gefäßchirurgischen, thoraxchirurgischen und visceralchirurgischen Maßnahmen in interdisziplinärer Zusammenarbeit
  • der Erhebung einer intraoperativen radiologischen Befundkontrolle unter Berücksichtigung des Strahlenschutzes
  • der konservativen und funktionellen Behandlung von angeborenen und erworbenen Deformitäten und Reifungsstörungen
  • den Grundlagen der konservativen und operativen Behandlung rheumatischer Gelenkerkrankungen
  • den Grundlagen der operativen Behandlung von Tumoren der Stütz- und Bewegungsorgane
  • der Erkennung und Behandlung von Weichteilverletzungen, Wunden und Verbrennungen einschließlich Mitwirkung bei rekonstruktiven Verfahren
  • der Erkennung und Behandlung von Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen der Hand
  • der Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Sportverletzungen und Sportschäden sowie deren Folgen
  • der Mitwirkung bei operativen Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade
  • der Prävention und Behandlung von Knochenerkrankungen und der Osteoporose
  • der Biomechanik
  • chirotherapeutischen und physikalischen Maßnahmen einschließlich funktioneller und entwicklungsphysiologischer Übungsbehandlungen sowie der medizinischen Aufbautrainings- und Gerätetherapie
  • der technischen Orthopädie und Schulung des Gebrauchs orthopädischer Hilfsmittel einschließlich ihrer Überprüfung bei Anproben und nach Fertigstellung
  • den Grundlagen der Durchgangsarzt- und Verletzungsartenverfahren der gewerblichen Berufsgenossenschaften

vor.

Definierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren 

  • sonographische Untersuchungen der Bewegungsorgane einschließlich Arthrosonographien, auch bei Säuglingen
  • operative Eingriffe einschließlich Notfalleingriffe an Körperhöhlen, Wirbelsäule, Schulter/Oberarm/Ellbogen, Unterarm/Hand, Becken, Hüftgelenk, Oberschenkel, Kniegelenk, Unterschenkel, Sprunggelenk, Fuß
  • Eingriffe an Nerven und Gefäßen
  • Eingriffe bei Infektionen an Weichteilen, Knochen und Gelenken
  • Implantatentfernungen
  • Behandlung von thermischen und chemischen Schädigungen
  • konservative Behandlungen von angeborenen und erworbenen Deformitäten, Luxationen, Frakturen und Distorsionen
  • Injektions- und Punktionstechniken an Wirbelsäule und Gelenken
  • Osteodensitometrie
  • Anordnung, Überwachung und Dokumentation von Verordnungen orthopädischer Hilfsmittel

Quellen: Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC), www.chirurg-werden.de und Musterweiterbildungsordnung 2013 der Bundesärztekammer.

Tipps zur Famulatur im Ausland

Viele Studierende zieht es mittlerweile zu Famulaturen ins Ausland. Zurecht, findet Peter Karle, der eine Famulatur im Ausland für ein Sprungbrett für den Karriereweg hält. Auf dem Operation Karriere-Kongress in Köln stellte Karle verschiedene Ziele auf der ganzen Welt vor.

Peter Karle

Peter Karle gab Tipps zum PJ und der Famulatur im Ausland. | Britta Krämer

Eine Famulatur im Ausland ist ein absolutes Sprungbrett – das war Peter Karles (Foto) Fazit beim Kurzvortrag „Fernweh – Was bringt die Famulatur im Ausland?" Laut Karle wünschen sich an vielen Fakultäten bis zu 80 Prozent der Studierenden, Erfahrungen im Ausland zu sammeln – am liebsten in der Schweiz, den USA oder in Kanada. Um an gewisse PJ-Abschnitte heranzukommen, sei es notwendig, schon vor dem PJ im Wunschland tätig zu werden.

Wer sich beispielsweise für eine „Residency“ in den USA interessiert, müsse diesen Weg unbedingt gehen. „Für einen US-Amerikanischen Chefarzt, der neue Mitarbeiter rekrutiert, zählen ausschließlich Referenzen von inländischen Krankenhäusern“, hielt Karle fest. Für die Bewerbung solle man sich darüber hinaus nicht nur den obligatorischen „Letter of Recommendation“, sondern zusätzliche Referenzen einholen, um gegenüber anderen Bewerbern im Vorteil zu sein.

Was bringt ein Auslandsaufenthalt für Medizinstudierende? Für welches Land entscheidet man sich und wie organisiert man den Aufenthalt? Und: Welche Bedeutung hat diese Erfahrung für die eigene Karriere? Medizinstudierende geben Antworten.

weiterlesen

Während der Zeit der Famulatur sollten dann Kontakte geknüpft und so viele weitere Zeugnisse und Bescheinigungen wie möglich gesammelt werden. Wenn man sich bereits sicher sei, dass man an einem der Famulatur-Standorte auf jeden Fall auch das PJ absolvieren möchte, solle man sich direkt dort bewerben – die Erfolgschancen seien dann deutlich höher, als wenn sich der Student/die Studentin erst zu einem späteren Zeitpunkt aus Deutschland bewirbt. Ein kleiner Tipp Karles gegen die Sprachbarriere: bei der Bewerbung muss das PJ auf Englisch „Medical Student Elective“ genannt werden.

