Dr. House und Co: Wie realistisch sind Krankenhaus- und Arztserien?

Emergency Room, Grey's Anatomy, Scrubs und Co - im Fernsehprogramm gibt es unzählige Arztserien. Doch wie viel Realität steckt in einem TV-Format? Können die Patientenfälle für Medizinstudierende nicht nur eine Abwechslung vom Alltag bedeuten, sondern auch lehrreich sein?

Dr. House Vorlesung Prof. Mang

Diese und weitere Fragen behandelte Prof. Christian Mang vom Institut für Pharmakologie der Universitätsmedizin Mainz am 7. Mai bei seiner "Dr. House-Vorlesung". Aufgebaut war diese auf einer Folge der beliebten US-Fernsehserie, welche auf einer Leinwand im Hörsaal gezeigt wurde (Foto). Zu Beginn standen der Vorspann der Serienfolge und die darin dargestellte Anamnese des Patienten auf dem Programm. Anschließend zeigte Mang immer wieder Ausschnitte der Folge, um das fast detektivische Suchen nach der Diagnose verfolgen zu können und so zu erkennen, wie komplex eine Diagnosefindung sein kann. Dabei hinterfragte der Dozent immer wieder das Vorgehen des fiktionalen Ärzteteams. Ziel war es, zusammen mit den Zuhörern das gezeigte Krankheitsbild zu analysieren, die Vorgehensweise des interdisziplinären Teams um Dr. Gregory House zu verstehen, und das notwendige Therapieverfahren für das dargestellte Krankheitsbild zu erarbeiten.

„Bei der Dr. House-Vorlesung geht es nicht darum, ob die 'Kollegen' im Fernsehen alles richtig gemacht haben“, unterstreicht Mang. Der Dozent nutzt diese Serie vielmehr als Türöffner, um seinem Stammfach Pharmakologie Leben einzuhauchen, und die Komplexität einer schwierigen Diagnosefindung aufzuzeigen. „Die Bedeutung regelmäßiger Teambesprechungen und wie wichtig es ist, einmal gestellte Diagnosen immer wieder zu hinterfragen und neue Befunde zu einem sinnvollen Ganzen zusammen zu fügen – dies wird bei 'Dr. House' in der Tat sehr unterhaltsam vermittelt. Und genauso spannend kann universitäre Medizin sein“, betont Mang.

Komplexe Diagnosen gibt es auch in der Realität

Der Fall: Ein Patient krampft im Krankenhausbett, Stunden vorher hatte er plötzlich starke Blutungen. Die Symptome traten völlig unerwartet auf und stellen für die Mediziner ein schwieriges Rätsel dar. Die Experten beraten immer wieder aufs Neue, was die Ursachen sein könnten. Es handelt sich um einen kniffeligen Fall, der so nicht im Lehrbuch zu finden ist. Ist dieser nun Fiktion oder Realität? Beides trifft zu! Denn sehr seltene Krankheitsfälle müssen nicht nur fiktive Ärzte in Fernsehserien wie 'Dr. House' lösen, auch reale Ärzte müssen sich im echten Leben komplexen Diagnosen stellen.

Um seine Medizinstudierenden für diese Herausforderungen besser vorzubereiten, ergänzte Mang 2007 sein Vorlesungsangebot um den freiwilligen 'Dr. House-Kurs'. Dieser erhält seit Jahren anhaltend eine positive Resonanz. Fernsehen und Lernen zu verbinden, ist eine interessante Methode, um theoretische Lehrinhalte fast spielerisch zu vermitteln.

Foto: Peter Pulkowski