PJ-Blog: Der russische Patient

Nach reichlich Theorie im Studium endlich in den Alltag eines Arztes eintauchen – ein Traum für jeden Medizinstudenten – oder? Christiane Licht berichtet hier regelmäßig von ihren Erfahrungen als Ärztin im In- und Ausland. Teil 70: "Der russische Patient".

Christiane Licht entschied sich nach ihrem 3. Staatsexamen für Work & Travel als Ärztin.


Liebes Krankenhaus,

Jetzt bin ich in Vladivostok. Das medizinische Zentrum hier ist sehr schick, genauso wie die gesamte Klinik. Heute ist mein erster Tag. Wir beginnen um 9 Uhr mit der Arbeit. Zuallererst treffen sich aber alle Work&Travel Leute und die Medizinstudenten der Uni im Konferenzraum. Dort begrüßt uns der Chefarzt auf Russisch und teilt uns in Gruppen ein. Wir sind insgesamt 12 Personen. Natürlich können aber nicht alle gleichzeitig einen Patienten aufnehmen und behandeln. Daher werden wir in Dreiergruppen aufgeteilt. Jedem Dreierteam steht ein Arzt als Ansprechpartner zur Verfügung. Dieser geht kurz zu den einzelnen Patienten und schätzt ein, ob das ein Notfall ist, oder ob wir diesen Patienten aufnehmen dürfen.

Ich bin jetzt, allein schon vom Zuhören, von diesem Konzept begeistert. Und auch von meinem Arzt. Der lädt uns nämlich erstmal kurz auf einen Kaffee ein, bevor wir den ersten Patienten aufnehmen dürfen.

Heute behandeln wir einen 23-jährigen männlichen Patienten mit Infantiler Zerebralparese. Er sitzt im Rollstuhl und ist mit seinem Vater in der Ambulanz. Er ist ein netter junger Mann, der unter Spastiken leidet und starke Probleme beim Sprechen hat. Heute soll die Baclofenpumpe bei ihm wieder aufgefüllt  werden.

Und jetzt diskutieren wir zu dritt, was wir den Patienten alles fragen müssen (Probleme bei der letzten Befüllung, Beschwerden, Verbesserungen, etc.) und wie man eigentlich so ein Ding wieder auffüllt. Wie gut, dass es das Internet gibt! Nach 10 Minuten können wir unserem Arzt den Patienten vorstellen und das weitere Vorgehen erläutern. Er lobt uns, für unsere gute Anamnese und dafür, dass wir nachgeschaut haben, wie man eigentlich die Pumpe befüllen kann. Auch haben wir schon alle Utensilien dazu bereit gelegt. Und dann wird kurz in einem spannenden Schnick-Schnack-Schnuck-Duell ausgemacht, wer von uns Dreien die Pumpe mit Hilfe unseres Arztes befüllen darf. Meine Schere hat diesmal leider verloren. Dafür darf mein Kollege Oleg das machen. Und er macht es gut, für seinen ersten Versuch. Das wichtigste aber, unser Patient und auch sein Vater sind sehr zufrieden mit unserer Arbeit!

Christiane Licht hat in Münster Medizin studiert und schildert hier ihre erste Arbeitserfahrungen als Ärztin. Alle Blog-Inhalte beruhen auf den Erfahrungen von Christiane Licht und geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. 

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