Klinikclowns: Angst vor einer Operation verringern

Mittlerweile ist erwiesen, dass der Glückshormonspiegel in der Kinderchirurgie steigt, wenn Clowns sich um die kleinen Patienten kümmern. Alle Beteiligten an der Universitätsmedizin Greifswald befürworten daher die Fortsetzung der Pilotstudie zu diesem Thema.

Eckart von Hirschhausen, Uni Greifswald

Eckart von Hirschhausen (2.v.l.), Schirmherr des Projektes, mit den Klinikclowns an der Universitätsmedizin Greifswald. | Universitätsmedizin Greifswald

Die Pilotstudie, die vor einem halben Jahr an der Universitätsmedizin Greifswald mit Hilfe des Grypsnasen e.V. (grypsnasen.de) gestartet wurde, hat gezeigt, dass Klinikclowns die Angst der kleinen Patienten vor einer Behandlung oder Operation mindern. Die vorläufigen Ergebnisse sollen nun durch eine umfassende Anschlussstudie gesichert werden.

Das Besondere an der Greifswalder Studie: Nicht nur das seelische Wohlbefinden der Studienteilnehmer wurde erfragt, sondern auch ein wichtiger objektiver Indikator für Vertrauen, das Oxytocin. Ende Januar stellten die Wissenschaftler die Ergebnisse der Pilotstudie zusammen mit Dr. Eckart von Hirschhausen, Stiftung HUMOR HILFT HEILEN (humorhilftheilen.de) und Schirmherr der Studie, vor. Die Studie ist eine Kooperation zwischen der Klinik für Kinderchirurgie der Universitätsmedizin Greifswald und des Instituts für Psychologie/Sozial- und Organisationspsychologie der Humboldt-Universität zu Berlin.

Fröhlichkeit, Spaß und positive Gedanken haben Einfluss auf kranke Menschen. Auf vielen Kinderstationen werden sogenannte Klinikclowns eingesetzt. Die Unimedizin Greifswald und die Humboldt-Universität zu Berlin starten eine Pilotstudie, um den medizinischen Nutzen der Humortherapie nachzuweisen.

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Am Anfang noch belächelt

„Als ich meine Stiftung HUMOR HILFT HEILEN vor acht Jahren gegründet habe, wurde Lachen als Medizin noch belächelt. Mit den Ergebnissen aus Greifswald gehen wir einen wichtigen Schritt zu einer ‚ernsthaften‘ Humorforschung“, sagte Dr. Eckart von Hirschhausen. „Die Kraft von Zuwendung und Zuversicht sind heilsam, aber eben nicht als Tablette, sondern in aufrichtigem menschlichem Kontakt. Und dies ist wissenschaftlich belegbar. Humor und Persönlichkeitsbildung müssen integraler Bestandteil der Ausbildung und Weiterbildung in allen therapeutischen Berufen werden. Deshalb bin ich stolz auf die Pionierarbeit, die in Greifswald geleistet wird und trage mit meiner Vorlesung und dem Projekt ‚Arzt mit Humor‘ gerne diese Ideen in die nächste Generation“, betonte Hirschhausen. 

„Obwohl wir nur eine kleine heterogene Gruppe von insgesamt 31 Kindern im Alter von vier bis 13 Jahren einbezogen haben, konnten wir vielversprechende Ergebnisse erzielen“, erläuterte der Studienleiter und Direktor der Kinderchirurgie, Prof. Winfried Barthlen.  „Sowohl in den persönlichen Befragungen als auch im
gestiegenen Oxytocin-Spiegel konnten wir bei den Kindern mit einem Clownsbesuch eine deutliche  Verminderung der Angstgefühle registrieren. In der Kontrollgruppe ohne Clowns dagegen nicht, dort blieb die Angst unverändert.“ 

Arzt mit Humor

Die Initiatoren des Projektes "Arzt mit Humor", der Arzt Christoph Krause und die Humortrainerin Katrin Hansmeier, haben es sich zur Aufgabe gemacht, Medizin menschlicher und den Krankenhausalltag humorvoller zu gestalten.

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Große Zustimmung trotz Zusatzbelastung

„Wir konnten in den Befragungen vor und nach dem stationären Aufenthalt eine große Zustimmung zur professionellen Mitarbeit der Clowns registrieren. Bei den Kindern hat uns das nicht gewundert, aber auch die Mitarbeiter befürworten die Clownsvisiten, obwohl sie für den Stationsablauf schon eine Zusatzbelastung darstellen“, erläuterte Psychologin Dr. Tabea Scheel von der Humboldt-Universität zu Berlin. Aus ihren Gesprächen mit Eltern sei hervorgegangen, dass sich die Kinder mit Clownskontakt wohler gefühlt haben, als diejenigen in der Kontrollgruppe.

„Der Oxytocin-Spiegel fällt nach der spielerischen Begegnung mit den Clowns höher aus“, betonte Prof. Matthias Nauck vom Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin. „In der Pilotstudie haben wir  Proben von 31 Kindern vor und nach der Begegnung mit einem Klinikclown untersucht. Im Vergleich zum  Ausgangswert stieg der durchschnittliche Spiegel um circa 30 Prozent. Das Oxytocin wurde vorher auf einem Watteröllchen als Speichelprobe entnommen, anschließend eingefroren und später im Labor untersucht.“Das Glückshormon Oxytocin beeinflusse sowohl das Verhalten zwischen Mutter und Kind als auch zwischen Geschlechtspartnern.

Arzt mit Humor

Das zweite Kommunkationsseminar des Projektes "Arzt mit Humor" findet am 11. und 12. März 2016 in Leipzig statt. Die Teilnehmer werden in Kommunikationstechniken für den Alltag in der Patientenbehandlung geschult.

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Wirksamkeit wissenschaftlich belegen

„Die Pilotstudie hat gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, die heilende Wirksamkeit des Humors auch wissenschaftlich zu belegen. Das vom Körper selbst gebildete Hormon ist ein wichtiger Indikator für den Erfolg der humorvollen Intervention“, unterstrich Nauck, der jedoch ebenso auf die Notwendigkeit einer repräsentativen Studie hinwies.

Prof. Winfried Barthlen sieht die Erwartungen, die in die kombinierte Pilotstudie gesetzt wurden, mehr als
erfüllt. „Wir müssen jetzt mit einer wissenschaftlich aussagekräftigen Studie nachlegen. Wir werden den Studienablauf entsprechend der gewonnenen Erkenntnisse überarbeiten, erweitern und die Finanzierung
einer Langzeitstudie beantragen. Möglicherweise werden wir dazu mit weiteren Kliniken und Partnern
kooperieren“, kündigte der Kinderchirurg an. „Unser Ziel bleibt, die Clowns auf Kinderstationen als einen
festen Bestandteil des pflegerischen und ärztlichen Teams zu integrieren, wie es in anderen europäischen
Ländern längst üblich ist.“

Quelle: Universitätsmedizin Greifswald. Ansprechpartner am Eltern-Kind-Zentrum/ Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie: Direktor Prof. Dr. Winfried Barthlen, winfried.barthlen@uni-greifswald.de