Operation Karriere-Kongress Köln, „Fernweh – Was bringt die Famulatur im Ausland?“, Peter Karle, Chefredakteur Medizinernachwuchs.de

Facharztausbildung Anästhesie: Viele Möglichkeiten und Freiräume

Unter Anästhesie stellen sich die meisten den Arzt vor, der auf einem Stuhl neben dem OP-Tisch sitzt und auf Monitore starrt. Tatsächlich ist das Aufgabengebiet der Anästhesie breit gefächert und Bindeglied zwischen anderen Disziplinen.

Dr. Störmer

Dr. med. Ingo Störmer während seines Vortrags auf dem Operation Karriere Kongress 2015 in Köln. | Foto: Britta Krämer

In seinem Vortrag „Anästhesie – was sonst?!“ auf dem Operation Karriere Kongress 2015 in Köln zeigte Referent Dr. med. Ingo Störmer, Facharzt für Anästhesie, zurzeit tätig für Ärzte ohne Grenzen e.V., Berlin, wie vielfältig sein Fachgebiet ist und welche Möglichkeiten und Freiräume es bieten kann.

Unterschätztes Fachgebiet

Viele – und auch bei ihm selbst sei dies so gewesen – hielten die Anästhesie während ihres Medizinstudiums für uninteressant. In den Augen vieler Studierender sei der Anästhesist in seinen Aufgaben sehr eingeschränkt und in der Hauptsache dafür verantwortlich, einen Patienten stabil zu halten, während andere operierten. 

Die Arbeit im OP-Saal mache in Wirklichkeit nur einen Teil des Aufgabenbereiches eines Anästhesisten aus, erklärte Störmer. So würden Anästhesisten auch in der Intensivmedizin gebraucht, ebenso wie in der Notfallmedizin oder in der Schmerztherapie.

„Angewandte Physologie“

„Anästhesie ist angewandte Physiologie gepaart mit Pharmakologie“, umriss Störmer sein Fachgebiet. Dessen müsse sich jeder bewusst sein, der sich für eine Ärztliche Weiterbildung in  der Anästhesie entscheide. Wer bereits während des Studiums feststelle, dass diese beiden Fächer nicht nicht zu seinen Lieblingsfächern zählten, sollte sich besser für eine andere Weiterbildung entscheiden, so Störmer.

Man müsse sich, um auf diesem Fachgebiet gut zu sein, ein breites Wissensspektrum anlegen. „Sie haben es mit den unterschiedlichsten Patienten und Herausforderungen zu tun: Schwangere, Kinder, Menschen mit Co-Morbidität“, erläuterte Dr. Störmer. Das verlange zum einen Empathie und zum anderen eine kontinuierliche Lernbereitschaft, um auf unterschiedlichste Konstellationen vorbereitet zu sein. 

Ebenso benötige man Teamgeist, so Störmer weiter, denn heutzutage arbeite man interdisziplinär. Gleichzeitig werde von Anästhesisten die Fähigkeit erwartet, schnelle und korrekte Entscheidungen zu treffen, vor allem in der Notfallmedizin. Dort komme es vor allem darauf an, in Standardsituationen Eingeübtes auch an den ungewöhnlichsten Orten unter extremen Bedingungen routiniert anwenden zu können. 

Gleich acht Gründe, Anästhesist zu werden zählte Dr. Störmer in seinem Vortrag auf:

1. Man arbeitet in einem dauerhaft interessanten Fach

2. Es gibt innerhalb der Anästhesie vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten

3. Anästhesisten üben ihre Profession in einem angenehmen Arbeitsumfeld aus

4. Zur Ausbildung gehört die frühe Übernahme von Verantwortung

5. Auf Anästhesisten wartet „relativ wenig Schreibkram“, der teilweise während der Arbeit erledigt werden kann

6. Der Fachbereich der Anästhesie ist immer und überall gefragt, auch im Ausland

7. Durch die hohe Nachfrage ist Teilzeitarbeit problemlos organisierbar

8. Eine Unterbrechung der Karriere ist ohne Probleme möglich.

Podium Weiterbildung Köln 2015

Universitätsklinik oder peripheres Krankenhaus: Welche Vor- und Nachteile bietet die jeweilige Klinikwahl bei der Ärztlichen Ausbildung? Und ist es besser, sich selbständig niederzulassen oder als angestellter Arzt in einer Praxis zu arbeiten?

weiterlesen

Flexible Arbeitszeitmodelle möglich

Was die Unterbrechung der Karriere bzw. die Teilzeitarbeit anbelange, biete die Anästhesie mehr Möglichkeiten und Flexibilität als andere Fachrichtungen, so Störmer. So habe er derzeit eine Halbtagsstelle an einer Klinik, die es ihm ermögliche, mehrere Monate in Vollzeit zu arbeiten, um sich das restliche Jahr für sein humanitäres Engagement freistellen zu lassen. Die Anästhesie biete darüber hinaus sehr gute Möglichkeiten, eine Zeit lang im Ausland zu arbeiten, da Spezialisten auf diesem Gebiet weltweit gefragt seien.

