Global Health: Mehr als ein Nischenfach

Nach Ansicht von einigen Medizinstudierenden ist eine Stärkung der Lehre zu Globaler Gesundheit dringend notwendig. Bereits zwei studentische Veranstaltungen „Global Health at University“ fanden dazu in Berlin und Würzburg statt.

Global Health

Ein Drittel aller Medizinstudierenden absolvierte im Jahr 2013 ein Studienaufenthalt im Ausland. | Pixabay

Globale Gesundheit (Global Health, GH) ist in der Öffentlichkeit und der Politik angekommen. Aber auch Medizinstudierende fordern zunehmend eine Stärkung von Lehre zu Globaler Gesundheit (GH-Education, GHE) in Deutschland. Im November 2016 fand die Veranstaltung „Global Health at University“ an der Charité in Berlin statt, zu deren Ausrichtung sich mehrere studentische Initiativen in eigener Verantwortung unter dem Titel Global Health Deutschlandweit (GHD) zusammengefunden hatten. Ein weiteres Treffen – „Global Health at University II“ – gab es Anfang September in Würzburg. Ziel der Treffen war der Austausch über derzeitige Angebote und Strukturen an Universitäten in Deutschland, die Bündelung aktueller Initiativen sowie die Erarbeitung von Lösungsansätzen zur Überwindung bestehender Barrieren. „Global Health at University“ in Berlin war das erste derartige Zusammentreffen seit dem Treffen von Lehrenden im Rahmen der Global Health Alliance Workshops im Frühjahr 2011.

Die GandHI-Projektteilnehmer fordern mehr GH-Themen im medizinischen Curriculum

Forderungen nach einer stärkeren Verankerung von GH im Medizinstudium sind jedoch nicht neu: Bereits 2009 veröffentlichte GandHI (Globalisation and Health Initiative, das GH-Projekt der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V., bvmd) in einem Positionspapier konkrete Inhalte und methodische Mittel zur Verankerung von GH-Themen im medizinischen Curriculum. Doch deutschlandweit ergibt sich ein sehr lückenhaftes Bild der GH-Landschaft. 2010 gaben fast 90 Prozent aller Medizinstudierenden im fünften und sechsten Studienjahr in einer deutschlandweiten Umfrage an, noch nie an einem GH-Lehrangebot teilgenommen zu haben, wobei sich 94 Prozent gegenüber einer Aufnahme von GH-Inhalten im medizinischen Curriculum aufgeschlossen zeigten. Eine 2016 veröffentlichte Studie zeigt, dass derzeit 33 Angebote zu GHE an 18 von insgesamt 38 Universitätsstandorten bestehen, davon der größte Anteil an medizinischen Fakultäten (42 Prozent). Die Angebote umfassen überwiegend freiwillige und teils durch ehrenamtliches Engagement getragene extracurriculare Aktivitäten. Insgesamt besteht nur an etwa einem Drittel der medizinischen Fakultäten die Möglichkeit, Lehrangebote zu GH zu belegen. Auch im internationalen Vergleich liegt Deutschland als Standort für GHE noch weit hinter den Angeboten in Ländern wie den USA, Großbritannien und Schweden zurück.

Außerdem hat sich gezeigt, dass die Absolvierung von Auslandsaufenthalten, tropenmedizinischen Kursen und GHE-Angeboten mit mehr Interesse und Sensibilität für Aspekte Globaler Gesundheit und sozialer Determinanten von Gesundheit einhergeht und sich Theorie und Praxis auf diese Weise gegenseitig befruchten können. Nach Zahlen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) absolvierten 2013 etwa ein Drittel aller Medizinstudierenden Studienaufenthalte im Ausland.

Dieser Artikel wurde uns zur Verfügung gestellt von