Studium und Assistenzzeit in England – ein Erfahrungsbericht

Viele Medizinstudierende und Assistenzärzte wünschen sich einen Auslandsaufenthalt. Simon Melderis, UKE, berichtete beim Jugendforum Chances auf dem DGIM-Kongress 2016 aus seiner Zeit in England.

Simon Melderis

Simon Melderis berichtete über seine Erfahrungen in Studium und Assistenzzeit in England. | Reinhart

Die Bewerbung zum Medizinstudium an den Universitäten beginnt in England bereits während des ablaufenden Studienjahres, zwischen September und Oktober. Neben den eingereichten Noten muss man hier auch einen Essay schreiben, und darin die persönliche Motivation für das angestrebte Engagement darzulegen. Extra curriculare Aktivitäten seien hier besonders wichtig. Die Studiengebühren sind 2010 erhöht worden, mittlerweile zahlt man etwa 9000 Pfund im Jahr.

Das erste Studienjahr bringt die Inhalte Anatomie, Biochemie, Physiologie, Ethik, Statistik und „Preparing for Patients“ mit sich. Letzteres beinhaltet unter anderem die Unterweisung in der richtigen Patientenkommunikation und mehr: das Rüstzeug, um später in Kontakt mit den Patienten möglichst alles „richtig“ zu machen. Neben Prüfungen und praktischen Übungen kommen im Gegensatz zu Deutschland auch hier am Semesterende noch Essays hinzu.

BA-Arbeit im dritten Studienjahr

Im zweiten Studienjahr stehen die Fächer Pathologie, Pharmakologie, Neurowissenschaften, Reproduktion sowie ein Wahlfach auf dem Programm. Das dritte Studienjahr setzt sich komplett aus Wahlfächern zusammen. Hier gibt es nur noch acht Vorlesungen pro Woche, den Rest der Zeit verbringen die Studenten mit dem Selbststudium und dem Schreiben ihrer BA-Arbeit (Literaturarbeit und Laborprojekt). „Die BA-Arbeit im englischen Studium entspricht etwa dem Niveau der Doktorarbeit in Deutschland“, sagte Melderis.

Der Abschluss der Vorklinik ist Bologna-konform, der Bachelor of Arts entspricht dem deutschen Physikum. Nach diesem Abschnitt ist ein Wechsel der Universitäten möglich. Melderis wechselte nach dem BA von Cambridge zum Imperial College nach London. „Die klinischen Jahre sind in England deutlich selbstgesteuerter als in Deutschland. Viel Unterricht findet außerhalb der Uni statt“, sagte Melderis. Daher komme man mit einem ganz anderen Patientenspektrum in Berührung als hierzulande.

Das vierte und das fünfte Jahr bestehen aus Klinikrotationen und Klausuren, bevor das Studium im sechsten Jahr, dem "Final Year", zu Ende geht. Es gibt hier, anders als in Deutschland, kein Staatsexamen: jede Universität entscheidet selbst über die finalen Prüfungen. Die zu erreichenden Abschlüsse stellen kein anerkanntes Äquivalent zum deutschen Dr. med. dar, dieser muss nachgeholt werden.

Zum Ausbildungsstart: Zwei Jahre - drei Tertiale Rotationen

Die Facharztausbildung beginnt in England mit dem zweijährigen "Foundation Programme", in dem die allgemeine ärztliche Ausbildung stattfindet. „Man bewirbt sich in England nicht bei einer bestimmten Klinik, sondern in einer Region, der 'Deanery'“, sagte Melderis. Beide Jahre bestehen aus drei Tertialen Rotationen, die Bewerbung findet online statt. Das Punktschema setzt sich zusammen aus bereits publizierten Arbeiten des Bewerbers, dem BA-Degree, dem Uni-Ranking und Fragen zur Einschätzung des Charakters des Bewerbers. Die Angaben werden anonym bewertet und danach findet das Matching statt und es wird entschieden, in welcher Deanery der Bewerber landet. „Da es kein Vorstellungsgespräch gibt und die Klinikchefs die Bewerber nicht zu sehen bekommen, können Fälle von Diskriminierung und 'Vitamin B' weitestgehend ausgeschlossen werden“, erklärte Melderis. Durch die vielen Rotationen können keine festen Bindungen entstehen, den Assistenzärzten wird ein hohes Maß an Flexibilität abverlangt, Urlaubszeiten und Dienste werden vom Krankenhaus geplant und festgelegt.

"Ausbildung deutlich strukturierter"

„Die Facharztausbildung ist deutlich strukturierter als in Deutschland, jeder Assistenzarzt hat einen Educational Supervisor, zentral organisierte Fortbildungen“, sagte Melderis.

Nach dem "Foundation Programme" folgt das "Core Medical Training", zwei Jahre Innere Medizin. Danach kommt das "Specialty Training", die Ausbildung in der gewünschten Subspezialität. Die Facharztprüfung der MRCP (Membership of the Royal Colleges of Physicians of the United Kingdom) besteht aus drei Teilen und kostet rund 2000 Pfund. Hier müssen Essays und Klausuren geschrieben werden, hinzu kommen Multiple Choice-Fragen. Viele Studierende nehmen noch zusätzliche Vorbereitungskurse, da die Durchfallquote recht hoch ist.

Quelle: Melderis, Simon: "Erfahrungen als Assistenzarzt und Student aus dem Ausland: Beispiel England", auf der 122. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, 9. bis 12. April 2016 in Mannheim.