Nothilfe-Planung mit "MapSwipe": Abgelegene Gebiete kartografieren

Die neue innovative Smartphone-App MapSwipe der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ermöglicht jedem User, humanitäre Organisationen bei der Kartierung abgelegener Gebiete zu unterstützen, um medizinische Nothilfe zu planen.

Screenshot MapSwipe

Mit MapSwipe kann jeder Hilfsbereite bei der Kartografierung unerfasster Gebiete helfen. | Screenshot mapswipe.org

Wie funktioniert MapSwipe? Mithilfe der App können Siedlungen, die von Naturkatastrophen, Krankheiten oder Konflikten bedroht sind, in eine Karte eingetragen werden, damit die Helfer die bedürftigen Menschen schneller erreichen können. Aktuell akut: der unter dem Krieg leidende Südsudan sowie das Grenzgebiet von Sierra Leone, Guinea und Liberia, wo die Ebola-Epidemie ausgebrochen ist.

Alle, die helfen wollen, können MapSwipe wie üblich für Android- oder Apple-Geräte im Play Store bzw. App-Store herunterladen. Das Programm wurde von Ärzte ohne Grenzen entwickelt, um das "Missing Maps"-Projekt mehrerer humanitärer Organisationen zu unterstützen. „Wir sind stolz auf unsere erste Handy-App“, sagt Pete Masters von Ärzte ohne Grenzen. „Damit kann jeder, der ein Handy oder Tablet hat, medizinische Fachleute bei ihrer lebensrettenden Hilfe unterstützen. Und es macht auch noch Spaß.“

Missing Maps

Jedes Jahr kommen bei Katastrophen überall auf der Welt fast 100.000 Menschen ums Leben, 200 Millionen sind direkt oder indirekt betroffen. Viele der Orte, an denen diese Katastrophen passieren, sind auf Karten nicht verzeichnet, was es den Ersthelfern unheimlich schwer macht, die betroffenen Regionen zu erreichen. Missing Maps ist ein offenes Projekt, bei dem fehlende Regionen über die browserbasierte Software OpenStreetMap kartografiert werden können.

Screenshot aus der OpenStreetMap-SoftwareDie MapSwipe-Nutzer können von überall auf der Welt eine für Krisen anfällige Region auswählen, in der sie helfen möchten – und suchen zum Beispiel Dörfer in der Demokratischen Republik Kongo, in denen es zu einem Cholera-Ausbruch kommen könnte. Die User können Satellitenbilder der Region durchschauen und auf den Bildschirm tippen, wenn sie auf den Aufnahmen Siedlungen, Häuser, Straßen oder Flüsse sehen, um diese zu markieren.

Die so erhobenen Informationen werden an ein Team von Kartographen übermittelt, das dann auf diesen Informationen aufbauend detaillierte Landkarten erstellt. Bisher ist die Suche mühsam: Die Experten sondieren tagelang Tausende Bilder von Wald und Savanne, um bewohnte Gebiete auszumachen. Schätzungsweise sind die Wohnorte von mehreren hundert Millionen Menschen noch nicht kartographisch erfasst.

Karten sind extrem wichtig

Da Hilfsorganisationen oft nicht genau wissen können, wo wie viele Menschen von einer Krise betroffen sind, sind Karten von großer Bedeutung. Sie helfen, Impfkampagnen zu planen, die benötigte Menge von Hilfsgütern abzuschätzen oder zu verstehen, wie Krankheiten sich verbreiten.

 

„Aus meiner Erfahrung bei Einsätzen in verschiedenen Ländern wie Kongo und Somalia weiß ich, wie schwer es ist, lebensrettende Hilfe zu planen, wenn wir keine verlässlichen Informationen über die Menschen haben, denen wir helfen wollen“, erzählt Kiran Jobanputra, der als Arzt für Ärzte ohne Grenzen im Einsatz ist.

„Rund 40 Bilder zu überprüfen, dauert nur fünf Minuten. Wenn Sie zum Beispiel auf einen Bus warten, können Sie einen Teil Ihrer Wartezeit spenden“, so Masters. „Die App funktioniert auch offline und ist somit perfekt auf dem Weg zur Arbeit nutzbar. Verbringen Sie ein paar Minuten damit, ein Dorf im Südsudan zu finden, statt ein Spiel auf Ihrem Handy zu spielen – das kann helfen, Leben zu retten.“

Quelle: Ärzte ohne Grenzen. http://mapswipe.org, www.missingmaps.org