Frauen in der Medizin: Karriere ohne Probleme?

Überall hört man es: Die Medizin wird weiblicher. Muss sich das Fach dann nicht auch auf Frauen einstellen? Beim Operation Karriere-Kongress in Bochum beschrieb Dr. Sylvia Putzke, Katharinen-Hospital Unna, ihre eigenen Erfahrungen mit der Karriereplanung.

Dr. Sylvia Putzke

Dr. Sylvia Putzke wies auf mögliche Karriere-Stolpersteine für Frauen hin. | Eventfotograf.in

Putzke stellte exemplarisch ihren eigenen Werdegang vor. Nach dem Studium arbeitete die Dermatologin zunächst in Mainz und dann in Heidelberg, erwarb die Zusatzbezeichnung Phlebologie und bekam einen Sohn. Danach trat Putzke eine 50 bis 60-Prozent-Stelle in einer Praxis in Koblenz an und schloss kurz darauf die Weiterbildung zur Allergologin ab. Danach wurde ihre Tochter geboren, mittlerweile ist sie Oberärztin mit einer 50 Prozent-Stelle.

Putzkes eigene Erfahrungen besagen, dass Frauen um die 30 Jahre regelmäßig übergangen werden, und teilweise Männer befördert werden, die entweder jünger oder weniger qualifiziert sind. Warum ist das so? Der Arbeitgeber kalkuliert mit höheren Ausgaben, wenn eine Ärztin schwanger wird, in Elternzeit geht, und dann ggf. öfter zu Hause bleiben muss, wenn das Kind krank ist. "Die Aussagen, die man zu hören bekommt, sind immer die gleichen: 'die wird eh bald schwanger', 'die zieht bald zu ihrem Mann, dann ist sie sowieso nicht mehr da', 'wenn das erste Kind da ist, kommt bestimmt auch bald das zweite', 'eine Vertragsverlängerung gibt es nur für 100 Prozent-Stellen, Verträge von Frauen mit Teilzeitwunsch laufen dann eben aus'", zitierte Putzke.

Natalja Ostankov

Natalja Ostankov ist 27, zweifache Mutter und studiert Medizin in München. Kann man das alles unter einen Hut bringen? Sie sagt ja und schildert in diesem Blog, wie der Alltag zwischen Kindern und Klinik aussieht. Teil 2: Theoretisch Medizinerin, praktisch Mama.

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Worauf muss man achten, wenn man als Frau eine Familie gründen, aber trotzdem Karriere machen möchte? Wenn man habilitieren möchte, wissenschaftlich arbeiten und ggf. Oberärztin werden will, kann man nicht alles aufschieben. Putzke: "Wer weiß, ob man mit 37 noch Kinder bekommen kann?" Man müsse darauf achten, ob der Arbeitgeber Teilzeitmodelle anbietet, sich um eine Kinderfrau in Anstellung kümmern, und sich auf ein gutes Teamwork mit dem Partner verlassen können.

Welche aktuellen Stolperstein gibt es noch? Der mangelnde Ausbau der Kindergartenplätze ist ein Problem sowie viele Schließtage im Kindergarten (Schulferien, Brückentage). "Manche Arbeitgeber bieten zum Glück während der Sommerferien eine kostenlose Kinderbetreuung an", sagte Putzke. Ihr Tipp für das Karriere-Timing: Als Frau zügig den Facharzt beenden und die Familienplanung gegen Ende der Facharztzeit starten. "Werden Sie sich rasch bewusst, was Sie machen möchten, planen Sie entsprechend", riet Putzke. Als gesamtgesellschaftliche Aufgaben forderte sie die Anerkennung der Familienarbeit, auch für Väter, familienfreundlichere Arbeitgeber mit variablen Arbeitszeitmodellen und den Ausbau der Kinderbetreuung.

Quelle: Frauen in der Medizin – Herausforderungen auf dem Karriereweg als Ärztin, Dr. Sylvia Putzke, Oberärztin Dermatologie des Katharinen-Hospitals Unna. Operation Karriere-Kongress Bochum, 8. Juli 2017.