Facharztausbildung Anästhesie

Die Facharztausbildung zum Anästhesisten dauert insgesamt mindestens 60 Monate. Bereits nach 24 Monaten ist eine Zusatzweiterbildung im Bereich der Notfallmedizin möglich. 12 Monate vor Abschluss der Ausbildung kann mit der Zusatzweiterbildung Intensivmedizin begonnen werden, die insgesamt 24 Monate dauert. 

Quelle:  „Anästhesie – was sonst?!“, Dr. med. Ingo Störmer, Facharzt für Anästhesie, Vortrag Facharzt Podium I, Operation Karriere Kongress 2015 Köln.

Tipps und Tricks für ein erfolgreiches PJ

Was ein gutes PJ ausmacht, mit welchen Erwartungen man die drei Tertiale angehen sollte und wie man sein PJ selbst positiv gestalten kann, erklärte Philip Oeser von MIAMED auf dem Operation Karriere-Kongress 2015 in Köln.

Philip Oeser, MIAMED GmbH

Philip Oeser schilderte den Zuhörern, wie man das PJ selbst positiv beeinflussen kann. | Foto: Britta Krämer

Das Praktische Jahr (PJ) dauert insgesamt 48 Wochen und ist in drei Tertiale á 16 Wochen aufgeteilt. Zwei Tertiale sind vorgegeben und müssen in den Fachbereichen Innere Medizin und Chirurgie absolviert werden, eins der drei Tertiale kann nach persönlichem Interesse gewählt werden: das Wahlfach.

Was darf bzw. sollte man bei der Wahl der PJ-Stelle erwarten? Gute Lehrinhalte und eine gute Ausbildung. "Das klingt trivial, aber es gibt durchaus Unterschiede. Deshalb lohnt es sich, einige Aspekte im Vorfeld abzufragen", erklärte Philip Oeser, Ärztliche Redaktion bei der MIAMED GmbH aus Köln, auf dem Operation Karriere-Kongress am 5. Dezember.

Einige Universitäten bieten mittlerweile Logbücher an, an denen man sich bezüglich der Lernziele und Lerninhalte im PJ orientieren kann. Diese gelten sowohl für Unikliniken als auch für andere Lehrkrankenhäuser. Gibt es Rotationspläne und ggf. sogar einen Fortbildungsplan? An vielen Instituten gibt es einen PJ-Beauftragten, der ausschließlich für die Betreuung der PJler zuständig ist. Er beantwortet alle aufkommenden Fragen.

Wie viel kann man im PJ verdienen?

"Als Vergütung kann man maximal 597 Euro erhalten", sagte Oeser. Allerdings werde dieser Höchstsatz nur von den wenigsten Häusern tatsächlich gezahlt. Im Schnitt liege die Vergütung zwischen 200 und 400 Euro, manchmal bekomme der PJler auch gar nichts. Oeser: "Dafür werden häufig andere Leistungen angeboten, beispielsweise ein kostenfreies oder vergünstigtes Mittagessen oder die Möglichkeit, im Personalwohnheim unterzukommen und damit Kosten zu sparen."

Um den eigenen Fachfokus festzulegen, solle man die möglichen Interessen und Fertigkeiten überprüfen und nicht geeignete Alternativen ausschließen. Sich breit aufzustellen sei jedoch nie falsch, daher solle man auch im PJ nach links und rechts schauen.

PJ im Ausland

Was kann man sich von einem PJ im Ausland versprechen? Eine bessere Ausbildung und Vergütung sowie das Kennenlernen einer neuen Kultur und/oder Sprache seien die vorrangigen Ziele der meisten PJler, die außerhalb Deutschlands diesen Ausbildungsschritt absolvieren möchten. "Es ist hilfreich, frühzeitig zu planen, aber es können sich auch vor der PJ-Anmeldung spontan noch Möglichkeiten für ein Tertial im Ausland ergeben", sagte Oeser. Auch für die Karriereplanung sei die Auslandserfahrung ein wertvoller Gradmesser – kann ich mir vorstellen, in Zukunft auch im Ausland zu arbeiten?

