Forschende Ärzte: Bakterien auf der Spur

Neben der Erforschung von neuen Wirkstoffen aus der Natur steht am HZI deren Optimierung im Vordergrund. „Für die erfolgreiche Entwicklung eines Naturstoffes zu einem potenziellen Medikament ist eine ganze Kette von Schritten nötig“, erklärt Prof. Dr. Dirk Heinz, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des HZI. Nachdem vielversprechende Wirkstoffkandidaten isoliert wurden, werden Testsysteme für die Prüfung der Wirkung entwickelt. Parallel identifizieren Naturstoffchemiker die Struktur des Wirkstoffes. „Sind Struktur und mögliches Einsatzgebiet geklärt“, so Heinz, „muss der Stoff für die Anwendung im Menschen optimiert werden. Nur etwa 25 Prozent der Medikamente aus Naturstoffen würden so eingesetzt, wie sie gefunden wurden. Durch chemische Synthese können die Stoffe so verändert werden, dass sie beispielsweise eine höhere Stabilität im Blutkreislauf erhalten, höhere Wirkspiegel am Ort der Infektion entfalten oder durch eine veränderte Pharmakokinetik einfach besser für den Menschen verträglich sind. Es können dabei aber auch aufgetretene Resistenzen durchbrochen werden, beispielsweise konnte durch die Modifikation des Naturstoffes Tetrazyclin zu Doxyzyclin dessen Wirkungsspektrum verändert werden.

Wichtig ist den Forschern eine Klarstellung: Antibiotika sind nicht etwa eine Erfindung des Menschen, sondern werden schon seit Millionen Jahren von Bakterien und Pilzen produziert. Ebenso ist das Entstehen von Antibiotikaresistenzen nicht auf den Menschen zurückzuführen. Dessen Gewohnheiten können dies nur befördern. „Die grundsätzlichen Ursachen für Bakterienresistenzen liegen in der Evolution“, betonen sie. Bakterien vermehrten sich in ungeheurer Geschwindigkeit und Anzahl und brächten auf diese Weise immer neue Varianten hervor, auch solche, die mit Giften – also auch mit Antibiotika – besser umgehen könnten als ihre Vorfahren. Es gelte also, mit ihnen Schritt zu halten oder ihnen bestenfalls sogar voraus zu sein. Dazu werden forschende Ärztinnen und Ärzte dringend gebraucht.

Mit Berufsempfehlungen hält sich Häußler allerdings zurück. Ihre Ansicht: „Jeder muss für sich selbst herausfinden, wofür er bereit ist, Herzblut zu investieren.“ 

wie wird man...

Facharzt/Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie? 

Der Musterweiterbildungsordnung der Bundes­ärzte­kammer zufolge umfasst die Weiterbildung in Mikrobiologie die Laboratoriumsdiagnostik der durch Mikroorganismen und Viren bedingten Erkrankungen und die Aufklärung ihrer Pathogenese. Zudem stehen epidemiologische Zusammenhänge und Ursachen sowie die Unterstützung der in der Vorsorge, in der Krankenbehandlung und im öffentlichen Gesundheitsdienst tätigen Ärzte bei der Vorbeugung, Erkennung, Behandlung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten im Fokus.

Als Weiterbildungszeit werden dafür fünf Jahre an einem entsprechenden Institut veranschlagt, wovon zwölf Monate in den Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung zu absolvieren sind. Häufig können Weiterbildungszeiten in der Hygiene und Umweltmedizin und/oder Laboratoriumsmedizin angerechnet werden. Verbindlich ist die Weiter­bildungs­ordnung in der jeweils gültigen Fassung der Lan­des­ärz­te­kam­mer, deren Mitglied man ist.

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