PJ-Blog: Mein Sommerfest

Nach reichlich Theorie im Studium endlich im PJ in den Alltag eines Arztes eintauchen – ein Traum für jeden Medizinstudenten – oder? Fräulein Licht berichtet regelmäßig auf www.operation-karriere.de von ihren Erfahrungen an der Klinik. Teil 55: "Mein Sommerfest".

Fräulein Licht

Operation Karriere-Bloggerin Fräulein Licht

Liebes Krankenhaus,

heute findet das alljährliche Betriebssommerfest des Krankenhauses statt und wir als PJler sind auch dazu eingeladen (aber nur, weil wir beim Aufbau der Tische im Hof geholfen haben). Unser italienischer Assistenzarzt hat seine Freundin mitgebracht, da sie beide ihr 5-jähriges Zusammensein feiern wollen (und beim Sommerfest gibt es schließlich kostenfreies Essen vom Pharmahersteller, wie auch in der Scrubs-Folge, als der Pharmahersteller Plomox eine Steak-Night sponsert und Turk seine Freundin Carla zu einem romantischen Liebesjubiläum einlädt, weil alles gratis ist).

Neben den Verliebten waren auch die Kinder des Oberarztes da. Sie haben mir erzählt, was sie an dem Tag im Kindergarten (ja, sie gehen aus antiautoritären Erziehungskonzepten der Eltern in den Waldorf-Überwasserkindergarten) Tolles gemacht haben, nämlich gebastelt. Aber als ich dann nach Schmetterlingen oder Tieren aus Papier fragte, schauten sie mich verwundert an und meinten, neeeiiinnn, so was doch nicht, das basteln doch nur Babys. Wir haben heute etwas viieeell cooleres gebastelt, nämlich einen Panzer aus Pappmaschee…und da kam auch schon der Vater und holt seine Kinder ganz schnell nach Hause. Ein interessanter Kindergarten, so realitätsgetreu und vielseitig… ;)

Dann gab es noch eine „Notfall“-Aufnahme auf der Stroke-Unit: Hier hatte der Hausarzt allen Ernstes einen Patienten eingewiesen, weil er bei seiner nachmittäglichen Quizshow plötzlich nicht auf die Antwort einer Frage gekommen ist. Und, zack, da stand schon die ganz eindeutige Diagnose Aphasie auf dem Einweisungsschein. Jetzt geht es ihm aber wieder gut, nur diese Antwort auf die Frage wollte ihm partout nicht einfallen. Aber immer, wenn man denkt, schlimmer geht es schon fast gar nicht mehr, da kommt irgendwo ein Privatpatient her. Und so kam es dann natürlich auch. Sie kam wegen eines verklebten Auges, das so schmerzhaft ist, dass sie sich gar nicht traut, es auch nur zu berühren. Aber wir sollten da jetzt was machen. Zuerst schlug ich turfen an die Augenärzte vor, dann kam aber der Einwand, dass bei ihr ganz wahrscheinlich einfach ein massiver psychischer Schaden vorliegen muss (was ja wiederum einen gemeinen Back Turf verursacht hätte). Tja, gut, dass der PJler da ist, um auch solche Probleme mit Wasser und einem Wattepad zu lösen. :)

Fräulein Licht (25) studiert Medizin in Münster und hat Ende 2015 ihr Praktisches Jahr an der Klinik begonnen. Alle Blog-Inhalte beruhen auf den Erfahrungen der Bloggerin im PJ und geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Namen von eventuell vorkommenden Personen wurden geändert.

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