Oeser skizzierte ein Worst Case- und ein Best Case-Szenario für das PJ

Worst Case:

  • nur Blutabnehmen
  • dadurch Visiten verpassen
  • kaum/kein Patientenkontakt
  • keine Ansprechpartner
  • schlechte Stimmung
  • keine Lehre

Best Case:

  • eigene Patienten aufnehmen, vorstellen, betreuen
  • in Diagnostik und Therapie eingebunden sein
  • kompetente Betreuung, klare Ansprechpartner
  • regelmäßige Fortbildungen

Kann man selbst beeinflussen, in welche Richtung das eigene PJ geht? PJler müssen selbstbewusst und reflektiert auftreten, sich aber auch trauen, "nein" zu sagen, wenn sie sich etwas nicht zutrauen, eine Tätigkeit ausüben sollen, die ihnen noch nicht beigebracht wurde, oder wenn Dinge an sie herangetragen werden, die mit dem eigentlichen Lehrauftrag nichts zu tun haben. Als PJler hat man keine Berechtigung, eigenständig Heilkunde auszuüben – mit der Blutentnahme, dem Lungenfunktions-Test und vielem mehr gibt es allerdings delegierbare Aufgaben, die jeder mitnehmen sollte."

Quelle: Tipps und Tricks für ein erfolgreiches PJ. Philip Oeser, Ärztliche Redaktion, MIAMED GmbH, Köln. Operation Karriere-Kongress Köln, 5. Dezember 2015.

Welche Möglichkeiten bietet das PJ? Wird ein Auslandsaufenthalt anerkannt? Wie ist die rechtliche Situation, welche Tätigkeiten dürfen ausgeübt werden, welche nicht? Gibt es einen Anspruch auf Vergütung und Urlaub? Erfahren Sie es hier.

Weiterbildung Urologie: Weit mehr als "nur Prostata"

Dass die Urologie mehr zu bieten hat als Prostata-Untersuchungen und ein Urologe kein reiner "Männerarzt" ist, erläuterte Dr. med. Dieter Echtle beim Operation Karriere-Kongress am 5. Dezember in Köln.

Dr. med. Dieter Echtle

Dr. med. Dieter Echtle stellte den Fachbereich Urologie auf dem Operation Karriere-Kongress in Köln vor. | Martin Reinhart

Dr. med. Dieter Echtle, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie, Städtische Kliniken Mönchengladbach, stellte zunächst die Rahmenbedingungen der Weiterbildung zum Facharzt für Urologie vor. Die Weiterbildungszeit beträgt 60 Monate, davon müssen mindestens 48 Monate in der Urologie absolviert werden. Optional können zwölf Monate in der Chirurgie (stationäre Versorgung), maximal sechs Monate in einem anderen Fachgebiet und maximal zwölf Monate in ambulanter Patientenversorgung geleistet werden.

Das relativ neue Logbuch der urologischen Weiterbildung hält dabei fest, welche Untersuchungen und Operationen der angehende Arzt absolviert hat. In der Musterweiterbildungsordnung ist festgehalten, den Nachweis über welche Kenntnisse, Erfahrungen, Fertigkeiten und detaillierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren der Arzt in Weiterbildung vor der Facharztprüfung vorweisen können muss. "Das Logbuch wird bisher sehr gut angenommen – die zu absolvierenden Untersuchungen und OPs sind hier über die fünf Jahre Weiterbildungszeit aufgeteilt", sagte Echtle.

Die Urologie ist mehr als nur "Männermedizin"

Echtle räumte mit dem Vorurteil auf, dass die Urologie nur "Männermedizin" sei: "Es gibt mehr als nur Prostata". 26 Prozent der Patientinnen seien momentan weiblich. Auf der anderen Seite steige die Anzahl der Urologinnen stetig. Der Wert hat sich von 1990 bis 2015 um zehn Prozent erhöht.

Die Kinderurologie befasst sich mit den Patienten von morgen. Häufig früh im Leben auftretende Erkrankungen sind beispielsweise die Enuresis (nächtliches Einnässen) und Harnröhrenklappen. "In einer Bettnässer-Sprechstunde kann man den betroffenen mit spielerischem Training des Beckenbodens helfen, die Fehlbildung der Harnröhrenklappen ist im Kindesalter noch leicht zu behandeln", erklärte Echtle. Man könne den Patienten damit bei einer frühzeitigen Therapie die später sonst unumgängliche Dialyse-Behandlung ersparen.

Häufig auftretende urologische Krankheiten bei Frauen seien beispielsweise die Harninkontinenz (ca. fünf Millionen Betroffene in Deutschland, nur 20 Prozent therapiert), Harnsteine treten ebenso häufig auf wie bei Männern. "Diese kann man mit der fortschrittlichen Stoßwellentherapie behandeln", sagte Echtle. Unter anderem auch über interdisziplinäre Zusammenarbeit wie gemeinsame OPs mit anderen Fachärzte sei es das Ziel, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Fünf Gründe für die Urologie

Echtle nannte prägnant zusammengefasst fünf Gründe, die für die Urologie sprechen und die Weiterbildung zum Facharzt in diesem Fachbereich attraktiv machen.

