Hausarzt in Schweden – Ein richtig praktischer Arzt

Eine deutsche Ärztin ist nach Schweden ausgewandert – und hat dort den für sie idealen Job gefunden. Saskia Heider ist Ärztin in Weiterbildung in der Allgemeinmedizin und arbeitet an der Gesundheitszentrale Markaryd in Schweden.

Saskia Heider

Saskia Heider ist nach Schweden ausgewandert und arbeitet dort als Ärztin. | Klemt / Ulrich Schepp Fotografie

Schweden – damit verbinden die meisten wohl traumhafte Landschaften. Und manche auch traumhafte Jobbedingungen. Jedenfalls weiß Saskia Heider, eine der Referentinnen von Operation Karriere in Frankfurt, nur Positives von dort zu berichten. Nach ihrem Medizinstudium in Göttingen ist sie nach Schweden ausgewandert, „um eine gute Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu finden. Denn: Manchmal sieht das Hamsterrad von Innen aus wie eine Karriereleiter.“

Einen Schritt, den die berufstätige Mutter bislang nicht bereut hat. Ihr Arbeitsalltag liest sich so: 8:00 – 08:30 Uhr digitale Dokumentation, anschließend zwei Patienten und eine „FIKA“ – eine Kaffeepause. Anschließend weitere vier Patienten, Telefonzeit und Mittagspause. Nach weiteren sechs Patienten folgen eine erneute FIKA, zwei Patienten und Dokumentationsarbeit. Ihr Arbeitstag endet um 15 Uhr, da sie – wie die meisten Allgemeinärzte in Schweden – in Teilzeit arbeitet. Wird es doch einmal länger, werden Überstunden in Freizeit ausgeglichen.

Die Berufsaussichten für Allgemeinärzte in Schweden sind laut Heider gut: „Allgemeinärzte in Schweden sind rar gesät. Bei uns sind nur 50 Prozent aller Allgemeinarztstellen besetzt.“

Schwedische Gesundheitssystem anders aufgebaut

Da Fachärzte anderer Disziplinen zwischen 50 und 100 km entfernt sind, hat der Allgemeinarzt in dem Land ein sehr breites Arbeitsspektrum. Er macht U-Untersuchungen bei Kindern, übernimmt kleinere OPs wie eingewachsene Zehennägel, entfernt Splitter aus Augen und betreut auch Pflegeheime. Ein Ultraschall- oder Röntgengerät gibt es in der Gesundheitszentrale aber nicht, räumt sie ein.

Das schwedische Gesundheitssystem ist komplett anders aufgebaut als das deutsche. Dazu zähle auch, dass Krankenschwestern, die ein dreijähriges Studium absolviert haben, selbständig arbeiten. Sie halten Sprechstunden für Diabetes- und Demenzpatienten, in schweren Fällen wird der Allgemeinarzt hinzugezogen. Laborkrankenschwestern assistieren bei Operationen, nehmen Blutproben ab und schreiben EKGs. Es gibt zudem regelmäßige Meetings mit Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Apothekern, berichtet Heider: „Die Hierarchien in Schweden sind sehr flach, wir sind aufeinander angewiesen, Teamarbeit ist das A und O.“

Operation Karriere Frankfurt, 11.02.2017. „Hausarzt in Schweden – Ein richtig praktischer Arzt“, Saskia Heider, Ärztin in Weiterbildung in der Allgemeinmedizin, Gesundheitszentrale, Markaryd/Schweden