Expertin im Gespräch: Die Pharmazeutin Prof. Dr. Nieber

Ein anderes Aufputschmittel ist Kokain. Zumindest in der Privaten Oberbergklinik im Wendisch Rietz gab es zuletzt mehr kokainabhängige Manager als früher. Auch Ärzte tragen viel Verantwortung und sind einem andauernden Stress ausgesetzt. Steigert Kokain die Leistung und die Kreativität? 

Frau Nieber: Ja, Kokain löst ein Gefühl von Euphorie aus, der Konsument fühlt sich selbstbewusst, sorglos, hellwach und ist besonders leistungsfähig. Das Ausmaß des aufputschenden Effekts hängt sowohl von der Person selbst wie auch von der Dosis, der Art des Konsums und der Qualität des Stoffes ab, denn der Wirkstoffgehalt des als Kokain verkauften Pulvers schwankt durchschnittlich zwischen 20-50%. Beim Schnupfen setzt die Wirkung nach wenigen Minuten ein. Nach etwa 30-60 Minuten wird die maximale Konzentration im Blut erreicht und die pharmakologische Wirkung hält bis zu einer Stunde an. Beim Rauchen beginnt die Wirkung bereits nach wenigen Sekunden, da das Kokain über die Lunge sehr rasch vom Blutkreislauf aufgenommen wird. Allerdings verringert sich auch die Wirkdauer. So hält der durch das Rauchen ausgelöste Rauschzustand nur etwa 5-10 Minuten an. Regelmäßiger Kokaingebrauch kann mittel- und langfristig zu schwerwiegenden körperlichen, psychischen und sozialen Veränderungen führen.

Welche anderen illegalen Substanzen waren zuletzt in der Diskussion? Provigil? LSD? Amphetamine?

Frau Nieber: Neben Ritalin wird Vigil (Modafinil) mit Hirndoping in Verbindung gebracht. Das Medikament wird bei Schlafkrankheit verabreicht. Es ist ein Wachmacher, der zum Beispiel bei Sekundenschlaf helfen soll und bei einem Jetlag auf Reisen. Unter der Hand wird der Wirkstoff seit Jahren als „Smart Drug“ gehandelt, als Droge, die schlau macht. Zu den Stimulanzien gehören auch illegale Drogen wie Crystal Meth, Ecstasy, Speed oder Koks. Sie zählen zu der Klasse der Amphetamine und erhöhen extrem die Leistung und das Selbstbewusstsein. Zudem unterdrücken sie den Appetit und das Schlafbedürfnis. Ähnlich wie bei Ritalin folgt auf das extreme Hoch im Anschluss aber auch ein extremes Tief. Vor allem Crystal Meth ist für seine verheerenden Folgen bekannt. Die Droge zerstört das Gehirn bereits bei der ersten Einnahme. Außerdem kann es zu psychischen Effekten wie Psychosen und Selbstmordgedanken kommen. Sowohl Crystal Meth, als auch Kokain und Speed machen stark körperlich abhängig.

Würden Sie sagen der Konsum von Aufputschmitteln ist in Deutschland insgesamt gestiegen? Was sind die Gründe hierfür?

Frau Nieber: Ja, laut des Gesundheitsreports der Deutschen Angestelltenkrankenkasse (DAK) nehmen etwa 800.000 Gesunde regelmäßig Medikamente, ohne dass eine entsprechende Indikation besteht. Es wird vermutet, dass der Gebrauch unter Akademikern besonders hoch ist und oft im Studium beginnt. Sie hoffen, den Lernmarathon in Klausurphasen besser überstehen oder länger und konzentrierter an Hausarbeiten schreiben zu können. Stress, eine nahende Prüfung oder eine wichtige Verhandlung führt viele Menschen in Versuchung, den Medikamenten-Turbo zuzuschalten.

Für alle gestressten Mediziner, die langfristig gesund bleiben wollen: Welche legalen "Muntermacher" würden Sie neben dem Kaffeekonsum empfehlen?

Frau Nieber: Gegen die Tasse Kaffee gibt es nichts einzuwenden. Aber Sport, gesunde Ernährung, ein angemessener Lebens- und Arbeitsrhythmus, Lerntechniken, Zeitmanagement sowie ausreichend Schlaf, das sind natürliche Lernbooster.

Frau Prof. Nieber, vielen Dank für das Interview. 

Ärztin mit Kaffeetasse

Wach werden, wach bleiben und reiner Genuss. Kaffee ist der wichtigste Muntermacher im Krankenhaus. Eine Gruppe Schweizer Ärzte hat nun den Kaffeekonsum an einem großen Krankenhaus nach Facharztgruppen und geschlechtsspezifisch analysiert.

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