  1. Große Zufriedenheit der Patienten, große Heilungschancen auch bei Krebserkrankungen
  2. Die Dynamik des Fachs: Stürmische Entwicklung in den vergangenen 30 Jahren. Fortschritte bei den OPs, bspw. auch roboterassistierte OP-Verfahren
  3. Viel Erwähnung in den Medien: "Die Urologie ist das Lieblingskind der Medien"
  4. Flexibilität und Vielseitigkeit: Klinik und Niederlassung, Teilzeit-Arbeitsmodelle, nur drei Spezialisierungsmöglichkeiten
  5. Kombination verschiedener Anforderungen macht einen guten Mix: Wissen, Erfahrung, Geschicklichkeit sind erforderlich, operatives und konservatives Fach

Quelle: Nicht nur für Männer – Das Fachgebiet Urologie. Dr. med. Dieter Echtle, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie, Städtische Kliniken Mönchengladbach, Mönchengladbach. Operation Karriere-Kongress in Köln, 5. Dezember 2015.

Operativ vs. konservativ - Praxis vs. Klinik: Wohin führt mein Weg?

Spätestens nach dem Abschluss des Medizinstudiums müssen sich die zukünftigen Ärzte entscheiden, wohin ihr Weg sie führt. Operatives oder konservatives Fach? Niederlassung in eigener Praxis oder Anstellung in der Klinik?

Kathrin Eikholt und Susanne Atug

Kathrin Eikholt (l.) und Susanne Atug stellten operative und konservative Fächer sowie die Arbeit in Praxis und Klinik gegenüber. | Britta Krämer

Einige Impulse, welche Optionen junge Mediziner vor der Weiterbildung haben, gaben Kathrin Eikholt, Chefärztin der Fachabteilung Frauenheilkunde und Geburtsmedizin und Susanne Atug, Leitende Oberärztin der Fachabteilung Orthopädie und Unfallchirurgie, beide Sana-Klinikum Remscheid, beim Operation Karriere-Kongress in Köln am 5. Dezember 2015.

Bei der Frage nach der Wahl eines konservativen oder operativen Fachs müsse man bedenken, dass sich in den letzten Jahrzehnten viel geändert habe. Auf der einen Seite gebe es mehr Niederlassungsformen als zuvor, beispielsweise Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und auch manche konservative Fächer beinhalteten mittlerweile auch interventionelle Aufgaben bzw. Untersuchungen. Jeder Absolvent müsse auf seiner "Reise" den richtigen Weg im Labyrinth der vielfältigen Möglichkeiten finden.

Konservative Fächer

Die konservativen Fächer seien nicht so sehr an die Klinik gebunden, da die meisten Untersuchungen auch in der Praxis durchgeführt werden könnten. "In der Gastroenterologie ist das gut möglich, zum Beispiel bei einer Magenspiegelung, die Geburtshilfe hingegen kann nur stationär an der Klinik stattfinden", erklärte Eikholt. Pausen während der Weiterbildung oder Auszeiten seien zudem einfacher realisierbar. "Bei operativen Tätigkeiten ist die praktische Arbeit enorm wichtig", sagte Atug. "Sobald man ein paar Monate nichts gemacht hat, stellt sich direkt eine gewisse Unsicherheit ein." Außerdem sei bei konservativen Fächern der Patientenkontakt höher, mehr Kommunikation im Alltag finde statt und die Empathie des Arztes müsse entsprechend hoch sein.

Operative Fächer

Die Weiterbildung in operativen Fächern finde überwiegend in Kliniken statt. "Diese Häuser haben eigene Strukturen, die man bedenken muss", sagte Atug, wie zum Beispiel die strikte Organisation nach Dienstplänen. Hier müsse man definitiv ein Teamplayer sein, um sich zurecht zu finden.

Die Arbeit in operativen Fächer seien zudem charakterisiert durch eine Kombination aus Kopf- und Handarbeit. Nach einem Eingriff seien schneller Ergebnisse sichtbar als bei einer konservativen Therapie. Dies könne mitunter zu einer schnelleren Befriedigung beim Arzt beitragen, da dieser direkt sehe, ob und welche positiven Auswirkungen der Therapieschritt zeige. "Auf der anderen Seite ist das Frustpotenzial natürlich auch groß, wenn man auf Situationen stößt, die man nicht mehr ändern kann – diese Arbeit ist physisch und psychisch sehr fordernd", sagte Eikholt. Daher müsse man auch eventuelle eigene Vorschädigungen wie Rückenprobleme oder einen leichten Tremor bei seiner Entscheidung beachten – "mit Tremor eignen Sie sich nicht unbedingt für die Mikrochirurgie!", sagte Atug.

Arbeit in der Praxis

Was macht die Arbeit in der Praxis aus? Man kann sein eigener Chef sein, hat eine hohe Patientenbindung, kommuniziert sehr viel und die freie Zeit ist planbarer – kein Wochenenddienst, keine Schichtarbeit, keine Feiertagsarbeit. "Dafür haben Sie nicht so häufig die Möglichkeit, sich mit Kollegen auszutauschen und einen interdisziplinären Rat einzuholen", sagte Eikholt. In der Klinik könne man bei der Diagnosestellung Kollegen miteinbeziehen und bei der Auswertung eines Röntgenbildes beispielsweise einen Radiologen um Rat bitten. Stichwort Finanzen: Eine eigene Praxis stellt einen hohen Investitionsaufwand dar: Räumlichkeiten, Gerätschaften, Personalkosten etc. Das wirtschaftliche Risiko trägt der bzw. tragen die Praxisinhaber. Eine Absicherung durch einen liquiden Arbeitgeber im Hintergrund gibt es nicht.

