Kampagne fordert rationalen Einsatz von Antibiotika

Fast jede dritte Antibiotika-Verordnung ist nach Studien unnötig. Aber längst nicht jedem ist das bewusst. Mit einer Kampagne will das Land NRW nun einen sensibleren Umgang mit Antibiotika erreichen.

Zwei Plakate der Kampagne des NRW-Gesundheitsministeriums | Foto: MGEPA/NRW

Antibiotika sind kein Allheilmittel. Dass sie bei viralen Erkältungskrankheiten nicht helfen, ist längst nicht jedem klar. Deshalb will das Gesundheitsministerium NRW zusammen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein und Westfalen-Lippe mit einer Plakatkampagne für Aufklärung sorgen - und dafür, dass Ärzte weniger Antibiotika verordnen.

Denn in Nordrhein-Westfalen verschreiben Ärzte bundesweit am häufigsten Antibiotika: Während in Deutschland durchschnittlich 13,4 Tagesdosen pro 1.000 Einwohner pro Tag ambulant verordnet werden, sind es in NRW 17,3 (Quelle: GERMAP 2012). Die Plakate und Informationsmaterialien werden in diesen Tagen an 17.000 Arztpraxen in Nordrhein-Westfalen verschickt. 

Gefahr durch Antibiotika-Resistenzen

„Im Praxisalltag ist es für uns Ärzte oft sehr mühsam, den Patienten zu erklären, dass Antibiotika nicht immer angebracht sind. Die Erwartungshaltung der Patienten, ein Antibiotikum verschrieben zu bekommen, ist einfach enorm groß", sagt Dr. Wolfgang-Axel Dryden, 1. Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe.

Antibiotika sind gegen Viren oder Pilze wirkungslos. Die Einnahme ist nur dann sinnvoll, wenn eine Erkrankung durch Bakterien ausgelöst worden ist. Erkrankungen wie Blutvergiftungen, Entzündungen der Haut, Lungenentzündungen oder Tuberkulose können sehr gut mit Antibiotika behandelt werden. Erkältungskrankheiten hingegen werden durch Viren ausgelöst.

Jedes dritte Antibiotikum unnötig verordnet

Antibiotika retten Leben, erzeugen aber auch Resistenzen bei den Erregern, die sie bekämpfen sollen. Das ist die eigentliche Gefahr, die durch einen fahrlässigen Umgang mit Antibiotika entsteht. Bei echtem Bedarf wirken die Antibiotika dann nicht mehr. Damit sich möglichst wenige Resistenzen ausbilden können, muss das Antibiotikum zum Erreger passen und lange genug und in der richtigen Dosierung eingenommen werden.

Rund 30 Prozent der verordneten Antibiotika werden unnötig oder nicht den Behandlungsleitlinien entsprechend verordnet, hat der DAK Antibiotika-Report 2014 festgestellt. „Nur wenn’s Sinn macht – Antibiotika bewusst einsetzen!" lautet daher der Claim auf den vier Kampagnenmotiven. Sie zeigen einen Teddybär mit Arzneimittel-Kapseln („Mit Antibiotika spielt man nicht“), ein Teeglas mit Arzneimittel-Kapseln („Antibiotika sind keine Hausmittel“), eine Schale voller Erdnüsse und Arzneimittel-Kapseln ("Greif nicht zu schnell zu Antibiotika") und eine Packung mit Arzneimittel-Kapseln statt Pfefferminz-Lutschdragées („Antibiotika sind nichts für zwischendurch“).

Interessierte können die Broschüre und die Plakate hier bestellen oder herunterladen. Die Plakate und Broschüren liegen in deutscher, türkischer, russischer und englischer Sprache vor.

Quelle: www.mgepa.nrw.de