Studieren im Ausland: Nepal – Medizin in den Bergen

Abgesehen von den medizinischen Aspekten war die Famulatur aber auch aus anderen Gründen ein unvergessliches Erlebnis: Ärzte, Krankenschwestern und Medizinstudenten aus aller Welt nehmen den langen Weg nach Amppipal auf sich, um im Bergkrankenhaus für einige Wochen oder Monate zu arbeiten. Vom Austausch mit ihnen habe ich sehr profitiert. Es sind Freundschaften entstanden, die sicherlich noch lange fortbestehen werden. An den Nachmittagen und Samstagen blieb zudem oft freie Zeit, die problemlos mit Erkundungstouren in die Umgebung zu füllen waren. Aufgrund der Lage am Fuße des Annapurna und Manaslu-Massivs boten sich Wanderungen in das hügelige Vorland an.

Besondere Höhepunkte sind in Nepal jedoch die Feste

Jeder Besucher dieses kleinen, zwischen China und Indien eingeklemmten Berglandes wird schnell feststellen, dass Nepalesen – aus welchem Anlass auch immer – sehr gerne Feste feiern und Reden halten (vor allem die Männer). Ein aufregendes Ereignis zu Beginn des Oktobers ist der Ligligkot-Marathon. Sein Hintergrund: In früherer Zeit musste der nepalesische König seine Macht verteidigen, indem er aus diesem Rennen zum Gipfel des Ligligkots als Sieger hervorging. Dieser Lauf ist eine Veranstaltung, zu der Nepalesen aus dem ganzen Land anreisen, und ich bekam dank der Unterstützung von Nepalmed die Gelegenheit, daran teilzunehmen. Ein anstrengendes, aber dennoch einmaliges Erlebnis: Obwohl der Start der Frauen eigentlich um sieben Uhr am Morgen erfolgen sollte, ging es erst gegen neun Uhr los. Die ersten drei Läuferinnen von einem Leichtathletikverein aus Kathmandu sprangen beim Startschuss wie nepalesische Bergziegen die steile und steinige Straße hinauf. Ich sah sie erst im Ziel wieder.

Doch angetrieben von einem tollen Publikum lief und kletterte ich zum Ligligkot hoch. Unterwegs reichte man mir immer wieder Wasser und Bananen. Der Lauf war ein Höhepunkt der Famulatur: Als ich auf die Zielgerade in Form von vielen und hohen Steinstufen einbog, kam mir ein ohrenbetäubender Lärm entgegen und die Nepalesen feuerten mich aus ganzen Herzen an. Kaum im Ziel angekommen, musste ich mich sofort für Fotos zur Verfügung stellen. Die Menschen freuten sich sehr, dass jemand aus der Kategorie „Foreign people“ am Lauf teilgenommen hatte. In dieser Wertung hatte ich als einzige Läuferin natürlich den ersten Preis gewonnen!

Nepalmed e.V.

Nepalmed e.V. ist eine im Jahr 2000 von dem deutschen Internisten Dr. med. Arne Drews gegründete Hilfsorganisation, die nepalesische Initiativen auf dem Gebiet der Medizin und des Gesundheitswesens fördert. Besonders Aus- und Weiterbildung von medizinischem Personal sowie die Finanzierung von Instandhaltungsmaßnahmen der Krankenhäuser in Nepal werden von Nepal med unterstützt, wobei Amppipal Hospital das Hauptprojekt ist. Das Hospital ist staatlich, der Haushalt setzt sich jedoch vor allem aus Einnahmen aus der Behandlung und Spenden von Nepalmed zusammen. Seit Ende 2012 kooperiert Nepalmed mit der Patan Academy of Health Sciences (PAHS), die einen erfahrenen nepalesischen Arzt für das Amppipal Hospital stellt, dessen Gehalt weitgehend von Nepalmed finanziert wird. Durch die Kooperation mit PAHS ist das Amppipal Hospital zu einem Lehrkrankenhaus avanciert. PAHS entsendet junge Ärzte und Medizinstudierende zu Praktika nach Amppipal. Praktika: Nepalmed freut sich über jedes ernst gemeinte Interesse an der medizinischen Arbeit in Nepal und koordiniert die Vergabe von Famulaturen nicht nur in Amppipal, sondern auch in mehreren Partnerkrankenhäusern. Bewerbungen für Famulaturen unter: work.nepal@gmx.de.

Buchtipp: Nepalmed hat einen eigenen Verlag gegründet: Edition Nepalmed. Dr. med. Arne Drews veröffentlichte dort bereits die Nepal-Krimis „Himalaya Gold“ und „Monsun“. Ein dritter Nepal-Krimi „Dämonen“ soll 2018 erscheinen. Die Einnahmen aus dem Verkauf dieser Bücher gehen an die ehrenamtliche Projektarbeit von Nepalmed e.V.

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