LMU-Dozent: So wird das PJ zum Erfolg

Aktives Nachfragen und Einfordern der festgelegten Lernziele: Das riet PD Dr. med. Matthias Angstwurm, MME, Oberarzt, Leiter der Internistischen Intensivstation und PJ-Sprecher der Fakultät an der LMU, den Studierenden bei seinem Vortrag in München.

Prof. Dr. med. Matthias Angstwurm während seines Vortrags auf dem Kongress Operation Karriere 2015 in München | Foto: Klaus D. Wolf

Wie nützlich das Praktische Jahr (PJ) zur Vorbereitung auf das Arbeitsleben ist, hängt oftmals davon ab, wo der Student ausgebildet wird. „Der PJler wird häufig nicht wertgeschätzt und als billige Arbeitskraft angesehen, er übernimmt Aufgaben ohne Lerneffekt. Darum ist der Lerneffekt im PJ möglicherweise gering“, bestätigte Angstwurm. Er setzt sich für eine Verbesserung der Lehre und der Kommunikation ein: „Wir müssen gemeinsam etwas machen, wir müssen ständig in der Kommunikation sein.“

Die Fakultäten müssten maximal trainiert werden, Lernende und Lehrende müssten motiviert werden und Lerninhalte strukturiert online abrufbar sein. Die entsprechenden Online-Angebote, stellte er fest, würden oft nur unmittelbar vor den Prüfungen genutzt. Im Studium müsse viel gelernt werden, die Zeit dazu sei oft zu knapp bemessen.

Lernziele aktiv einfordern

„Sie brauchen ausreichend Zeit zum Lernen und müssen wissen, was Sie lernen sollen. Das wird in den Lernzielen festgelegt“, sagte Angstwurm. Log-Bücher definieren, was die Lernziele sind. „Das, was da drin steht, können Sie einfordern – auch im Ausland“, so Angstwurm.

Im PJ sollte der Student möglichst viele Fächer kennenlernen. „Wir müssen darüber nachdenken, im PJ Prüfungen durchzuführen. Ein mündlich-praktisches Probeexamen halten 37 Prozent der befragten Studenten für sinnvoll“, regte Angstwurm an. Die Ergebnisse der standardisierten Prüfungen sollten in die Ausbildung zurückgespielt werden.

"Feedforward" statt Feedback

Den PJlern rät er, aktiv ein Feedback einzufordern, seine Studenten ermuntert er offen dazu: „Wir bekommen nie ein Feedback, was wir gut, was wir schlecht machen. Sie sollten sich daran gewöhnen, nachzufragen, etwa am Ende jedes Tages. Das muss objektiv, häufig und strukturiert sein“, sagte er. „Feedforward“ drücke diese Haltung besser aus als der Begriff „Feedback“.

Operation Karriere, 20.06.2015, München. "Lehre und Lernen im klinischen Alltag - Zwischen Anspruch und Wirklichkeit". PD Dr. med. Matthias Angstwurm, MME, Oberarzt, Leiter der Internistischen Intensivstation und PJ-Sprecher der Fakultät an der LMU – Klinikum der Universität München; Foto: Klaus D. Wolf

Welche Möglichkeiten bietet das PJ? Wird ein Auslandsaufenthalt anerkannt? Wie ist die rechtliche Situation, welche Tätigkeiten dürfen ausgeübt werden, welche nicht? Gibt es einen Anspruch auf Vergütung und Urlaub? Erfahren Sie es hier.