Umfrage: Patienten wollen mehr Infos über Ärzte

Mehr als jeder vierte Deutsche befürchtet, nicht den richtigen Arzt zu finden – weil er sich nicht gut genug informiert fühlt. Das hat eine aktuelle Studie der Weissen Liste und der Bertelsmann Stiftung ergeben. Über die Hälfte der Befragten wünscht sich mehr wichtige und neutrale Informationen.

Patienten wünschen sich mehr Informationen über die Ausstattung der Praxis und die Behandlungserfahrungen eines Arztes. | © RioPatuca Images / stock.adobe.com

"Die bisherige Arztwahl in Deutschland basiert im weitesten Sinne auf dem Prinzip ‚Trial and Error‘. Die Mehrheit der Patienten weiß nicht, welche Expertise, Erfahrung und Ausstattung sie hinter der Praxistür erwartet", kommentiert Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, das Ergebnis der repräsentativen Umfrage.

Was wollen die Patienten wissen?

Wenn sich Patienten für einen Arzt entscheiden, sind ihnen verschiedene Aspekte wichtig. Unter anderem wünschen sie sich mehr Informationen über:

  • Fachkenntnis und Erfahrungen mit der Behandlung der eigenen Krankheit (94 Prozent)
  • Hygiene in der Praxis (90 Prozent)
  • Zusatz-Leistungen – zum Beispiel Hautscreenings und Vorsorgeuntersuchungen (84 Prozent)
  • Behandlungsergebnisse des Arztes bei bestimmten Erkrankungen (80 Prozent)
  • Zufriedenheit anderer Patienten (75 Prozent)
  • Ausstattung der Praxis – zum Beispiel Röntgen- und Ultraschallgeräte (74 Prozent)

Im Zentrum des Informationsprozesses: Kompetenz und Hygiene. Quelle: Bertelsmann Stiftung

Laut Umfrage fühlen sich die Patienten in all diesen Bereichen nicht ausreichend informiert - besonders groß ist die Diskrepanz bei der Praxis-Hygiene, am wenigsten informiert fühlen sich die Patienten bei der apparativen Ausstattung der Praxis.

Mehr Arztvergleichs-Angebote im Internet gewünscht

86 Prozent der Befragten wünschen sich mehr neutrale und werbefreie Arztsuch-Portale im Netz. "Patienten haben eine sehr genaue Vorstellung davon, welche Informationen ihnen fehlen, um mehr Sicherheit bei der Arztwahl zu erhalten. Aber in Deutschland werden ihnen diese bisher vorenthalten", kritisiert Roland Rischer, Geschäftsführer der Weissen Liste.

Die Daten über die Praxisausstattung, das Leistungsspektrum und die Erfahrungen der Ärzte gibt es grundsätzlich sie werden von der Kassenärztlichen Vereinigung erhoben. Allerdings werden diese Daten in Deutschland nicht veröffentlicht. Das ist z.B. in Großbritannien oder den USA anders: Dort können sich Patienten ohne Zugangsbeschränkungen darüber informieren, welche Leistungen ein Arzt wie oft und in welcher Qualität anbietet. Dazu werden Abrechnungsdaten von staatlichen Institutionen ausgewertet und Patienten zu ihren Erfahrungen mit Arzt und Praxis befragt.

jameda Screenshot

Viele Patienten entscheiden sich aufgrund einer Bewertung im Internet für einen bestimmten Arzt. Doch nach welchen Kriterien beurteilen die Leser die Glaubwürdigkeit der Bewertungen? Eine Studie gibt Aufschluss.

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"Die Studienergebnisse zeigen, dass Deutschland im internationalen Vergleich zurückbleibt. Unsere Gesundheitspolitiker sind nun gefordert. Sie sollten den gesetzlichen Rahmen so verändern, dass Patienten in Deutschland alle benötigten Informationen haben, um den richtigen Arzt zu finden. Nach dem Vorbild anderer Länder sollten sie eine neutrale Datenannahmestelle errichten und die Kassenärztlichen Vereinigungen dazu verpflichten, ihre Daten bereitzustellen. Darüber hinaus sollten Patientenerfahrungen, die Arztpraxen erheben, veröffentlicht werden", fordert Rischer. Auf dieser Basis könnten Arztsuchportale dem Wunsch der Patienten nach mehr Informationen besser nachkommen.

Und was ist mit dem Datenschutz?

Kritiker, die sich gegen mehr Offenheit beim Umgang mit Versorgungsdaten aussprechen, sehen häufig den Datenschutz gefährdet. Zu dieser Frage hat die Bertelsmann Stiftung ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Danach sei die Privatsphäre der Patienten nicht gefährdet, wenn die Daten anonymisiert genutzt würden, heißt es von der Stiftung. Geht es um die Ärzte, sei das Bedürfnis nach Datenschutz gleichrangig mit dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit zu sehen. Die Veröffentichung der Daten könne sogar geboten sein, wenn auch Belange wie der Gesundheitsschutz und das Wohl der Patienten mit einbezogen werden.

Quelle: Bertelsmann Stiftung