MB-Monitor 2015: Hohe Arbeitsbelastung im Krankenhaus

Der "MB-Monitor 2015", eine vom Marburger Bund unter seinen Mitgliedern in Auftrag gegebene Umfrage, kommt zu dem Ergebnis, dass der hohe Zeitdruck, die zunehmende Arbeitsverdichtung und der Personalmangel Klinikärzte im Arbeitsalltag aber auch im Privatleben negativ beeinflusst.

Überlasteter Arzt

Der hohe Zeitdruck, die zunehmende Arbeitsverdichtung und der Personalmangel im Krankenhaus beeinflussen Ärzte im Arbeitsalltag aber auch im Privatleben negativ. | Foto: corbisrffancy - Fotolia

Die Befragung wurde vom Institut für Qualitätsmanagement und Evaluation (IQME) durchgeführt und beinhaltet die Einschätzungen von 3.895 angestellten Ärztinnen und Ärzten aus allen Krankenhausträgergruppen, die im Zeitraum vom 4. September bis 4. Oktober 2015 befragt wurden. Die Daten sind repräsentativ für die Ärzte an Deutschen Krankenhäusern, das gilt für Geschlecht und Alter. Leicht überrepräsentiert sind öffentliche Krankenhäuser und Kliniken in privater Trägerschaft, unterrepräsentiert hingegen kirchliche Krankenhäuser.

Die Verteilung der Teilnehmer

  • 40 Prozent Ärzte in Weiterbildung (Assistenzärzte)
  • 26 Prozent Oberärzte
  • 24 Prozent Fachärzte
  • 6   Prozent Chefarzt-Stellvertreter (leitende Oberärzte)
  • 3   Prozent Chefärzte

In der Umfrage gaben deutlich mehr als die Hälfte der Befragten an, dass der hohe Zeitdruck und die Arbeitsbelastung sie "häufig psychisch belastet" (59 Prozent). Ein noch größerer Anteil der Ärztinnen und Ärzte machte die Angabe, dass nach ihrem Empfinden die Gestaltung der Arbeitszeiten ihre Gesundheit beeinträchtige. Das äußere sich beispielsweise in Schlafstörungen und häufiger Müdigkeit.

Unabhängig von Geschlecht, Alter und Position im Krankenhaus beklagten die Befragten die Leistungsverdichtung, hauptsächlich verursacht durch hohen ökonomischen Druck. Lediglich 27 Prozent sehen sich "selten" oder "nie" ökonomischen Zwängen gegenüber, die ihre Diagnose- und Therapiefreiheit einschränkt. 34 Prozent gaben "manchmal" an, 30 Prozent "häufig" und 9 Prozent "fast immer".

Berufsleben und Privates nicht vereinbar

Der hohe Stress wirkt sich laut Studie aber nicht nur auf die Arbeitszeit, sondern auch auf das Privatleben aus. 77 Prozent gaben demnach an, dass sie ihr Familien- bzw. Privatleben aufgrund der Einbindung am Arbeitsplatz nicht wie gewünscht ausleben können. Knapp die Hälfte der Befragten (46 Prozent) erwägt deshalb sogar, ihre Tätigkeit aufzugeben. Als Gründe werden die "zu hohe Arbeitsbelastung" sowie die vielen Dienste genannt. Ein weiterer Grund: die fehlende Wertschätzung durch Vorgesetzte.

 

Der Zeitdruck im beruflichen Alltag, die Arbeitsverdichtung und der Personalmangel auf den Stationen führt dazu, dass viele Ärzte die Patienten nicht in dem gewünschten Umfang behandeln können. 69 Prozent gaben an, nicht genug Zeit für die Patienten zu haben. Ein in diesem Zusammenhang genanntes Problem ist der hohe bürokratische Aufwand. Die Zeit am Schreibtisch nimmt den Ärzten die Zeit am Patientenbett.

Missverhältnis bei den Arbeitszeiten

Die tatsächliche Wochenarbeitszeit inklusive aller Dienste und Überstunden liegt bei mehr als zwei Dritteln der Befragten im Durchschnitt deutlich über 48 Stunden, der Höchstgrenze nach dem Arbeitsgesetz. 46 Prozent der Klinikärzte arbeiten 49 bis 59 Stunden, 21 Prozent 60 bis 79 Stunden. Die in den Tarifverträgen geregelte durchschnittliche Grenze von bis zu 60 Stunden wird damit von jedem vierten Krankenhaus überschritten. Die Wunschvorstellung sieht anders aus: Ungefähr 90 Prozent würden gerne unter 48 Stunden in der Woche arbeiten.

Rund 52 Prozent der Befragten leisten drei und mehr Bereitschaftsdienste pro Monat, damit der 24-Stunden-Betrieb der Krankenhäuser sichergestellt werden kann. Die Gruppe der Ärzte in Weiterbildung und der Fachärzte trägt davon die Hauptlast der Dienste in der Nacht, an Feiertagen und an Wochenenden.

Quelle:  Zusammenfassung MB-Monitor 2015, MB-Pressestelle, Berlin