Übergewicht: Risiko steigt in der Pubertät

Im Alter zwischen 10 und 16 Jahren verbrauchen Jugendliche plötzlich weniger Kalorien in Ruhe, als das zunehmende Wachstum erwarten lassen würde. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der University of Exeter Medical School in einer Studie.

Dicke Frau misst nach

Laut einer neuen Studie verbrauchen Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren mehr Kalorien in Ruhe als das zunehmende Wachstum erwarten lassen würde. | GlobalStock/istockphoto

Die Studie haben die Forscher jetzt im International Journal of Obesity (2016; doi: 10.1038/ijo.2016.158) publiziert. Die Autoren versuchen mit ihren neuen Erkenntnissen, den Anstieg der Fettleibig­keit bei Jugendlichen zu erklären.

Über 10 bis 12 Jahre haben Erstautor Mostazir Mohammod und seine Kollegen 347 Kinder von 67 Grundschulen in Plymouth im Alter zwischen 7 und 14 Jahren im Rahmen der EarlyBird Studie beobachtet. Die Forscher haben alle sechs Monate folgende Parameter gemessen: Energieverbrauch bei körperlicher Aktivität und im Ruhezustand, den Body Mass Index (BMI) und den Körperfettanteil (per Dual-Röntgen-Absorptiometrie).

Genau in der Zeit, in der die Jugend­lichen den größten Wachstumsschub hatten, sank der Verbrauch des absoluten Grundumsatzes in Ruhe (resting energy expenditure, REE) um ein Viertel. Beispiel: Ein Fünfzehnjähriger verbrauchte 400 bis 500 kcal/24h weniger im Ruhezustand als fünf Jahre zuvor im Alter von 10 Jahren. Der durchschnittlicher REE bei Jungen im Alter von 10 Jahren lag bei 1600 kcal/24h, bei Mädchen waren es 1500 kcal/24h. Mit 16 Jahren stieg der Kalorienverbrauch noch einmal an.

Aus früheren Studien war bereits bekannt, dass der Energieverbrauch und auch die körperliche Aktivität in Relation zu den Jahren davor abnehmen. Vor allem Mädchen bewegen sich weniger. Ihre körperliche Aktivität sinkt zwischen sieben und sechzehn Jahren um ein Drittel. Durch die halbjährliche Prüfung konnte aber erstmals der enge Zeitraum gezeigt werden, in dem sich dies abspielte. Die reduzierte REE entwickelte sich zudem unabhängig von Insulin, Adiponektin, Leptin, Follikel-stimulierendem und luteinisierendem Hormon. Auch der Körperfettanteil, mit dem der schwankende Energieverbrauch zuvor erklärt wurde, stand in keinem Zusammenhang mit dem Grundumsatz.

Der Autor Terence Wilkin erklärt sich das Phänomen als Resultat der Evolution. Damals diente es dazu, Kalorien zu sparen, um das Wachstum zu ermöglichen, heute führt es in Gegenwart des Überangebots an Essen zu Übergewicht.

Quelle: www.aerzteblatt.de

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