Chirurgie: Umgangston kann gewöhnungsbedürftig sein

PD Dr. Bernd Hohendorff, Elbe Klinikum, Stade, stellte beim Operation Karriere-Kongress in Hamburg das Chirurgie-Handwerk vor und erzählte den Zuhörern, worauf sie sich freuen dürfen, aber auch, worauf sie sich gefasst machen müssen.

Hohendorff

PD Dr. Bernd Hohendorff | Reinhart

"Spezialisten sind gefragt. Es ist heute nicht denkbar, dass sie mal ein feines Blutgefäß operieren, dann mal etwas am Gehirn machen und später ein Herz transplantieren", sagte PD Dr. Hohendorff auf dem Operation Karriere Kongress in Hamburg. Nach der zweijährigen Basisausbildung folgen in der Chirurgie ein Jahr in einer assoziierten Disziplin und dann drei Jahre Fachspezialisierung. Hohendorff hält die Chirurgie in erster Linie für ein Handwerk, für das ein gewisses Talent auf jeden Fall vorhanden sein muss. "Niemand wird 'einfach so' Chirurg".

"Operieren macht dumm" sei ein gängiges Klischee über die Chirurgie. Dazu sagte Hohendorff, dass es tatsächlich meist ungewöhnlich sei, nach einer mehrstündigen OP am Abend noch in ein Buch zu schauen. Diese Einstellung sei jedoch falsch. Die Chirurgie sei auch ein theoretisch-autodidaktisches Fach und bis zum Lebensende eng mit der Anatomie verbunden. "Erst wenn Sie sich darauf einlassen und ständig neue Erfahrungen sammeln, aber auch selbst die Literatur bemühen, werden Sie ein guter Chirurg", sagte Hohendorff.

Immer auf Achse

Der Chirurg sei im Krankenhaus immer unterwegs zwischen Notaufnahme, Station, Intensivstation usw. Die Tätigkeit sei vielseitig und interessant. Die Hierarchie sei nach wie vor sehr wichtig. Dies sei historisch gewachsen und werde durchaus an einigen Häusern noch so gelebt. "Der Umgangston kann gewöhnungsbedürftig sein", sagte Hohendorff. Die Dienstbelastung eines Chirurgen sei hoch, Dienst nach Plan sei daher nicht machbar. Auch auf die Arzthaftung müsse ein Chirurg sich einstellen. Chirurgische Eingriffe sind Körperverletzung mit Einwilligung und der Vorwurf eines Behandlungsfehlers kommt vor. Hohendorff: "Darauf müssen Sie gefasst sein!"

Der Stress hinterlasse durchaus seine Spuren, eine physische und psychische Robustheit muss vorhanden sein. "Mit guten Arbeitsbedingungen und Kollegen stehen Sie das durch." Hohendorff empfahl den Zuhörern, an andere Orte, in andere Länder zu gehen und Erfahrungen zu sammeln. Außerdem müsse man sich früh genug überlegen, was man will. Hohendorff weiß: "Auch die sechsjährige Facharztausbildung geht schnell vorbei!"

Quelle: PD Dr. Bernd Hohendorff, Leitender Arzt Handchirurgie, Abteilung für Hand-, Ästhetische und Plastische Chirurgie, Elbe Klinikum, Stade: "Chirurg werden - Kein Durchschnittsjob" auf dem Operation Karriere-Kongress in Hamburg, 16.06.2017.

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