Berlin: Erste Portalpraxis im Unfallkrankenhaus eröffnet

Um die immer stärker aufgesuchten Rettungsstellen am Wochenende zu entlasten, öffnet in Berlin eine erste sogenannte Portalpraxis. Möglich macht dies eine Vereinbarung zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin (KV Berlin) und dem Unfallkrankenhaus Berlin (ukb).

UKB

Das Pilotprojekt am ukb soll dazu beitragen, dass die Rettungsstellen Zu sprechstundenfreien Zeiten entlastet werden. | Sebastian Wallroth/CC

Diese Vereinbarung regelt in einem Pilotprojekt den Einsatz von Vertragsärzten im Krankenhaus.Nötig gemacht hat diesen Schritt das folgende Phänomen: Nicht nur viele Berlinerinnen und Berliner kennen das aus eigener Erfahrung.Sie benötigen am Wochenende dringend ärztliche Hilfe, kommen in die Rettungsstelle eines Krankenhauses und müssen dort erst einmal warten – oft über mehrere Stunden.

Immer mehr Patienten ohne Notfall

Die Rettungsstellen der Krankenhäuser verzeichnen seit einigen Jahren einen stetigen Anstieg von Patientenzahlen und geraten so zunehmend an die Grenze ihrer Kapazität. Ein Grund dafür ist, dass viele Patienten Hilfe von Klinik-Ärzten in Anspruch nehmen, bei denen gar keine sofortige, dringende Notfall-Behandlung erforderlich ist. Sie könnten ebenso von einem niedergelassenen Arzt ambulant behandelt werden. Sie binden aber oft Ressourcen beim Krankenhauspersonal, die für eingelieferte Akut-Kranke und Schwerverletzte benötigt werden. Erstmals in Berlin gehen das BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin und die Kassenärztliche Vereinigung Berlin neue Wege, um für dieses Problem Abhilfe zu schaffen: Im ukb entsteht eine sogenannte Portalpraxis. 

Zu sprechstundenfreien Zeiten an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 10.30 bis 22.30 Uhr versorgen Vertragsärzte der KV Berlin in den Räumlichkeiten des ukb Patienten, bei denen keine Behandlungsdringlichkeit besteht. Bei Bedarf können die KV-Ärzte auf die Diagnostik des ukb zurückgreifen.

Akute Notfälle werden weiter von den Spezialisten des ukb versorgt, bei nicht so schwer betroffenen Kranken oder Verletzten erfolgt die Behandlung durch erfahrene Fachärzte der Kassenärztlichen Vereinigung. „Diese Regelung ist für alle Patienten ein Gewinn: Patienten ohne Dringlichkeit werden in der Regel früher als bisher untersucht, weil sie nicht warten müssen, bis die akuten Notfälle versorgt wurden. Das Klinikpersonal kann sich noch intensiver um die Schwerkranken und Schwerverletzten kümmern“, sagt Prof. Dr. Axel Ekkernkamp, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des Unfallkrankenhauses Berlin. 

Pilotprojekt soll Rettungsstellen entlasten

Dr. Angelika Prehn, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin: „Mit diesem Pilotprojekt wollen wir dazu beitragen, die Rettungsstellen zu entlasten. Leicht erkrankte oder verletzte Patienten sind bei den KV-Ärzten im Rahmen der Portalpraxis bestens aufgehoben. Gemeinsam mit dem ukb stärken wir die ambulante Behandlung durch eine Notdienstpraxis, so wie das im Krankenhausstrukturgesetz ausdrücklich vorgesehen ist.“ Dr. Uwe Kraffel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin, ergänzt: „Die Eröffnung der Portalpraxis am ukb ist nur ein erster Schritt. Als KV Berlin werden wir in den nächsten Monaten flächendeckend Portalpraxen in Berlin aufbauen.“ 

Lob für den Kooperationsvertrag zwischen der KV Berlin und dem ukb kommt auch von Gesundheitssenator Mario Czaja: „Seit langem habe ich mich in den zuständigen Gremien für die Einrichtung von Portalpraxen eingesetzt. Umso mehr freue ich mich, dass das Unfallkrankenhaus Berlin in Kooperation mit der KV Berlin Vorreiter für die erste Notdienstpraxis dieser Art  in der Hauptstadt ist.“

Quelle: Unfallkrankenhaus Berlin, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit