Welche Berufsvorstellungen haben Medizinstudenten?

Auf dem Operation Karriere-Kongress in Frankfurt stellte Nina Walter, Ärztliche Leiterin Stabsstelle Qualitätssicherung und stellvertretende ärztliche Geschäftsführerin der Landesärztekammer (LÄK) Hessen, erste Ergebnisse verschiedener Befragungen vor.

Nina Walter

Nina Walter stimmte die Teilnehmer mit dem Impulsvortrag auf den Kongress ein. | Klemt / Ulrich Schepp Fotografie

Zum Abschluss ihres Studiums sind Hessens Ärzte – nach 13 Fachsemestern – fast 28 Jahre alt. „Relevante Zeiten werden vor Beginn des Studiums verschenkt, durch Wartezeiten und NC-Effekte. Das Signal an die Politik ist: Hier gehen Jahre ärztlicher Arbeitszeit verloren, die uns nachher nicht zur Verfügung stehen“, kritisiert Walter.

Stabile Berufswünsche bei angehenden Medizinern

Alles in allem sind die Vorstellungen und Pläne von jungen Medizinern über ihre spätere Berufstätigkeit extrem stabil. „Schon mit dem Abitur haben viele eine genaue Vorstellung davon.“ Das medizinisch-wissenschaftliche Interesse, die vielseitige Tätigkeit und der Umgang mit Menschen sind die Hauptmotive, diesen Beruf zu ergreifen. Zu Studienbeginn planen rund 40 Prozent eine ärztliche Tätigkeit in einem Krankenhaus, etwa jeder Fünfte eine Niederlassung als Facharzt und immerhin 8 Prozent wollen sich als Hausarzt niederlassen. Am Ende des Studiums haben sich diese Vorstellungen kaum geändert.

Aber nicht alle Ergebnisse der LÄK zeigen eine so hohe Konstanz wie die beruflichen Vorstellungen der jungen Ärzte. Im Krankenhaus verstärkt sich der Trend, dass zunehmend weniger Ärzte als Chefarzt arbeiten möchten. Eine Tätigkeit als Oberarzt ist hingegen für viele vorstellbar.

Walter räumt auch mit ein paar „Mythen“ auf: „Es stimmt nicht, dass Mediziner nicht als Arzt arbeiten wollen. Nur 2 Prozent überlegen, nach dem Studium nicht als Arzt tätig sein zu wollen.“ Ebenso wenig sei wahr, dass die Abbrecherquote bei Medizinstudierenden hoch sei. „Im Gegenteil, mit rund 5 Prozent ist sie bei Medizinern innerhalb der anspruchsvollen Studiengänge am geringsten.“

Anteil ausländischer „ÄiW“ steigt

Die LÄK Hessen erhebt außerdem Zahlen zu Ärzten in Weiterbildung (ÄiW). Das ist möglich, weil die hessische Weiterbildungsordnung alle Weiterbildungsermächtigte verpflichtet, die sich bei ihnen in Weiterbildung befindlichen Ärzte gegenüber der Kammer anzuzeigen. In Hessen befinden sich aktuell rund 5400 Ärzte in Weiterbildung, sie sind im Schnitt 35 Jahr alt. Die meisten arbeiten später in der Inneren Medizin (29,3 Prozent), in der Chirurgie (17,3 Prozent) und der Anästhesiologie (10,2 Prozent). „Offensichtlich wird nach dem Studium das gemacht, was man während des Studiums beabsichtigt hatte.“

Die Ergebnisse zeigen noch einen weiteren Trend: Bei den ÄiW steigt seit Jahren der Anteil von Ärzten mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Im Jahr 2015 waren es rund 22 Prozent, Tendenz weiter steigend. Etwa die Hälfte davon sind Nicht-EU-Bürger. „Eine Herausforderung“, meint Walter, nicht nur logistischer Art für die LÄK Hessen, sondern auch für Politik und die einzelnen Kliniken.

Operation Karriere Frankfurt, 11.02.2017. Impulsvortrag „Beruf und Karriere – Was junge Mediziner wirklich wollen“, Nina Walter, Leiterin Stabsstelle Qualitätssicherung und stellvertretende ärztliche Geschäftsführerin, Landesärztekammer Hessen, Frankfurt a.M.