"SmartHands": Manuelle Behandlungen üben am Hologramm

Wer Ärztin oder Arzt wird, muss seine Patienten auch berühren – sei es für die Diagnose oder bestimmte Therapien. Mit dem "SmartHands"-Projekt können angehende Mediziner die richtigen Handgriffe künftig virtuell üben.

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Das Projekt  "SmartHands" richtet sich nicht nur an Medizinstudierende, sondern soll beispielsweise auch in der Physiotherapie-Ausbildung zum Einsatz kommen. Die Idee: Künftig sollen reale Untersuchungs- und Therapiesituationen mit Virtual- und Augmented-Reality-Brillen sowie sogenannten Smart Wearables für die Hände geübt werden. Auch erfahrene Medizinerinnen und Mediziner sollen so regelmäßig ihren Tastsinn und ihr diagnostisches Gespür trainieren. Die Brillen und Wearables erkennen die Hände der Lernenden und erlauben dadurch eine natürliche Interaktion mit der Projektion. So können die Studierenden ohne Beteiligung echter Patientinnen und Patienten lernen, welchen Druck sie ausüben müssen, wie spezielle Handgriffe funktionieren oder wie sich bestimmte Krankheitsbilder mit Hilfe der Hände diagnostizieren lassen.

Ziel des Projekts ist es, in den kommenden drei Jahren ein manualmedizinisch-medienpädagogisches Konzept und eine Lehr-Lern-Plattform zu entwickeln. Dort soll es möglich sein, reale Situationen im virtuellen Raum zu simulieren. So wird den Nutzerinnen und Nutzern beispielsweise ein interaktives, dreidimensionales Lernszenario als Hologramm in die Umgebung projiziert. Die Studierenden können dann die Projektion "betasten" um mit ihr interagieren. Die notwendigen Schritte werden visuell dargestellt. Dadurch kann das Lehrpersonal überprüfen, dass alle Schritte korrekt ausgeführt werden und notfalls mit Korrekturen eingreifen.

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„Die Akzeptanz von interaktiven Formaten und digitalen Medien bei Lehrenden und Studierenden wächst stetig. Daher ist es für uns sehr wichtig, herauszufinden, wie dies auch in einem Bereich der Medizin gelingen kann, der sich auf manuelle Fähigkeiten und Fertigkeiten gründet“, erklärt Prof. Dr. Karl-Stefan Delank, Direktur des Departments für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Universität Halle-Wittenberg, der das Projekt leitet.

Das Verbundprojekt "SmartHands" ist am 1. Mai 2020 gestartet und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit insgesamt 2,6 Millionen Euro gefördert. Mit dabei sind unter anderem die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die Alice Salomon Hochschule Berlin und das Center for Cognitive Science der Technischen Universität Kaiserlautern.

Angedacht ist, dieses virtuelle Training in die bestehenden Curricula zu integrieren und einen Standard für die Lehre zu etablieren. So soll beispielsweise das theoretische Wissen in funktioneller Anatomie ergänzt werden. Gleichzeitig sollen die Lehrenden in die Lage versetzt werden, zu coachen, zu korrigieren und die Leitung der Studierenden zu bewerten. Vorstellbar sind beispielsweise Lern-Szenarien im Bereich der Intensivmedizin und Schmerztherapie, aber auch in der Ergo- und Sporttherapie.

Im April 2023 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (25.6.2020), Alice Salomon Hochschule Berlin (20.5.2020)