Arbeit in der Klinik

Die Arbeit in der Klinik ist Teamarbeit, Ärzte haben hier Kontakt mit vielen Kollegen und mit vielen anderen Berufsgruppen. Zudem gibt es gute Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, auch in den umliegenden Fachbereichen. Atug: "So kann man seinen Blickwinkel erweitern – das macht immer Sinn!" Die Verantwortung liege in der Klinik auf mehreren Schultern, die interdisziplinäre Arbeit erlaube viele verschiedene Herangehensweisen an ein gesundheitliches Problem.

Der Träger bietet den Angestellten ein festes Einkommen und eine soziale Absicherung. Beim Thema Work-Life-Balance sieht es jedoch schwieriger aus. "Im Krankenhaus führt man ein Leben nach Dienstplan", erklärte Eikholt. Beide Referentinnen empfahlen den Studierenden, das PJ an kleineren Kliniken außerhalb der großen Ballungsräume zu absolvieren. Dort gebe es weniger PJler und die Chance, viele Untersuchungen bereits recht früh selbst durchzuführen, sei viel höher.

Quelle: Impulsvortrag: Operative versus konservative Fächer – Wie wähle ich aus!? Kathrin Eikholt und Susanne Atug, beide Sana Klinikum Remscheid, auf dem Operation Karriere-Kongress 2015 in Köln.

Arzt in der Rehabilitation: „Mehr als Fango und Tango“

Dass die Arbeit als Arzt in der Rehabilitation zeitgemäß und vielseitig ist und weit mehr als „Fango und Tango“, erläuterte Dr. med. Bernhard Müller, Oberarzt am Reha-Zentrum Schömberg auf dem Operation Karriere Kongress 2015 in Köln.

Dr. Bernhard Müller

Dr. Bernhard Müller während seines Vortrags beim Operation Karriere Kongress 2015 in Köln. | dd

„Wir sind durch das Studium alle akutmedizinisch sozialisiert.“, so Dr. Müller, Facharzt für Innere Medizin, Sozialmedizin und Rehawesen und Oberarzt im Reha-Zentrum der Klinik Schwarzwald der Deutschen Rentenversicherung Bund in Schömberg. Der Patient werde in erster Linie als passiv und hilfsbedürftig wahrgenommen.  Doch in der Rehabilitationsmedizin begegne man dem Patienten mit anderen Ansätzen. Während sich die Akutmedizin auf die Behandlung einer Krankheitsepisode konzentriere, gehe es bei der Reha-Medizin um die Behandlung einer Krankheitsentwicklung. Dafür sei die Mitarbeit der Patienten zum erfolgreichen Verlauf einer Therapie zwingende Voraussetzung. 

Auch sei die Akutmedizin in der öffentlichen Wahrnehmung viel stärker im Fokus. Dabei stehen laut Dr. Müller den 1.980 Akutkrankenhäusern in Deutschland rund 1.200 Reha-Einrichtungen gegenüber.  Auf diese 1.200 Kliniken verteilten sich wiederum 9.600 Ärztinnen und Ärzte, so Müller. Es herrsche also ein „familiäres Arbeitsklima“ innerhalb der Einrichtungen.

Wiederaufbau und Reintegration

Die Herausforderung des Rehawesens sei es, einen Patienten durch psychologische Betreuung und gezielten Muskelaufbau nach einem oftmals stark invasiven Eingriff in die Berufswelt zu reintegrieren, also der gezielte Wiederaufbau nach einer akuten Erkrankung. Doch auch die Verbesserung der individuellen Lebensqualität bei einer chronischen Erkrankung sei eine zentrale Aufgabe der Rehabilitation. Manchmal müsse man Patienten dabei helfen, Einschränkungen zu akzeptieren und innerhalb dieser Einschränkungen bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Grundpfeiler seiner Arbeit mit den Patienten seien dabei stets körperliche Aktivität bei gleichzeitiger individueller Betreuung.

Durch den demographischen Wandel in der Gesellschaft und der damit verbundenen steigenden Zahl an geriatrischen Krankheitsbildern und chronischen Erkrankungen werde der Bedarf an Ärzten in der Rehabilitation künftig steigen, so Dr. Müller. Daher sei seine Disziplin und die an sie geknüpften, wachsenden Aufgaben ebenso vielseitig wie zeitgemäß.

Quelle: „Zeitgemäß und vielseitig – Arbeiten als Arzt in der Rehabilitation“; Dr. med. Bernhard Müller, Facharzt für Innere Medizin, Sozialmedizin und Rehawesen und Oberarzt im Reha-Zentrum der  Klinik Schwarzwald der Deutschen Rentenversicherung Bund in Schömberg; Operation Karriere Kongress Köln 2015.

