Arzt-Patienten-Kommunikation: Eine "gemeinsame" Sprache finden

Als Medizinstudent und angehender Arzt lernt man über die gesamte Dauer der Ausbildung, sich medizinisch-fachlich korrekt auszudrücken. Dies ist notwendig, um sich mit Kollegen über Befunde, Diagnosen und Therapien auszutauschen. Patienten können jedoch mit dem „Ärztelatein“ nichts anfangen.

Gespräch zwischen Arzt und Patient

Oft können Patienten mit dem „Ärztelatein“ nichts anfangen. | Syda Productions/Fotolia

Patienten, die mit für Laien unverständlichen Phrasen verwirrt werden, verlassen das Aufklärungsgespräch ratlos, weil sie sich die komplex formulierte Diagnose nicht merken können, oder einen für sie unverständlichen Arztbrief in den Händen halten. Der Patient fragt sich dann, was eigentlich dieses "Cor und Pulmo auskultatorisch unauffällig" oder „Z.n. CCE, darüber hinaus unauffälliger abdomineller Befund. Kein Hinweis auf RF.“ heißen soll.

Im Gespräch mit dem Patienten ist es wichtig, dass sich der Arzt auf sein Gegenüber einstellt und versucht, den medizinischen Inhalt durch verständliche Worte oder Erläuterungen zu vermitteln. Je nach Bildungsstand, medizinischen Vorkenntnissen oder wie intensiv sich ein Patient mit seiner Erkrankung im Vorfeld beschäftigt hat, kann das Verständnis variieren. Die Kunst ist es, die richtige „gemeinsame“ Sprache zu finden.

Ein Arztbrief, so besagt es auch schon der Name, ist von einem Arzt für einen Arzt geschrieben. Hier kommt es häufig vor, dass sich Patienten zwar dafür interessieren, was dort über ihren Gesundheitszustand und die vorgeschlagene Therapie geschrieben steht, jedoch schon beim dritten Satz scheitern. An dieser Stelle setzt das Projekt „Was hab‘ ich“ an. Auf dem Portal https://washabich.de/ können Patienten anonym und kostenlos ihre Befunde einsenden. Die Übersetzung erfolgt von einem Team aus Medizinstudierenden höherer Semester. Bei komplexen Befunden stehen zusätzlich ein Ärzteteam sowie zwei Psychologen beratend zur Seite. Nach wenigen Tagen kann die Übersetzung in eine für Laien leicht verständliche Sprache passwortgeschützt online abgerufen werden.

Win-win-Situation

Durch die Übersetzung können Patienten den ärztlichen Befund und die sich daraus ergebenden möglichen Folgen besser einschätzen. Aber auch für die Medizinstudierenden ergibt sich ein Nutzen. Die Bearbeitung realer Patientenfälle hat einen hohen Praxisbezug. Durch die ehrenamtliche Mitarbeit können sich die angehenden Ärzte somit optimal auf ihr Berufsleben vorbereiten. Die Medizinstudierenden eignen sich immer wieder neues medizinisches Fachwissen an und lernen gleichzeitig, komplexe Medizin patientengerecht zu erklären.

Gegründet wurde das Projekt, welches bei der Zielgruppe gut ankommt, von Anja Bittner, Ansgar Jonietz und Johannes Bittner (Foto, v.l.n.r.) aus Dresden. Das „Was hab‘ ich“-Team erreichen circa 150 medizinische Dokumente pro Woche. Und auch die positiven Rückmeldungen von Patienten zeigen den Erfolg:

  • „Sehr verständlich und ausführlich erklärt. Sehr gute Grundlage für das Gespräch mit meiner Hausärztin."
  • „Danke! Es ist für mich wichtig, eine genaue Vorstellung zu haben, um eine Entscheidung für eine Operation zu treffen.“
  • „Eine tolle Arbeit, die mir sehr weitergeholfen hat. Zum ersten Mal sind mir die notwendigen Zusammenhänge klar und verständlich geworden. Durch das bessere Verstehen werden auch die erforderlichen Therapiemaßnahmen nachvollziehbar.“

Im Wintersemester 2014/15 wurde „Was hab' ich?“ erstmals als Wahlfach an einer Uni angeboten. Der Kurs mit 20 Medizinstudierenden wurde durch die Stiftung Hochschulmedizin Dresden unterstützt.