Reform- und Modellstudiengänge Medizin: RWTH Aachen

In der Serie "Reformstudiengänge in der Humanmedizin" stellen wir Hochschulen vor, an denen Modellstudiengänge für Medizin angeboten werden. Den Anfang macht der Modellstudiengang Medizin der RWTH Aachen.

Medizinstudenten

Immer mehr Medizinische Fakultäten bieten sogenannte Modellstudiengänge an. | ACP Production/Fotolia

Seit dem Wintersemester 2003/2004 studieren alle Erstsemester der Medizinischen Fakultät Aachen im Modellstudiengang. Durch die zentrale Vergabestelle "Hochschulstart.de" werden rund 250 Studierende pro Semester für das Studium zugelassen. Zusätzlich können sich Medizinstudierende anderer Fakultäten für die Teilnahme an bestimmten Modulen, wie etwa den Qualifikationsprofilen, die die RWTH anbietet, bewerben.

Aufbau des Studienganges:

Studienbeginn: Homogenisierung

Der erste Studienabschnitt – zusammengefasst unter dem Begriff „Homogenisierung“- umfasst das erste und zweite Semester. Er soll ein naturwissenschaftliches Grundverständnis vermitteln. Hier erhalten die Studenten erste Einblicke in Bau und Funktion einzelner Organsysteme.

Der erste Studienabschnitt umfasst die Vermittlung von medizinrelevantem Grundlagenwissen und die erste Stufe der sogenannten humanbiologischen Lernspirale.

Das erste Semester beginnt mit einer dreitägigen Orientierungseinheit, in der die Studienanfänger einen ersten Einblick in die Studienorganisation erhalten und von studentischen Tutoren höherer Semester mit der Uniklinik und ihrem Studienort Aachen vertraut gemacht werden.

Die Zulassung zum zweiten Studienabschnitt erfolgt nach Absolvieren aller Kurse des ersten Studienabschnittes, der Teilnahme an zwei Progress-Tests und der Ableistung von 60 Tagen Krankenpflegedienst.

3. bis 6. Semester: Theoretisch-klinische Systemblöcke

Ab dem zweiten Abschnitt  - zwischen dem 3. und 6. Semester – „Theoretisch-klinische Systemblöcke“ getauft - haben die Studierenden direkten Patientenkontakt. „Skillskurse“ sollen dabei intensive Übungsmöglichkeiten bieten, innerhalb derer die erlernten Untersuchungs- und Arbeitstechniken praktisch angewandt und vertieft werden sollen. Verschiedene Sonderblöcke wie "Psyche", "Wachstum" und "Alter" sollen zu einer Sensibilisierung der Studierenden für diese Themen führen.

Hier werden – so sieht es der Lehrplan vor – die Organsysteme des menschlichen Körpers unter Miteinbeziehung weiterer medizinischen Fächer interdisziplinär besprochen. Im Vordergrund steht dabei der Erwerb von Wissen und Verständnis für Bau, Funktion und pathogenetische Reaktionsprinzipien des betreffenden Organs oder Organsystems. Die ebenfalls in die Ausbildung involvierten klinischen Fächer bieten typische Fallbeispiele an, die Bau, Funktion und wichtige Krankheiten des betreffenden Organs illustrieren. Das Curriculum setzt sich aus ca. 60 Prozent theoretischem und 40 Prozent klinischem Inhalt zusammen.

In Aachen werden somit ab dem dritten Semester - und damit früher als im Regelstudiengang - erstmals klinische Inhalte im Studium unterrichtet. Systemblöcke behandeln „systematisch“ einzelne Organsysteme des Körpers in Vorlesungen, Seminaren, POL-Seminaren und Praktika. 

Qualifikationsprofile und Untersuchungskurse

Wahlpflichtfächer, sogenannte Qualifikationsprofile , sollen eine Vertiefung des Grundlagenwissens und eine erste Einführung in wissenschaftliches Arbeiten herbeiführen. Ein Qualifikationsprofil umfasst thematisch zusammengehörige Wahlpflichtveranstaltungen. Diese Lehrveranstaltungen sollen zur Spezialisierung der Studierenden schon in frühen Abschnitten des Studiums beitragen. 

 

Untersuchungskurse – kurz UK – werden  parallel zu den Systemblöcken angeboten. Die ersten Termine finden schon im 3. Semester statt, nachdem die Studierenden zwei Systemblöcke absolviert haben und somit die Basiskenntnisse über die Organsysteme erworben haben. 

Die verschiedenen Untersuchungstechniken werden anfangs von den Studierenden in 6-er-Gruppen untereinander oder mit Simulationspatienten geübt. Im zweiten Schritt werden Patienten unter ärztlicher Anleitung von Studierenden in Dreiergruppen untersucht, Kommunikationstechniken und Soft Skills geübt und spezielle Untersuchungstechniken vermittelt.

Nach erfolgreichem Bestehen aller Kurse des zweiten Studienabschnitts absolvieren die Studierenden die Ärztliche Basisprüfung. 

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit dem dritten Studienabschnitt -->