Wege ins Ausland – das ultimative Rezept

Lust auf Medizin? Lust auf andere Kulturen und einen anderen Blickwinkel? Hier gibt es das Rezept, mit dem man ganz leicht und ohne viel Aufwand die beste Zeit seines Lebens fernab von Deutschland erleben kann.

Die Welt

139 Länder, 139 Chancen: Als Arzt ins Ausland | Pixabay

Zitternd stehe ich mit meinem Schnorchel und meinen Tauchflossen am Ende des Steges und blicke hinab auf das blau-grüne Wasser. „Spring endlich, Nadine!“, ertönen die Rufe aus dem Wasser. „Es ist einfach der Hammer!“ Ich schließe die Augen und mache zögerlich einen Schritt nach vorne. Das Wasser ist erfrischend kalt, und als ich die Augen langsam öffne, kann ich gar nicht glauben, welch beeindruckende Schönheit Ägyptens Küste auch unter Wasser zu bieten hat.

Es gibt neben Deutschland 193 Länder auf dieser Erde. Man könnte sagen: 193 andere Meinungen, 193 Mitstreiter, 193 Andersdenker. Für mich waren es immer: 193 Chancen, 193 Träume, 193 Ziele. Als ich vor zwei Jahren anfing, Medizin zu studieren, war klar, dass ich mehr wollte, als Handwurzelknochen und Zellorganellen auswendig zu lernen. Mein Wunsch war es vielmehr, Menschen tatsächlich kennenzulernen. Nicht nur ihre biochemische Zusammensetzung, sondern auch ihre Ideen, ihre Kulturen und ihre Ambitionen. Ich war seitdem auf Malta, in Brasilien, in Mazedonien und in Ägypten und habe Medizinstudierende aus fast allen anderen Teilen der Welt kennengelernt. Jede einzelne Erfahrung hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich nun bin, und ich blicke mit einem Grinsen auf all die tollen Erinnerungen zurück.

Vier ultimative Tipps

  1. Länderliste ganz genau ansehen – wenn man sich auf ein falsches Land bewirbt, bekommt
    man eine Absage!
  2. Möglichst in Länder bewerben, von denen man die Landessprache beherrscht! Oder in die
    Bewerbung schreiben, dass man einen Sprachkurs plant!
  3. Im Motivationsschreiben möglichst detailliert auf das Projekt eingehen und herausstellen,
    warum man gerade dieses gewählt hat!
  4. Extrapunkte im Bewerbungsverfahren bekommt man, wenn man schon ein mal einen Incoming
    betreut hat! Das macht total viel Spaß und ist gar nicht so viel Arbeit – einfach an
    das Austauschteam der Uni wenden!

Einen Rahmen hat meinem Fernweh die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, kurz bvmd, gegeben. Der ehrenamtliche Verein aus Medizinstudierenden bildet nicht nur die Interessenvertretung aller medizinischen Fachschaften in Deutschland, er nimmt auch Teil am internationalen Austausch von Medizinstudierenden. Neben dem Famulantenaustausch gibt es die Möglichkeit, ein Forschungs- oder ein Entwicklungsprojekt im Ausland zu absolvieren. Der Vorteil: Die Kosten für die Unterkunft werden übernommen und vor Ort wird man von einheimischen Kontaktpersonen betreut. Schnell war für mich klar: Das, was mir andere im Ausland ermöglicht haben, möchte ich zurückgeben. In meiner Lokalvertretung in Düsseldorf habe ich es mir zum Ziel gesetzt, die „Incomings“, also die ausländischen Medizinstudierenden in Deutschland, zu betreuen und ihren Aufenthalt in Düsseldorf zu etwas Besonderem zu machen.

Doch damit nicht genug: Anfang dieses Jahres wurde ich zur Bundeskoordinatorin des Forschungsaustausches für die Outgoings – also alle deutschen Medizinstudierenden, die ins Ausland möchten – gewählt. Seit November koordiniere ich alle eingehenden Bewerbungen und alle zur Verfügung stehenden Projekte und bin die Ansprechpartnerin für die deutschen Outgoings.

Insidertipps zu Auslandserfahrungen

  • Step 1: Projekt suchen! Die internationale Datenbank der ifmsa (das ist die internationale Vertretung aller Medizinstudierenden) enthält über 3 500 Projekte in den verschiedensten Ländern. Sie werden unterteilt in die Kategorien „Basic Science“, „Clinical Project with lab work“ und „Clinical Project without lab work“. Einfach die Suchbegriffe „ifmsa research database“ in eine Internetsuchmaschine eingeben und schon kann’s losgehen! Besonders sollte man auf die Kenndaten des Projektes achten: Ist es vier oder acht Wochen lang? Wer kann teilnehmen? In welchen Monaten findet es statt? Was wird erwartet?
  • Step 2: Länderliste checken! Sobald man ein Projekt gefunden hat, muss man überprüfen, ob die bvmd mit diesem Land zu der Austauschzeit auch wirklich einen Vertrag geschlossen hat. Auf der Internetseite der bvmd (www.bvmd.de) kannst man das ganz einfach überprüfen: Austausch -> Forschungsaustausch -> Länderliste. Land ist dabei? Perfekt!
  • Step 3: Zwei Ersatzprojekte suchen! Wenn man ein Projekt gefunden hat, sollte man sich noch Plan B und C zurechtlegen. In der ifmsa Database findet man weitere Projekte.
  • Step 4: Bewerbungszeitraum. Die nächste Frist für die Bewerbung ist der 15. Mai 2016 für den Zeitraum Oktober 2016 bis März 2017. Je nach Bewerbungszeitraum variiert die Länderliste.
  • Step 5: Die eigentliche Bewerbung. Dieser Schritt ist aufgeteilt in drei Unterschritte: 1. Google-Anmeldeformular ausfüllen, 2. Bewerbungsgebühr von 100 Euro an das Berliner Büro überweisen, 3. Deine Bewerbungsunterlagen per Mail einreichen! Sollte man einen Austausch nicht antreten können, kann man entweder das Geld für die nächste Austauschsaison „aufheben“ oder sich 80 Euro auszahlen lassen. Wenn man nach dem Austausch einen kurzen Bericht verfasst, bekommt man 30 Euro der Bewerbungsgebühr zurück.
  • Step 6: Zusage – und jetzt? Wenn man für ein Projekt ausgewählt wurde, bekommt man eine Mail. Die endgültige Zusage kommt dann spätestens acht Wochen vor dem Austausch in Form der Card of Acceptance (CA). Diese muss man mit der Card of Confirmation (CC) bestätigen und schon kann es losgehen!

Quelle: Dieser Beitrag ist in Heft 4/2015 von Medizin Studieren, dem Magazin des Deutschen Ärzteblattes für Studierende der Medizin, S. 16, erschienen.