Studium: Lernorientierung wichtig für den Erfolg

Psychologen der Universität Bonn haben in einer Studie mit mehr als 100 Teilnehmern untersucht, welchen Einfluss die sogenannte Lernorientierung auf die Studiennoten hat. Mit Schnelltests kann diese innerhalb von fünf Minuten bewertet werden.

Ein Persönlichkeitstest kann den Erfolg in naturwissenschaftlich geprägten Studienfächern voraussagen | Foto: kasto/fotolia

Das Studium der Medizin ist lernintensiv und naturwissenschaftlich geprägt. Ein Teil des Physikums besteht beispielsweise aus der Biochemie/Chemie und der Anatomie/Biologie. In der Bonner Studie untersuchten die Forscher, welche persönlichen Eigenschaften wichtig sind, um beim Lernen von naturwissenschaftlichen Aspekten erfolgreich zu sein.

Eine erste Vorstudie wurde bereits vor drei Jahren initiiert, das Ergebnis mittlerweile im "Journal of Personality Assessment" veröffentlicht. Die Studie zeigt, dass man den Erfolg im Studium sehr gut an der persönlichen Eigenschaft "Lernorientierung" voraussagen kann. Dabei interessant: Die Bewertung von Kommilitonen ist präziser als die Selbsteinschätzung der Studierenden. Doch was heißt Lernorientierung eigentlich? Dazu zählen die Lust am Lesen sowie eine hohe Lesegeschwindigkeit, das Bemühen um einen großen Wortschatz, eine gute Auffassungsgabe sowie die Fähigkeit, viele Informationen verarbeiten zu können.

Das Ziel: Sich ständig verbessern

„Gute Noten in den Natur- und Technikwissenschaften beruhen nicht nur auf Intelligenz und Fleiß, sondern auch auf dem Wunsch, ständig zu lernen und sich zu verbessern“, erklärt die Erstautorin der Studie, Psychologin Mareike Kholin. Somit verantwortlich für den Erfolg beim Studium: Eine sogenannte agile Lernpersönlichkeit. Das Team fand heraus, dass bis zu 36 Prozent der Leistungsunterschiede bei den Noten durch die oben genannten Aspekte der Lernorientierung vorhergesagt werden können.

Die Studierenden, die an der Studie teilnahmen, wurden mit einem Abstand von einem Jahr befragt. Die Einschätzung der Lernpersönlichkeit wurde nach Abschluss des Studiums mit den Noten abgeglichen. Mitstudenten konnten die Stärken und Schwächen ihrer Kollegen dabei besser einschätzen, als diese selbst. „Allerdings müssten die Testfragen von den Studierenden und ihren Kommilitonen mit Ernsthaftigkeit und nicht geschönt beantwortet werden, weil man beispielsweise den Kommilitonen nicht verletzen möchte“,  erklärt Prof. Dr. Gerhard Blickle, Leiter der Arbeitsgruppe.

 

Einsatz in der Praxis

Tests zur Bewertung der Lernorientierung könnten in Zukunft auf den Homepages von Universitäten angeboten werden, diese dauern nicht länger als fünf Minuten. Potenzielle Studierende könnten dann herausfinden, ob ihr persönliches Profil mit den Anforderungen des Studiums übereinstimmt. „In vielen Fächern gibt es gerade auf dem Weg zum nächsten Master-Abschluss hohe Durchfallquoten. Der Test kann helfen, eine sinnvolle Entscheidung zu treffen.“

Die Auswertung von persönlichen sozialen Kompetenzen erfährt im universitären Umfeld immer mehr Beachtung. Vor Kurzem hatte bereits die Bundesärztekammer (BÄK) angekündigt, dass in Zukunft psychosoziale Kompetenzen, soziales Engagement und einschlägige Berufserfahrung zusätzlich zu den reinen fachlichen Bewertungskriterien des letzten Schulzeugnisses einen Einfluss bei der Vergabe von Studienplätzen haben sollen. Am Hamburger UKE werden bereits Team-Tests zur Aufnahme ins Medizinstudium durchgeführt, bei denen die Teilnehmer gemeinsam die Lösung zu einem Problem erarbeiten müssen.

Quelle: Universität Bonn, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Bundesärztekammer. Foto:kasto/Fotolia