Ausreichend Schlaf macht schlank

Wer zu wenig schläft, isst im Durchschnitt 385 Kalorien mehr am nächsten Tag. Das haben Forscher des King´s College London in einer Meta-Analyse herausgefunden.

Schlafende Frau

Ausreichend Schlaf macht nicht nur schön, sondern auch schlank | Franz Pfluegl/Fotolia

Die Autoren des im European Journal of Clinical Nutrition veröffentlichten Artikel beziehen sich auf Ergebnisse aus 11 Studien mit insgesamt 172 Teilnehmern. Dabei legten sich die Teilnehmer/Innen der Kontrollgruppe sieben bis maximal zwölf Stunden zur Ruhe. Interessant ist in diesem Zusammenhang das veränderte Essverhalten der Testpersonen. Unter Schlafentzug wurde am nächsten Tag nicht mehr Energie verbraucht, trotzdem nahmen jene Teilnehmer mit weniger Schlaf fettreichere und proteinärmere Nahrung zu sich. Die Kohlenhydratmenge blieb gleich, so die Autoren der Studie. 

Schlafmangel befördert Insulinresistenz

Sebastian M. Schmid, Leiter der Endokrinologie, Diabetologie & Internistischen Adipositasmedizin der Universitätsklinik I in Lübeck, dürften die Ergebnisse der Studie nicht überraschen. „Jede Stunde weniger Schlaf pro Tag ist in epidemiologischen Studien mit einer Zunahme von Übergewicht, Typ-2-Diabetes, erhöhten Cholesterinwerten und einem Bluthochdruck verbunden“, so Schmid. Auch Schmid hat mit anderen Forschern im Schlaflabor das Schlafverhalten von Probanden erforscht und bei einer Störung des normalen Tag-Nacht-Wechsels schon nach wenigen Tagen eine hormonelle Störung festgestellt. „Die Patienten haben erhöhte Blutzuckerwerte, obwohl sie vermehrt Insulin produzieren“, sagt Schmid. Diese Störung wird als Insulinresistenz bezeichnet. 

Bei unzureichendem Schlaf kann der Hormonhaushalt des Sättigungshormons Leptin und des appetitfördernden Hormons Ghrelin gestört werden, was einen größeren Appetit zur Folge hat. Während man auf Karotten oder andere gesunde Nahrungsmittel keine Lust hat, würden Menschen mit Schlafmangel bevorzug energiedichte Lebensmittel wie Chips oder Schokoladenriegel essen, so Sebastian M. Schmid. „Die Studien zeigen, dass Schlafmangel Hunger, Appetit und letztlich auch die Nahrungsaufnahme steigern kann“, betont der Lübecker Endokrinologe.

Zu viel Schlaf ist auch nicht gesund

Matthias M. Weber, Leiter der Endokrinologie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, sagt, dass mehr als neun Stunden Schlaf pro Nacht allerdings auch nicht gesund sind. Studien würden belegen, dass mit einem Zuviel an Schlaf die gleichen ungünstige Folgen wie bei Schlafmangel auftreten, sprich Übergewicht und Diabetes. Besonders gefährdet seien Langschläfer, die sich wenig bewegen. Eine optimale Balance von Aktivität und Ruhephasen, genügend Bewegung und wenig Stress führten automatisch zu einem gesunden Schlafverhalten und damit zu einem ausgeglichenen Stoffwechsel, so Weber. 

Quelle: Deutsches Ärzteblatt

Prof. Dr. Andreas Fritsche ist Inhaber des Lehrstuhls für Ernährungsmedizin und Prävention im Bereich Diabetologie des Universitätsklinikums Tübingen. Im Interview erzählt er, warum die Diabetologie eine der schwierigsten Disziplinen innerhalb der Inneren Medizin ist und wie Assistenzärzte trotzdem zu Erfolgserlebnissen kommen.

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