Sexualaufklärung durch Medizinstudierende

Vor 15 Jahren ist die Aktion „Mit Sicherheit Verliebt“ der bvmd gestartet. Heute gibt es Lokalgruppen an mehr als 30 Universitätsstandorten. Helfer sind immer willkommen.

Kondome

Bei dem Projekt "Mit Sicherheit Verliebt" engagieren sich Studierende ehrenamtlich in der Sexualaufklärung von Schulkindern. | Pixabay

Rund 600 Studierende engagieren sich im Augenblick ehrenamtlich bei „Mit Sicherheit Verliebt“. Bei Schulbesuchen gestalten sie einen offenen und altersgerechten Sexualkundeunterricht.

Das Grundprinzip ist simpel: Da die Studierenden den Jugendlichen vom Alter und Auftreten her näher sind als der Lehrer und als Außenstehende die Klasse nicht kennen oder mit Noten bewerten, kann ein Vertrauensverhältnis leichter entstehen. Deshalb muss während eines Schulbesuchs der Lehrer das Klassenzimmer verlassen. So wird ein Raum geschaffen, in dem die Schüler ihre Fragen, Sorgen und Ängste offen vorbringen können. Da die Lehrkräfte aber oft sehr interessiert sind und wir möglichst transparent arbeiten wollen, bietet das Projekt auch Workshops für Lehrende an und ist offen für Anfragen.

Und so läuft ein Schulbesuch ab: Nachdem die Lehrer das Klassenzimmer verlassen haben, wird zunächst der Raum umgeräumt: Schultische und -ranzen werden an die Wände geschoben und die Stühle in einem großen Kreis aufgestellt. Hier steht niemand an der Tafel und doziert von oben herab. Die Studierenden sitzen ebenso im Kreis wie die Jugendlichen. Dann werden Regeln aufgestellt: „Einander ausreden lassen“, „Keine Handys“, „Nichts verlässt den Raum“ – und „Man darf auch lügen“. Ein Blick in die Gesichter der Klasse macht schnell klar: Es sorgt für Sicherheit, bei peinlichen Fragen einfach lügen zu dürfen.

Begriffssammlung mit Hilfe des "Sex-ABC"

Nun beginnt der eigentliche Unterricht: Das Alphabet wird an die Tafel geschrieben und es wird erläutert, dass dies das „Sex-ABC“ sei. Die Schüler sollen zu jedem Buchstaben alle Begriffe aufschreiben, die ihnen zum Thema Liebe, Zärtlichkeit und Sex einfallen. Begriffe wie „Küssen“, „Ehe“ oder auch „Sex“ mischen sich mit „Anal“, „Oral“ oder „Fisting“. Danach sollen die Schüler die Begriffe erklären. Über viele Begriffe wird zwar gelacht, aber was sie bedeuten, ist oft unklar. Diese Begriffe werden von den Studierenden kurz erläutert.

Der thematische Fokus liegt auf der Anatomie der Geschlechtsorgane, den Risiken von sexuell übertragbaren Krankheiten und dem breiten Spektrum der Verhütungsmittel. Ziel ist, den Jugendlichen durch Aufklärung dabei zu helfen, eine bewusste und selbstbestimmte Sexualität zu entwickeln und sie darin zu bestärken.

Oft werden nach dieser gemeinsamen Phase die Klassen geteilt: Die Jungen gehen mit den männlichen Aufklärern in einen Nebenraum, die Mädchen bleiben mit den Aufklärerinnen im Klassenzimmer. Erfahrungsgemäß spricht die Mädchengruppe zum Beispiel über den ersten Besuch beim Gynäkologen oder das humane Papillomavirus, bei den Jungen ist Pornografie ein häufiges Thema.

Stigmatisierung und Sexting

Nachdem die Klasse wieder zusammengeführt wurde, geht es um Themen wie die Stigmatisierung von Homo- und Bi-sexuellen oder die unkontrollierbare Ausbreitung von Nacktbildern über das Internet (Sexting).

Nach vier bis fünf Stunden endet der Schulbesuch: Jedes Mitglied der Klasse erhält so viele Kondome, wie er oder sie möchte und einen Flyer, der die wichtigsten Informationen des Tages zusammenfasst.

„Mit Sicherheit Verliebt“ ist ein Projekt der Bundesvertretung der Medizinstudierenden e.V. (bvmd). Weitere Infos:
www.sicher-verliebt.de; Fragen per E-Mail an: info@sicher-verliebt.de

Quelle: Dieser Beitrag ist in Heft 1/2016 von Medizin Studieren, dem Magazin des Deutschen Ärzteblattes für Studierende der Medizin, S. 24, erschienen.

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