Klinikstress: Deutscher Ärztinnenbund fordert Maßnahmen

Junge Ärztinnen sind die Zukunft der Patientenversorgung in den Kliniken, laut dem Deutschen Ärztinnenbund (DÄB) sind Belastung und Zeitdruck jedoch große Probleme, die den Job weniger attraktiv erscheinen lassen.

Ärztin mit Stress

Zu viel Stress: Ärzte fordern sich oft überfordert. | Pro Dente e.V.

Der DÄB bezieht sich auf eine repräsentative Umfrage des Marburger Bundes (Operation Karriere berichtete, s. unten), in dem unter anderem aus Bayern berichtet wird, dass 47 Prozent der Klinikärztinnen erwägen, ihre aktuelle Tätigkeit aufzugeben. 59 Prozent der Ärztinnen und Ärzte gaben an, sich psychisch belastet zu fühlen und 70 Prozent sehen ihre Gesundheit durch die Gestaltung der Arbeitszeiten beeinträchtigt. Die Fälle von Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Erkrankungen wie Burnout nehmen zu.

Überlasteter Arzt

Der "MB-Monitor 2015", eine vom Marburger Bund unter seinen Mitgliedern in Auftrag gegebene Umfrage, kommt zu dem Ergebnis, dass der hohe Zeitdruck, die zunehmende Arbeitsverdichtung und der Personalmangel Klinikärzte im Arbeitsalltag aber auch im Privatleben negativ beeinflusst.

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Mehr als 90 Prozent der Befragten wünschen sich eine Wochenarbeitszeit von bis zu 49 Stunden, in der Realität – so ein Ergebnis der Umfrage – arbeiten die meisten deutlich mehr. Verwaltungstätigkeiten sorgen unter anderem dafür, dass die Ärzte ihrer Ansicht nach nicht genügend Zeit für die direkte Betreuung der Patienten haben. Die Umfrage bestätigt ebenso, dass Mütter sich stärker unter Druck sehen als Ärztinnen ohne Kinder und Kliniker/innen stärker als Niedergelassene.

„Junge Ärztinnen sind die Hoffnungsträgerinnen im Gesundheitswesen, denn der Großteil des Nachwuchses ist weiblich. Wenn diese Hoffnungen nicht leichtfertig verspielt werden sollen, braucht es mehr Personal bei Ärzten und Pflege, um endlich humanere Arbeitszeiten und flexible Arbeitszeitmodelle für eine bessere Work-Life-Balance zu ermöglichen und berufliche Karrierehemmnisse zu beseitigen“, fordert Dr. med. Barbara Schmeiser, Assistenzärztin der Neurochirurgie in Freiburg und Vizepräsidentin des DÄB.

Junge Assistenzärzte

Jeder fünfte Assistenzarzt in einer Klinik arbeitet mehr als 60 Stunden pro Woche. Dabei übernehmen junge Assistenzärzte auch Aufgaben, denen sie noch nicht gewachsen sind. Das berichtet das Magazin "Kontraste".

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Die jungen Ärztinnen arbeiteten in den Kliniken mit einer enormen Verantwortung, sie würden jedoch durch rein ökonomische Erwartungen in ihrer ärztlichen Diagnose- und Therapiefreiheit extrem eingeschränkt. Der Zeit- und Spardruck mache die Behandlung von Patientinnen schwieriger. Daher fordert der DÄB familienfreundlichere Rahmenbedingungen, die die Motivation einer ganzen Generation nachwachsender Ärztinnen nicht einfrieren, sondern fördern. Dazu gehörten auch ein höherer Personalschlüssel, geregelte Arbeitszeiten und der Ausgleich von Überstunden.

Quelle: Deutscher Ärztinnenbund e.V., www.aerztinnenbund.de