Facebook, Webauftritt und Co. – Worauf Ärzte bei Social Media achten sollten

Warum auch Ärzte eine Webseite und App zur Patientengewinnung und -bindung nutzen sollten, warum auch Social Media dabei eine Rolle spielt und worauf dabei zu achten ist, erläuterte Michael G.F. Mögling, Marketingberater bei Medicus-Digital.de, auf dem Operation Karriere Kongress 2016 in Frankfurt/Main.

Michael G. F. Mögling

Michael G.F. Mögling, Marketingberater bei Medicus-Digital.de, auf dem Operation Karriere Kongress 2016 in Frankfurt/Main.

Die Bedeutung von Google und Bewertungsseiten wie Jameda habe für Ärzte in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen, so Mögling.  Laut einer Hochrechnung der AGOF digital facts hätten rund 52,86 Millionen Personen ab 14 Jahren in Deutschland innerhalb eines Zeitraumes von drei Monaten stationäre und/oder mobile Angebote im Internet genutzt. Zugenommen habe auch die Nutzungsintensität: 63 Prozent der Bevölkerung gingen inzwischen täglich ins Netz, erklärte Mögling. Dies seien im Jahr 2015 rund 3,5 Millionen Personen (+8,5 %) mehr als noch im Jahr davor.

In der Altersgruppe der ab 70-Jährigen gab es einen Zuwachs von 0,8 Millionen täglichen Internetnutzern. Die bloße Zahl sei weniger beeindrucken als vielmehr der prozentuale Zuwachs innerhalb dieser Altersgruppe.  Hier liege der Zuwachs bei stolzen 44 Prozent. Der demografische Wandel mache sich auch bei der Internetnutzung bemerkbar: In Zukunft werde es die Generation ab 60 Jahren sein, die das Nutzungsverhalten insgesamt mit prägen werde, also auch potenzielle Patienten.  Die ab 60-Jährigen verwendeten die zweitmeiste Zeit mit der Informationssuche und Recherche. 

Verbraucher und Patientenverhalten online

Bereits rund 40 Millionen Deutsche nutzten über mehr als 8.000 verschiedene Webdienste und Apps zu Gesundheitsthemen im Internet, so Mögling. Eine Studie der Website epatient.com beschreibe, wohin die Reise gehe. Die Studie beleuchte nicht nur, wer welche Portale nutze, sondern frage auch die Auswirkungen der Recherche auf Therapie und Verhalten der Betroffenen ab.

Das Ergebnis der Auswertung: Es sind nicht nur die jungen Menschen, die das Internet als Informationsquelle für Gesundheitsfragen nutzen: 55 Jahre beträgt das Durchschnittsalter der Teilnehmer der Studie, zwei Drittel von ihnen sind Frauen. 77 Prozent suchen nach Informationen für sich selbst, 23 Prozent surfen im Wesentlichen für Familie oder Freunde. 

Zu den von den Teilnehmern meistgenannten Krankheiten gehören laut der Auswertung: 

- Herz-/Herzkreislauf und Gefäßerkrankungen (z.B. Bluthochdruck, Herzinfarkt) 

- Probleme mit dem Bewegungsapparat (z.B. Arthrose, Rheuma)

- Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes, Übergewicht)

Welche Dienste werden verwendet?

- 51 % geben an, dass sie Webseiten besuchen, die allgemein über gesunde Lebensweisen informieren.

- 38 % bestellen Medikamente, Nahrungsergänzungsmitteln oder andere Gesundheitsprodukte. 

- Bereits 20 % verfügen über Apps in Kombination mit einem Messgerät 

- 10 % nutzen Online-Kurse, Webinare oder Online-Coaches geholt. Allerdings haben viele derjenigen, die im Netz nach Gesundheitsinformationen suchen, auch weiterhin großes Vertrauen zu ihrem Arzt.

- So wünschen sich 57 Prozent, Informationen von ihrem Arzt zu bekommen, 38 Prozent von ihrer Krankenkasse. 

Viele Teilnehmer gaben laut der Erhebung an, welche Anwendungen für sie hilfreich wären: z.B. Informationen zu Vor- und Nachteilen oder Alternativen zu einer bevorstehenden Behandlung oder OP, Online-Dienste zur Vereinbarung von Arzt-Terminen, und eine Passwort geschützte Online Gesundheitsakte mit Behandlungsdaten einschließlich Röntgenbildern, Arztbriefen und Medikamenten. 

Figure 1

Figure 1 - das Instagram für Mediziner. Das Diagnose-Netzwerk, 2013 in den USA und Kanada gestartet, gibt es seit Ende 2014 auch in Deutschland. Erklärtes Ziel: Die weltweite Mediziner-Community zu vernetzen. App-interne Tools sollen den Datenschutz der Patienten sicherstellen.

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Digitalisierung im Patientenkontakt nimmt zu

In Kanada und Australien liefen Konsultationen mit dem Spezialisten seit mehreren Jahren oft schon digital ab, so Mögling. Klar, wenn der nächste Arzt, der sich mit einer seltenen Erkrankung auskenne, eine Tagesfahrt mit dem Auto entfernt lebe. Dann sei es gut, einander per Videoanruf auf dem Laufenden zu halten. 

Auch in Deutschland existierten dazu schon mehr als 200 Projekte. „Obwohl es hier kein Outback gibt wie in Australien, leben doch viele Patienten sehr weit weg von der nächsten Spezialklinik.“, beschrieb Mögling die Situation. Da sei es gut, wenn sie ab und zu beim Facharzt per Video Anruf Rat suchen könnten.  Das Schlüsselwort heiße “BIG DATA”:  „Schon jetzt verfüttern viele eifrig die Werte ihres Körpers an Smartphone, Tablet oder Smartwatch. Die Geräte merken sich, wie fit ihre Nutzer sind, wie ihr Herz schlägt, wie sie vergangene Nacht geschlafen haben.“, so Mögling. 

Website und App: Wichtig für Arzt und Patient

„Wie ich vorher bereits ausgeführt habe, suchen immer mehr Patienten auch zu Ihrer Gesundheit erste Informationen im Internet, aber erwarten auch von ihrem Arzt neben dem persönlichen Kontakt möglichst viele Informationen.“, so Mögling.  Denn auf die im Internet und vielen Gesundheit-Apps angebotenen Informationen müsse nicht immer Verlass sein.  Darüber hinaus verstärke eine Website auch die Patientenbindung.  „ Denn ein weiterer Aspekt ist, dass durch Jobwechsel, Umzug, Trennungen, verstärkte berufliche Reisetätigkeit, aber auch durch den immer größer werdenden Zustrom von ausländischen Besuchern und Mitbürgern eine immer größere Fluktuation, aber auch neuer Patientenzulauf entsteht.“, führte Mögling aus.

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