MSF: Nur zwei Prozent der TB-Patienten erhalten bestmögliche Therapie

Nur zwei Prozent der rund 150.000 Patienten mit resistenten Formen von Tuberkulose (TB) erhalten laut Ärzte ohne Grenzen die derzeit bestmögliche Therapie. Die Organisation fordert daher anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages am 24. März, dass diese Medikamente mehr Menschen zugänglich gemacht werden.

Tablette

Nur zwei Prozent der TB-Patienten mit resistenten Formen erhalten laut Ärzte ohne Grenzen bestmögliche Therapie. | Andrey Popov/Fotolia

Die internationale Hilfsorganisation und andere Akteure, die TB-Patienten behandeln, konnten zeigen, so Ärzte ohne Grenzen, dass Behandlungregime, die eines der beiden neuen Medikamente Bedaquilin und Delamanid enthalten, den Gesundheitszustand von Patienten mit multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB) deutlich verbesserten.

Bedaquilin und Delamanid seien vor zwei Jahre als erste neu entwickelte TB-Medikamente nach mehr als 50 Jahren unter Vorbehalt zugelassen worden. Aktuell gebe es zwei Produzenten, so Ärzte ohne Grenzen. Die Behandlungsergebnisse in den Projekten von Ärzte ohne Grenzen in Russland (Tschetschenien) und Armenien deuteten bislang darauf hin, dass Patienten mit Regimen mit Bedaquilin erfolgreicher behandelt werden können, als mit bisherigen Therapien, die bei MDR-TB lediglich eine Heilungschance von 50 Prozent haben.

Appell an Pharmafirmen und Regierungen

„Dank dieser neuen Medikamente sehe ich Patienten das Krankenhaus verlassen, die ohne sie gestorben wären“, sagt Dr. Yoseph Tassew, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Russland. „Es ist frustrierend, dass wir diese Hoffnung nicht allen Betroffenen bieten können. Nach einem halben Jahrhundert haben wir endlich neue Medikamente gegen TB, die schwerkranken Patienten das Leben retten können. Doch Ärzte ohne Grenzen ist der einzige Akteur, der TB-Patienten in Russland mit Delamanid behandeln kann. Derzeit behandeln wir sieben Patienten in Russland mit dem Medikament. Pharmafirmen und Regierungen müssen dringend daran arbeiten, dass alle Patienten, die diese Medikamente benötigen, sie bekommen.“

Bedaquilin und Delamanid werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Um den Zugang zu verbessern, sollten die Herstellter ihre Medikamente vorrangig in Ländern registrieren lassen, in denen viele Menschen an TB erkrankt sind, und sie in Entwicklungsländern sowie Ländern mit hohen TB-Zahlen bezahlbar machen, fordert Ärzte ohne Grenzen. Die betreffenden Länder sollten die neuen Medikamente schnell in ihre Behandlungsrichtlinien aufnehmen.

Neuer Bericht veröffentlicht

Ärzte ohne Grenzen veröffentlicht heute die vierte Ausgabe des Berichts „DR-TB Drugs Under the Microscope“, der Faktoren analysiert, die den Zugang zur Behandlung resistenter Formen von TB beeinflussen.

„Damit wir über die beiden neuen Medikamente hinaus noch mehr und vor allem bessere Behandlungsmöglichkeiten, aber auch neue Diagnostika und einen umfassend wirksamen Impfstoff bekommen, muss außerdem die Forschung zu TB und Antibiotika-Resistenzen insgesamt gestärkt werden“, sagt Marco Alves von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Auf dem G7-Gipfel in Japan und der nächsten Weltgesundheitsversammlung der WHO sollte eine substantielle Forschungsförderung beschlossen werden. Dabei sollten die Kosten für Forschung von den Produktpreisen entkoppelt werden, damit dringend benötigte Medizinprodukte verfügbar und bezahlbar sind.“

Quelle: Ärzte ohne Grenzen e. V. / Médecins Sans Frontières