Forschende Ärzte: Bakterien auf der Spur

Ihre Begeisterung für die Forschung und die Naturwissenschaften sowie der Wunsch, diese zum Wohle von Patienten anzuwenden, führte die Weiterbildung zum Facharzt für Medizinische Mikrobiologie für Susanne Häußler auf ideale Art und Weise zusammen.

Bakterien

"Ich brannte sofort für dieses Fach und habe mich um eine Doktorandenstelle im Institut für Medizinische Mikrobiologie bemüht." | psdesign1/Fotolia

Bis zu ihrem Abitur hatte sie nur wenig Kontakt mit Ärzten. Entsprechend vage war ihre Vorstellung vom Arztberuf: „Eigentlich habe ich Medizin studiert, weil ich ein großes naturwissenschaftliches Interesse hatte“, verrät Prof. Dr. med. Susanne Häußler dem Deutschen Ärzteblatt Medizin studieren. „Dies ist während des Studiums so geblieben. Ich wusste also schon sehr früh, dass mich die klinisch-theoretischen Fächer in der Medizin am meisten interessieren.“ Häußler studierte Humanmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität zu Lübeck und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Im ersten klinischen Semester nach dem Physikum hatte sie ein Praktikum für medizinische Mikrobiologie. „Ich brannte sofort für dieses Fach und habe mich um eine Doktorandenstelle im Institut für Medizinische Mikrobiologie bemüht – eine Entscheidung, die ich nie bereut habe“, erzählt sie.

Aus der Begeisterung für die Naturwissenschaften und die Forschung wurde eine Karriere: Häußler promovierte an der MHH über bakterielle Respirationstrakterreger und absolvierte dort auch ihre Facharztweiterbildung für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie. „Das Fach verbindet viele interessante Aspekte: Die Grundlagenforschung zu Infektionen, der unmittelbare Bezug der Forschung zur Anwendung in der Klinik und die enge Verbindung zu den Klinikern, denen wir durch unsere Arbeit Empfehlungen für eine zielgerichtete antibiotische Therapie geben können“, schwärmt die Ärztin.

Ihr besonderes Forschungsinteresse gilt der Entstehung und Bekämpfung von chronischen Infektionen mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa, einem besonders widerstandsfähigem Bakterium, das fast überall in der Umwelt vorkommt. Insbesondere Patienten mit Verbrennungen und Mukoviszidose-Erkrankte sind anfällig für eine chronische Infektion mit Pseudomonas aeruginosa, das die Fähigkeit besitzt, sich in einer geschlossenen Schicht – einem sogenannten Biofilm – auf der Haut, dem Lungenepithel oder einer anderen Oberfläche im Körper zusammenzulagern. Dadurch schützt es sich vor der menschlichen Immunabwehr und verhindert die Wirkung von Antibiotika.

Von 2005 bis 2012 leitete die Ärztin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig die Nachwuchsgruppe „Chronische Pseudomonas-Infektionen“ in enger Zusammenarbeit mit der MHH. 2009 erhielt sie die Professur „Pathophysiologie bakterieller Biofilme“ der MHH am TWINCORE, dem Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung in Hannover. Seit 2012 leitet Häußler gleichzeitig die Abteilung Molekulare Bakteriologie am HZI in Braunschweig. Wie schafft man das? Für eine erfolgreiche Karriere sei es entscheidend, dass man gute Ideen hat und diese auch erfolgreich umsetzt, antwortet sie. Es sei aber mindestens genauso wichtig, „sichtbar“ zu sein. „Sichtbarkeit erreicht man nicht ausschließlich durch gute Publikationen, sondern vor allem durch Präsenz auf Kongressen, Einladungen zu Vorträgen und auch durch Preise. Doch: Ohne ein gutes Netzwerk von Personen aus dem Feld, die unterstützend tätig sind, ist dies viel schwieriger“, mahnt Häußler.

Dies gelte generell: Durch ein gutes Netzwerk ließe sich auch der Spagat zwischen Beruf und Familie schaffen, betont die Ärztin, die selbst zwei Kinder hat. „Als sie noch klein waren, haben wir Hilfe in sehr vielen verschiedenen Bereichen in Anspruch genommen: beim Putzen, beim Wäsche waschen und Bügeln, beim Einkaufen, beim Abholen der Kinder von der Kita. Wir hatten auch sehr regelmäßig einen Babysitter zu Hause, der uns – nachdem wir die Kinder ins Bett gebracht hatten – einen Abend nur für uns ermöglichte“, verrät sie ihr Erfolgsrezept.

Forschung und Familie – Häußler hat viel erreicht. Einen direkten Patientenkontakt hat sie allerdings nicht. Aber den vermisst die Ärztin auch nicht: „Ich bewege ja trotzdem etwas und das kommt den Patienten mittelfristig auch zugute“, erläutert sie. Dass Ärztinnen und Ärzte auch künftig in der Forschung und speziell in der Mikrobiologie gebraucht werden, steht für Häußler außer Frage: „Der Kampf gegen Infektionen ist trotz der Einführung von sehr wirksamen Antibiotika und Impfungen noch lange nicht gewonnen“, sagt sie. „Im Gegenteil, wir kämpfen heute zunehmend gegen schwere, im Krankenhaus erworbene Infektionen – häufig mit multiresistenten Erregern. Auf den Mikrobiologen kommen in der Zukunft also große Aufgaben zu und wir werden ganz neue Wege einschlagen und neueste Technologien einsetzen müssen, um uns den Problemen zu stellen.“

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