 

 

‪Ärztliche Weiterbildung: Die ersten Karriereschritte

Universitätsklinik oder peripheres Krankenhaus: Welche Vor- und Nachteile bietet die jeweilige Klinikwahl bei der Ärztlichen Ausbildung? Und ist es besser, sich selbständig niederzulassen oder als angestellter Arzt in einer Praxis zu arbeiten?

Podium Weiterbildung Köln 2015

V.l.n.r.: Roman Biehler, Kathrin Eikholt, Susanne Atug, Dr. Ingo Störmer und Moderatorin Dr. Eva Richter-Kuhlmann, Ärztin und Redakteurin Deutsches Ärzteblatt | dd

Diesen Fragen gingen gleich vier Experten in der Podiumsdiskussion zum Thema „Welche Weiterbildung passt zu mir? Die ersten Karriereschritte!“ beim Operation Karriere Kongress am 5. Dezember 2015 in Köln nach.

Ärztliche Weiterbildung: Uni-Klinik oder peripheres Krankenhaus?

Absolviert man seine Facharztausbildung nun besser an einer Klinik der Maximalversorgung oder an einem peripheren Krankenhaus? Dieser Frage gingen Kathrin Eikholt, Chefärztin der Fachabteilung Frauenheilkunde und Geburtsmedizin sowie Susanne Atug, Leitende Oberärztin der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie und Koordinatorin des regionalen Traumzentrums, beide aus dem Sana-Klinikum Remscheid, nach. 

An einer Universitätsklinik, so Atug, „wird die Ausbildung durch mehrere Köpfe geteilt“. Das bedeutet, dass es nicht einen festen sondern mehrere Ansprechpartner gibt. Auch sei die individuelle Entfaltung an einer Uni-Klinik schwieriger als an einem peripheren Krankenhaus. Dort könne man sich bereits im PJ stärker einbringen. 

Von der Basis an zu lernen, sei an einem peripheren Krankenhaus leichter, erklärte Eikholt, da es hier häufiger Eingriffe gebe, die auch bereits – unter Anleitung – von einem Assistenzarzt ausgeführt werden könnten. Bei einem Klinikum der Maximalversorgung sei dies weniger gegeben, da die zu behandelnden Fälle dort naturgegeben komplizierterer Gestalt seien. Daher sei es durchaus sinnvoll, den Einstieg in die Facharztausbildung in einem peripheren Krankenhaus zu beginnen und später, um sich in einem Fachbereich weiterzuentwickeln, an ein Haus der Maximalversorgung zu wechseln. 

„Kleine Häuser haben den Vorteil, dass man sich hier besser individuell entfalten kann und eine feste Bezugsperson hat, die einen während der Ausbildung begleitet“, ergänzte Dr. med. Ingo Störmer, Facharzt für Anästhesie vom Ärzte ohne Grenzen e.V., Berlin und Oberarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin, DRK Krankenhaus Neuwied. Uni-Kliniken böten demgegenüber den Vorteil, dass sie ein größeres Spektrum abbildeten, so Störmer. Man könne hier alle Ausbildungsstationen an einem Ort absolvieren und müsse nicht, wie bei kleineren Häusern oft durch Art und Umfang der Weiterbildungsermächtigung bedingt, die Ausbildungsstelle wechseln.

Der Umfang und die Dauer der Weiterbildungsermächtigung einer Klinik sei wiederum abhängig von dem Spektrum des jeweiligen Hauses, erklärte Atug. So gebe es eine vorgeschriebene Mindestanzahl ausbildungsrelevanter OPs, die eine Einrichtung zu erfüllen habe. Andernfalls erhalte sie für bestimmte Weiterbildungsinhalte keine Ermächtigung. Dies mache dann einen Klinikwechsel während der Ärztlichen Ausbildung nötig.  

Niederlassung: Praxisgemeinschaft oder Gemeinschaftspraxis?

Junge Ärzte, die nach dem Ende ihrer Facharztausbildung eine Niederlassung anstreben, stehen oftmals vor der schwierigen Entscheidung, diesen Schritt mit einer eigenen Praxis zu gehen oder sich „Mitstreiter“ zu suchen und sich eine Praxis zu teilen. Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich dabei um eine Praxisgemeinschaft oder eine Gemeinschaftspraxis handelt. 

Den Hauptunterschied zwischen diesen beiden Formen der gemeinschaftlichen Niederlassung erläuterte Roman Biehler, Geschäftsführer der Medicus Wirtschaftsberatung GmbH & Co. KG. Im Unterschied zur Gemeinschaftspraxis, bei der sich neben den Räumlichkeiten auch das Personal geteilt werde und die Abrechnung mit den Krankenversicherungen und Kassen gemeinsam erfolge, seien Ärzte in einer Praxisgemeinschaft „Einzelkämpfer in der gemeinsamen Praxis“. Hierbei teile man sich die Räumlichkeiten und nutze Synergien. Jedoch beschäftige in dieser Konstellation jeder Arzt sein eigenes Personal und rechne eigenständig mit den Krankenversicherern ab.

