Interview mit Idealisten - wie drei Studierende der Medizin die Lehre verbessern wollen

Sie sind derzeit dabei eine Physiologie-App zu entwickeln. Wie bewerten Sie Apps und E-Learning-Produkte grundsätzlich? Grob in Prozent geschätzt: Wie viel Zeit haben Sie in Ihrem Studium mit Apps/Lehrbüchern gelernt?

Kevin de Silva: Ich glaube, dass die heutige Technik die Art und Weise wie wir lernen, revolutionieren kann.
Leider ist das Angebot für Mediziner noch relativ spärlich. Ich habe wahrscheinlich etwa zu 95 Prozent mit Lehrbüchern gelernt, zu 5 Prozent mit Apps. Meine Erfahrung mit Apps beschränkt sich auf einen Anatomie-Atlas und ein Lernprogramm, mit dem ich mich im Moment auf das 2. Staatsexamen vorbereite. Das ist schade. Hier sind uns andere Studiengänge weit voraus.

Was ist der Vorteil von Apps gegenüber Lehrbüchern?

Stephan Schäfer: Apps hat man immer dabei. Sie wiegen nichts, nehmen keinen Platz weg und sind meistens auch günstiger als Bücher. Für Studenten ist das ideal. Dank Smartphone ist es außerdem kein Problem unterwegs zu lernen, wenn man zum Beispiel zur Universität pendeln muss. Außerdem lässt sich eine App einfach updaten, wenn etwas mal veraltet ist.
Ich denke aber, dass der größte Vorteil ein anderer ist: Sie sind interaktiv. In Anatomie könnte man beispielsweise das Bild eines Knochens hin- und herdrehen und sich so ein dreidimensionales Bild verschaffen.
Unsere Physiologie-App soll das Spielen mit der Physiologie ermöglichen. Man könnte sich die Sauerstoffbindungskurve des Hämoglobins anzeigen lassen und sehen wie diese sich ändert, wenn man an der Körpertemperatur herumspielt. Oder man sieht sich die Prozesse im Sammelrohr der Niere an und kann beobachten wie sich die Ionenströme ändern, wenn man den endothelialen Natriumkanal inaktiviert.

Sie reinvestieren Ihre Unternehmenseinnahmen in neue Projekte oder spenden das Geld der Kinderkrebsstiftung. Das Geld treibt Sie nicht an, was ist es dann?

Dhurjati Paul: Auch wenn es sehr idealistisch klingt: Die Vision die Lehre zu verbessern. Ich weiß ja aus eigener Erfahrung, wie schwer das Medizinstudium sein kann. Manchmal ist man am Verzweifeln und weiß nicht, wie man das alles schaffen soll. Fast jeder Student hat solche Phasen.
Ich denke, dass muss nicht sein. Natürlich wird das Studium immer stressig sein. Zum Teil gehört das auch dazu und bereitet einen auf den harten Alltag vor, den man später bewältigen muss. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir zukünftigen Studenten einigen Ballast von ihren Schultern nehmen können. Denn bei allen Prüfungen, allen Seminaren und allem Stress soll das Studium doch auch Spaß machen. Wir haben das Privileg Medizin studieren zu dürfen. Darauf sollten wir auch stolz sein und diesen wichtigen Lebensabschnitt genießen.

Herr Schäfer, Herr de Silva und Herr Paul, vielen Dank für das Interview. 

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Ein Screenshot der Übersichtsseite der App Lass mal kreuzenEin Screenshot einer Lernseite der App Lass mal kreuzenEin Screenshot der Prometheus-App mit Bildern der Anatomie des Kopfes