Experte im Gespräch: Prof. Dr. Kortmann über Strahlentherapie

Prof. Dr. Rolf Dieter Kortmann ist Klinikdirektor im Fachbereich Strahlentherapie und Radioonkologie der Uniklinik Leipzig. Im Interview sagt er, auf was er bei Bewerbern für Assistenzstellen achtet und verrät außerdem die Stundenzahl seiner eigenen Arbeitswoche.

Prof. Kortmann

Prof. Dr. med. Kortmann | Stefan Straube/Universitätsklinikum Leipzig

Herr Prof. Kortmann, Sie haben sich auf das innovative medizinische Feld der Strahlentherapie spezialisiert. Welche Vorteile hat es gegenüber anderen Fachrichtungen?

Die Strahlentherapie stellt nach der Operation den wichtigsten Grundpfeiler in der kurativen Krebstherapie dar. Das Fach wird von Interdisziplinarität geprägt, so dass eine enge Verbindung zu anderen onkologisch ausgerichteten Fächern besteht. Hierdurch bietet das Fach einen sehr breiten Überblick über die gesamte Onkologie. 

Wie kam es dazu, dass Sie sich für diesen Fachbereich entschieden haben?

Die herausragenden Möglichkeiten der modernen Radioonkologie, die modernste Technologien, moderne bildgebende Verfahren und medikamentöse Therapien einschließt, ermöglichen eine zunehmend präzisere und effektivere Behandlung. Dies erschien mir höchst attraktiv.

Die Weiterbildung für den Facharzt für Strahlentherapie dauert 5 Jahre. Welche fachlichen Inhalte finden bei Ihnen eine besondere Beachtung?

Die Weiterbildung zum Facharzt für Strahlentherapie integriert die modernen Bestrahlungstechniken mit zusätzlichen Systemtherapien sowie die Verwendung innovativer Krebsmedikationen. Ferner besitzt die Strahlentherapie in der palliativen onkologischen Therapie einen wichtigen Stellenwert. Die Ausbildung folgt einem detaillierten, umfassenden Curriculum und schließt die Diagnose, Therapie und Nachsorge nahezu aller existierenden Tumorerkrankungen ein. Die Weiterbildung zum Facharzt für Strahlentherapie ist daher sehr anspruchsvoll.

Die Strahlentherapie ist heute effektiver geworden als früher. Eine Schwerionentherapie wäre vor ein paar Jahrzehnten noch undenkbar gewesen. Welche wissenschaftlichen Durchbrüche haben Ihre Arbeit seit Ihrer Studienzeit verändert?  

In den letzten ca. 3 Jahrzehnten erfuhr das Fach Radioonkologie einen durchgreifenden Wandel durch die Einführung computergestützter Bestrahlungsplanungen und –durchführungen, die eine zunehmend präzisere Strahlenbehandlung erlauben. Im Gefolge haben sich die Heilungsraten bei vielen Tumorerkrankungen deutlich verbessert. Die Entwicklungen wurden begleitet von einer zunehmenden Integrierung von medikamentösen Tumortherapien. In Zukunft sind weitere Verbesserungen in der Tumortherapie bedingt durch die Weiterentwicklungen in der Radioonkologie zu erwarten. Hierzu gehört zum Teil auch die Einführung der sogenannten Schwerionentherapie. 

Gibt es im Fachbereich der Strahlentherapie vergleichsweise mehr Innovationen? Muss ein praktizierender Strahlentherapeut mehr Zeit damit verbringen sich über neueste Entwicklungen zu informieren als ein anderer Facharzt?

Die Radioonkologie als interdisziplinär aufgestelltes Fach umfasst generell die gesamte Onkologie, so dass eine ständige Weiterbildung Grundvoraussetzung ist, die in erster Linie an Einrichtungen innerhalb von Universitätsklinika am optimalsten verfolgt werden kann.

 

Auf was achten Sie bei Bewerbern für Assistenzstellen an Ihrer Klinik?

Eine schnelle Auffassungsgabe, die Bereitschaft eigenständig Arbeiten zu übernehmen, Initiative zu entwickeln, sich unbekannte Gebiete zu erarbeiten, gehören meiner Ansicht nach zu den Grundvoraussetzungen, um das Fach Radioonkologie auszufüllen. Aufgrund der ausgeprägten interdisziplinären Vernetzung mit anderen Fächern gehören hierzu daher auch die Fähigkeiten zur Kommunikation und zu konstruktiven Dialogen. Außerdem werden hohe Anforderungen an die soziale Kompetenz gestellt. Häufig sind die betroffenen Patienten schwer erkrankt, so dass eine besondere Fähigkeit im Patientenumgang erforderlich ist, um den entsprechenden Bedürfnissen gerecht werden zu können.

Leipzig ist eine attraktive Stadt. Hier gibt es noch günstigen Wohnraum und ein reichhaltiges Kulturangebot. Hat das städtische Umfeld bei Ihrer Berufswahl eine Rolle gespielt?

Die Größe und Attraktivität der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie hat hierbei die wichtigste Rolle gespielt. Das herausragende Kulturangebot und der günstige Wohnraum sind hierbei natürlich auch nicht zu vernachlässigen.

Sie tragen als Klinikdirektor eine große Verantwortung. Wie viele Stunden hat Ihre Arbeitswoche durchschnittlich?

Aufgrund der umfassenden Arbeitsgebiete, die klinische Regelversorgung, Forschung und Lehre umfassen, liegt die wöchentliche Arbeitszeit in der Regel über 60 Stunden.

Wenn es nicht der Fachbereich der Strahlentherapie geworden wäre, für welche Spezialisierung hätten Sie sich entschieden? 

Diese Frage lässt sich nur sehr schwer beantworten. Auch retrospektiv und unter Beachtung von Alternativen sehe ich aktuell keine Alternative zu diesem Fach, die für mich attraktiv wäre.

Herr Prof. Kortmann, vielen Dank für das Interview.