Praxisgründung und Praxisübernahme auch ohne eigenes Startkapital

Wer eine Praxisneugründung oder eine Praxisübernahme plane, muss laut Biehler nicht zwangsläufig vermögend sein. „Sie werden als Arzt immer eine Bank finden, die ihnen die Praxisgründung finanziert, auch ohne Eigenkapital“, stellte Biehler klar. 

Anstellung als Einstiegsmöglichkeit

Eine Einstiegsform in die Welt der niedergelassenen Ärzte biete die Anstellung in einer Praxis, so Biehler. Für bestehende Praxen gebe es die Möglichkeit, einen KV-Sitz zu übernehmen und dafür einen Facharzt einzustellen. Auch die Anstellung in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), von denen es rund 1.000 bundesweit gibt, sei eine Möglichkeit für den Einstieg. Längerfristig sei dies jedoch nicht zu empfehlen, da sich durch den Schritt in die Selbständigkeit wesentlich mehr verdienen lasse, so Biehler.   

Quelle: Podiumsdiskussion – Welche Weiterbildung passt zu mir? Die ersten Karriereschritte!; Operation Karriere Kongress Köln, 5.12.2015

Operation Karriere Kongress Köln 2015: Grußworte von Rudolf Henke

Anlässlich unseres Operation Karriere Kongresses 2015 in Köln richtete Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Grußworte an alle Teilnehmer.

Rudof Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein

Rudof Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein richtete ein Grußwort an die Kölner Kongress-Teilnehmer. | Foto: Jochen Rolfes

Liebe Medizinstudierende,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich heiße Sie sehr herzlich in Köln willkommen und freue mich, dass der Regionalkongress „Operation Karriere“ bereits zum 6. Mal im KOMED-Konferenzbereich des MediaParks zu Gast ist.

Mit der bundesweiten Kongressreihe für Medizinstudierende, Berufsanfängerinnen und -anfänger sowie bereits tätige junge Klinikärztinnen und -ärzte hat der Deutsche Ärzte-Verlag einen führenden Nachwuchskongress etabliert, der über die Karrieremöglichkeiten im Arztberuf informiert und Ihnen eine erste berufliche Orientierung bietet. Im Rahmen der regionalen Kongresse, die durch die integrierte „KarriereMesse“ eine enge Anbindung an den regionalen Arbeitsmarkt haben, bietet sich Ihnen die Möglichkeit, das vielfältige ärztliche Tätigkeitsspektrum mit den verschiedenen Berufsrichtungen kennenzulernen und ihre Zukunftsperspektiven besser einzuschätzen.

Der Arztberuf ist für viele angehende Medizinerinnen und Mediziner immer noch ein Traumberuf und die Berufschancen stehen für Sie alle vergleichsweise gut, denn Ärztinnen und Ärzte sind heute gefragter als noch vor einigen Jahren. Wir sprechen gegenwärtig nicht mehr von einer Ärzteschwemme wie noch vor rund fünfzehn Jahren, sondern von einem Ärztemangel, der gerade in ländlichen Regionen bereits deutlich zu spüren ist. Um dem entgegenzuwirken hat die Ärztekammer Nordrhein Weiterbildungsverbünde initiiert, die den Einstieg in die Allgemeinmedizin erleichtern sollen. Der stetig steigende Frauenanteil in der Ärzteschaft aber auch das veränderte Rollenverständnis der jungen Ärztegeneration im Hinblick auf die Work-Life-Balance erfordern ein gut überlegtes Handeln und neue flexiblere Arbeitszeitmodelle, damit sich der vorhandene Ärztemangel nicht noch deutlich verschärft. 

Verschaffen Sie sich einen Überblick über die individuellen Karrieremöglichkeiten und nutzen Sie die heutige Möglichkeit, Ihre potenziellen Arbeitgeber einmal persönlich zu treffen. Ich empfehle Ihnen, bei den Angeboten am Arbeitsmarkt auch die Qualität der Weiterbildung zu prüfen. Das Projekt „Evaluation der Weiterbildung“ der Ärztekammer Nordrhein bietet Ihnen weitere Entscheidungshilfen. Berücksichtigen Sie auch, wie gut Ihre Berufsziele und die gebotenen Rahmenbedingungen der Tätigkeit zu anderen Aspekten Ihrer Lebensplanung passen und eine Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf ermöglichen.

Ich wünsche Ihnen viele neue Erfahrungen und Informationen, gute Gespräche und nützliche Kontakte, die Ihnen bei der Berufs- und Karriereplanung weiterhelfen mögen. Nutzen Sie die heutige Gelegenheit und entscheiden Sie mit Herz und Verstand, wo und wie Sie künftig ärztlich tätig werden wollen. Und engagieren Sie sich auch in den betrieblichen Interessenvertretungen sowie in den Verbänden, Ärztegewerkschaft und Ärztekammer dafür, dass Ihr Beruf für Sie ein Traumberuf bleiben kann!

Ihr

Rudolf Henke

Präsident der Ärztekammer Nordrhein