"Normale" Patienten in der Notaufnahme: Überlastung der Rettungsstellen

Immer mehr Patienten, die keine notfallmedizinische Versorgung benötigen, suchen die zentralen Rettungsstellen auf. Eine Studie hat nun ihre Beweggründe erfragt.

Notfall

Patienten ohne notfallmedizinischen Versorgungsbedarf überlasten die zentralen Rettungsstellen. | Thaut Images - Fotolia

Zentrale Rettungsstellen werden zunehmend auch von Patienten aufgesucht, die zwar einen akuten, jedoch keinen notfallmedizinischen Versorgungsbedarf haben. Das trägt zur Überlastung der Rettungsstellen bei und stellt diese vor enorme Herausforderungen. Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben nun Patienten zu ihren Motiven, eine Rettungsstelle aufzusuchen, befragt. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt in der Fachzeitschrift Das Gesundheitswesen* veröffentlicht.

Suchen Patienten eine Zentrale Notaufnahme (ZNA) auf, wird die Dringlichkeit ihres Behandlungsbedarfs zunächst mit Hilfe des sogenannten Manchester-Triage-Systems (MTS) eingestuft. Bei diesem System handelt es sich um ein standardisiertes Verfahren zur ersten Einschätzung des Schweregrades einer Krankheit. Ziel ist die schnelle Festlegung von sicheren und nachvollziehbaren Behandlungsprioritäten, so dass Personen, die am dringlichsten Hilfe benötigen, diese zügig erhalten, unabhängig vom Zeitpunkt ihres Eintreffens in der Notaufnahme.

Versorgungsqualität ist ein Beweggrund

Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler um Prof. Dr. Martin Möckel, Ärztlicher Leiter der Rettungsstellen am Campus Virchow-Klinikum und am Campus Charité Mitte, insgesamt 40 erwachsene Patientinnen und Patienten in breiter Altersverteilung und mit unterschiedlichen Beschwerdemustern interviewt, deren Behandlungsbedarf zuvor als nicht dringlich eingestuft worden war. Die Forscher befragten sie nach ihren subjektiven Gründen, eine Rettungsstelle aufzusuchen. Die Ergebnisse zeigen: Hauptmotive neben nicht oder spät verfügbaren Haus- und Facharztterminen waren Zeitautonomie, die Qualitätsstandards eines universitären Krankenhauses, die Möglichkeit multidisziplinärer Untersuchungen während eines Termins sowie die Empfehlung aus dem ambulanten Bereich, eine Rettungsstelle aufzusuchen.

*M. H. Schmiedhofer, J. Searle, A. Slagman, M. Möckel. Inanspruchnahme zentraler Notaufnahmen: Qualitative Erhebung der Motivation von Patientinnen und Patienten mit nichtdringlichem Behandlungsbedarf. 2016 Apr 22. Das Gesundheitswesen. doi 10.1055/s-0042-100729. www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0035-1563082

Quelle: Charité – Universitätsmedizin Berlin, www.charite.de