PJ-Blog: Meine asoziale, elitäre Grundimprägnierung

Nach reichlich Theorie im Studium endlich im PJ in den Alltag eines Arztes eintauchen – ein Traum für jeden Medizinstudenten – oder? Fräulein Licht berichtet regelmäßig auf www.operation-karriere.de von ihren Erfahrungen an der Klinik. Teil 49: "Meine asoziale, elitäre Grundimpregnierung".

Fräulein Licht

Operation Karriere-Bloggerin Fräulein Licht

Liebes Krankenhaus,

heute ist ein furchtbarer Tag! Erst saß ich mit im Gesprächszimmer, als dem Patienten von gestern seine tödliche Diagnose gesagt worden ist (und, wie ALS-Patienten typischerweise sind, war er auch noch ein sehr sympathischer Mensch). Und dann musste ich feststellen, dass meine Kommilitonen so sind, wie immer (ja, Menschen ändern sich wirklich nicht) – völlig unsozial und egoistisch. Ich brauchte da heute echt Trost und ein Famulant, der auch gerade auf der Neuro arbeitet, meinte nur, ja, ist halt so, du kennst den doch gar nicht. Und Anna berichtete mir ganz freudig von ihrem tollen neuen Freund Ben und hach, wie glücklich sie doch sind. Aber vielleicht haben sie ja Recht. Vielleicht sollte man einfach kein Mitgefühl mit seinen Patienten haben. Das eigene Leben ist ja anscheinend das Wichtigste überhaupt. Aber noch kann mein Herz da nicht so ganz skrupellos mitmachen.

Patienten sind Menschen und jeder einzelne von ihnen verdient es, dass man Anteil an seinem Schicksal nimmt. Natürlich nicht bis zur Selbstaufopferung. Aber so ganz ohne Emotion, finde ich, geht es auch nicht, dann kann man nämlich auch in einer Fabrik Motoren zusammenschrauben. Aber wir behandeln Menschen, mit einem eigenen Schicksal. Und ich finde, wir sollten bis zu einem gewissen Grad auch Anteil nehmen. Aber was sag ich, schon im Studium wird der Sozialgedanke systematisch ausgetrieben. Alleine lernt es sich am besten und wenn man sich seinen Weg mit den Ellenbogen bahnt, ist man erfolgreich.

Fräulein Licht (25) studiert Medizin in Münster und erzählt in diesem Blogbeitrag über ihre Erfahrungen im PJ. Alle Blog-Inhalte beruhen auf den Erfahrungen der Bloggerin und geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Namen von eventuell vorkommenden Personen wurden geändert.

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